Frankreich

Höchste Terrorwarnstufe in Frankreich ++ 7000 Soldaten mobilisiert

29. Oktober 2020, 16:37 Uhr
Der mutmassliche Täter konnte festgenommen werden.
© Keystone
Nach einer tödlichen Messerattacke in Nizza hat die Pariser Anti-Terror-Staatsanwaltschaft die Ermittlungen übernommen.

Bei einer brutalen Messerattacke in einer Kirche in der südfranzösischen Metropole Nizza sind mindestens drei Menschen getötet worden. Mehrere weitere wurden bei dem Angriff am Donnerstag verletzt, der mutmaßliche Täter wurde festgenommen. Frankreich rief die höchste Terrorwarnstufe aus, Präsident Emmanuel Macron sprach von einem «islamistischen Terroranschlag». Frankreich sei angegriffen worden, sagte der Staatschef in Nizza. Es ist die dritte Attacke in Frankreich innerhalb weniger Wochen.

Der Angriff ereignete sich laut Medien gegen 9.00 Uhr morgens in der Kirche Notre-Dame mitten in der Einkaufsstraße von Nizza. Zwei Menschen seien innerhalb der Kirche «auf schreckliche Weise» getötet worden, sagte Nizzas Bürgermeister Christian Estrosi. Die Art und Weise erinnere an den Tod des vor zwei Wochen ermordeten Lehrers Samuel Paty, erklärte Estrosi weiter, ohne Details zu nennen.

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Quelle: CH Media Video Unit / AP

Paty war in der Nähe seiner Schule in einem Pariser Vorort enthauptet worden. Ein dritter Mensch habe sich in Nizza noch in eine nahe gelegene Bar flüchten können und sei dort schließlich gestorben. Medien zufolge soll es sich bei den Opfern um zwei Frauen und einen Mann handeln. Premierminister Jean Castex bestätigte, dass drei Menschen bei der Tat getötet wurden.

Estrosi zufolge rief der Attentäter «Allahu akbar» («Gott ist groß»). Castex sprach von einer «niederträchtigen» und «barbarischen» Attacke und kündigte eine entschlossene Antwort der Regierung an. Es sei die Stufe «Urgence Attentat» des Anti-Terror-Alarmplans «Vigipirate» ausgerufen worden, sagte er in der Pariser Nationalversammlung. Diese Warnstufe ermöglicht die außergewöhnliche Mobilisierung von Ressourcen im Kampf gegen den Terror.

Macron kündigte einen verstärkten Schutz von Kirchen und Schulen an. Der schon länger laufende inländische Anti-Terroreinsatz «Sentinelle» des Miltärs solle von bisher 3000 auf nun 7000 Soldaten aufgestockt werden. «Heute steht die ganze Nation hinter unseren katholischen Mitbürgern», sagte Macron in der Nähe des Tatorts. Man dürfe nicht dem Geist der Spaltung nachgeben. Der 42-Jährige war am Nachmittag in die südfranzösische Metropole gereist und tauschte sich dort unter anderem mit Sicherkräften aus. In zahlreichen Kirchen im Land läuteten nach der brutalen Attacke am Nachmittag um Punkt 15.00 Uhr die Glocken.

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Quelle: CH Media Video Unit/ AP

In Frankreich kam es noch zu weiteren Vorfällen, ein Zusammenhang zur Attacke in Nizza konnte aber zunächst nicht bestätigt werden. Die Polizei tötete im südfranzösischen Avignon einen mutmaßlichen Angreifer, der Passanten mit einer Waffe bedroht haben soll. Es gab Polizeikreisen zufolge vorerst keine Hinweise auf einen Terrorhintergrund. In Lyon wurde ein mit einem Messer bewaffneter Mann festgenommen. Niemand wurde verletzt, der Mann sei Sicherheitskreisen bekannt gewesen.

Am französischen Konsulat in Dschidda in Saudi-Arabien wurde außerdem ein Sicherheitsbeamter angegriffen und leicht verletzt. Der Täter wurde festgenommen. Die genauen Hintergründe der Tat blieben zunächst unklar. Die französische Botschaft in Riad sprach in einer Mitteilung von einer «Messerattacke». Franzosen in Saudi-Arabien wurden zugleich zu «höchster Wachsamkeit» aufgerufen.

Weltweit war die Anteilnahme nach der mörderischen Attacke groß. Saudi-Arabien verurteilte den Angriff der staatlichen Nachrichtenagentur SPA zufolge mit klaren Worten. «Solche extremistischen Taten stehen im Widerspruch zu allen Religionen und allem menschlichen Glauben», teilte das Außenministerium demnach mit. Zugleich sei wichtig, solche «Verhaltensweisen» abzulehnen, die zu Hass, Gewalt und Extremismus führen, teilte das Ministerium mit, ohne konkreter zu werden.

Die Spitzen der EU-Institutionen sicherten Frankreich ihre Solidarität zu. Ganz Europa sei solidarisch mit dem Land, schrieb EU-Kommissionschefin Ursula von der Leyen auf Twitter. «Ganz Europa ist bei euch», schrieb EU-Ratschef Charles Michel. Auch Russlands Präsident Wladimir Putin brachte sein «tiefes Mitgefühl» zum Ausdruck. Italiens Regierung drückte Frankreich sein Beileid aus. «Wir sind vereint im Kampf gegen Terror und Hass», erklärte der spanische Ministerpräsident Pedro Sánchez. Auch Papst Franziskus bekundete seine Nähe und sein Mitgefühl mit den Trauernden.

Nizza wurde bereits 2016 von einem Terroranschlag erschüttert, dabei starben 86 Menschen. Frankreich wird seit Jahren von einer islamistischen Terrorwelle heimgesucht.

(dpa)

Quelle: dpa
veröffentlicht: 29. Oktober 2020 11:11
aktualisiert: 29. Oktober 2020 16:37