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Länder-Vergleich

Du denkst, die Schweizer Coronamassnahmen sind streng?

27. August 2021, 10:58 Uhr
Geht es nach dem Bundesrat, soll in Gastrobetrieben, Kultur- und Freizeiteinrichtungen und an Veranstaltungen in Innenräumen bald eine Zertifikatspflicht gelten. Die Gastrobranche tobt bereits. Doch ein Blick über die Landesgrenzen zeigt: Andere Länder sind noch viel strenger.

Die Zahlen der Neuinfektionen und Hospitalisationen steigen, der Bundesrat wappnet die Schweiz gegen die vierte Welle. Das könnte etwa eine Zertifikatspflicht in Innenräumen von Restaurants, Bars, Clubs, Freizeit- und Kulturbetrieben oder bei Veranstaltungen im Innern beinhalten. Das heisst: Wer nicht genesen, getestet oder geimpft ist, kommt nicht rein. Den Vorschlag hat der Bundesrat am Mittwoch in die Vernehmlassung geschickt. Nächste Woche wird definitiv entschieden.

Noch während die Medienkonferenz des Bundesrats lief, nahm Gastrosuisse bereits öffentlich Stellung: Als «verfassungswidrig» und «diskriminierend» bezeichnete Verbandspräsident Casimir Platzer den Vorschlag des Bundesrats. Doch sind die Zustände in der Schweiz tatsächlich so schlimm? Ein Blick ins nahe und ferne Ausland lässt anderes vermuten.

Unsere Nachbarländer sind strenger

Man muss nämlich gar nicht weit gehen, um zu erkennen, dass andernorts striktere Regeln als hierzulande gelten. Deutschland etwa war schon im vergangenen Jahr strenger als die Schweiz. So galt beispielsweise auch im Sommer eine Maskenpflicht in den Läden, während sie in der Schweiz erst im Herbst national verordnet wurde. Beim Nachbarn im Norden gilt nun seit Montag die 3G-Regel: Sie deckt sich grösstenteils mit dem Vorschlag des Bundesrats für die Massnahmen in der Schweiz. Nur wer geimpft, genesen oder getestet ist, darf zum Beispiel in Spitäler, Pflegeeinrichtungen, Innenräume von Gastrobetrieben und an Veranstaltungen ins Innere gehen oder körpernahe Dienstleistungen in Anspruch nehmen. Die Regel gilt für alle ab sechs Jahren. In öffentlich zugänglichen Innenräumen gilt zudem überall Maskenpflicht.

In Italien gilt ebenfalls Maskenpflicht in öffentlich zugänglichen Innenräumen. Dazu zählen auch Restaurants. Speziell: Auch im Auto muss eine Maske getragen werden, wenn die Insassen nicht verheiratet respektive in einer festen Beziehung sind oder im gleichen Haushalt leben. Es dürfen maximal drei Personen aus unterschiedlichen Haushalten im Auto sitzen – diese müssen dabei Abstand halten.

Auch in Frankreich gilt in öffentlich zugänglichen Räumen wie Läden, Ämtern, Schulen oder auch im öffentlichen Verkehr die Maskenpflicht. An diversen Orten braucht es zudem einen «Gesundheitspass», dem Pendant des Covid-Zertifikats. Zu diesen Orten zählen etwa Bars, Restaurants, Einkaufszentren, Spitäler und Pflegeeinrichtungen.

Österreich ist noch strenger: Die 3G-Regel gilt hier in der gesamten Gastronomie, aber auch bei Zusammenkünften von mehr als 100 Personen. Wer sich an diesen Orten zudem länger als 15 Minuten aufhält, muss seine Kontaktdaten hinterlassen. In Bars und Clubs, der sogenannten «Nachtgastronomie», gilt sogar eine 2G-Regel. Zutritt haben hier nur Geimpfte und Getestete.

Lockdowns sind keine Seltenheit

Für besonders strikte Massnahmen bekannt ist Neuseeland. Am Donnerstag wurden dort 68 Neuinfektionen gemeldet – so viele wie seit April nicht mehr. Im Land gilt deshalb Alarmstufe 4. Das heisst, das Land befindet sich im Lockdown. Wer das Haus verlassen will, braucht dafür einen guten Grund. Gefährliche Sportarten sind derzeit nicht erlaubt. In den Läden darf auch nichts verkauft werden, was vor Ort verzehrt werden kann. Tankstellen dürfen also beispielsweise keinen Kaffee zum sofort trinken verkaufen. Restaurants, Bars, Cafés, Fitnesscenter und Freizeiteinrichtungen sind geschlossen.

Auch die libysche Hauptstadt Tripolis und West-Libyen befinden sich in einem Teil-Lockdown. Zwischen 18 und 6 Uhr gilt eine Ausgangssperre und Restaurants, Bars, Cafés und nicht systemrelevante Geschäfte müssen geschlossen bleiben. Die meisten Grenzübergänge sind geschlossen, eine Einreise ist deshalb nur mit Visum möglich. Eine nächtliche Ausgangssperre gilt übrigens auch in Südafrika.

Vatikan hat eine Impfpflicht

Manche Schweizer Massnahmen-Skeptiker sehen in der Zertifikatspflicht einen indirekten Impfzwang – andernorts ist eine direkte Impfpflicht Realität: So im kleinsten Land der Welt, dem Vatikan. Dort gilt nämlich eine Impfpflicht für alle Bewohner und Angestellten – also auch für die Schweizer Garde. Die Pflicht gilt bereits seit Februar, berichtet ZDF. Auch in Asien gibt es Länder mit Impfpflicht: In Tadschikistan und Turkmenistan gilt diese für Erwachsene.

(vro)

Quelle: ArgoviaToday
veröffentlicht: 27. August 2021 05:52
aktualisiert: 27. August 2021 10:58