Deutschland

Kremlgegner Nawalny aus Berlin abgeflogen - Festnahme in Moskau droht

17. Januar 2021, 15:37 Uhr
Kremlgegner Alexej Nawalny und seine Ehefrau Julia, die mit einem Flugzeug der Fluggesellschaft «Pobeda» zurück nach Moskau fliegen wollen, steigen ins Flugzeug. Foto: Michael Kappeler/dpa
© Keystone/dpa/Michael Kappeler
Fünf Monate nach seiner Vergiftung hat der Kremlkritiker Alexej Nawalny seine Heimreise von Deutschland nach Russland angetreten. Das Flugzeug der russischen Gesellschaft Pobeda hob am Nachmittag vom Berliner Flughafen BER ab. Die Maschine mit der Nummer DP 936 sollte um 17.20 Uhr MEZ (19.20 Uhr Ortszeit) am Moskauer Flughafen Wnukowo landen. Der 44-Jährige wird unter anderem von seiner Ehefrau Julia Nawalnaja und seinen Mitarbeitern begleitet, wie auf einen Foto in den sozialen Netzwerken zu sehen war.

Auf dem Airport in Moskau bezogen Hundertschaften der Anti-Terror-Polizei OMON Stellung. Vor dem Gebäude standen mehrere Gefangenentransporter, wie eine Reporterin der Deutschen Presse-Agentur berichtete. Der Oppositionsführer hatte seine Anhänger aufgerufen, ihn auf dem Flughafen zu treffen. Die Moskauer Staatsanwaltschaft warnte vor unerlaubten Kundgebungen auf dem Flughafengelände und drohte mit Konsequenzen.

Zahlreiche Medien beklagten, dass die Flughafenverwaltung keine Kamerateams zulassen wollte. Die russische Justiz hat Nawalny zur Fahndung ausgeschrieben, weshalb der Gegner von Kremlchef Wladimir Putin mit seiner Festnahme rechnen muss. Er soll in einem früheren Strafverfahren gegen Bewährungsauflagen verstossen haben.

Nawalny erholte sich in Deutschland von einem Anschlag mit dem als Chemiewaffe verbotenen Nervengift Nowitschok. Das Attentat war am 20. August in der sibirischen Stadt Tomsk verübt worden. Nawalny hatte immer wieder Putin und den Inlandsgeheimdienst FSB für den Mordanschlag verantwortlich gemacht. Der Kremlchef hatte das stets zurückgewiesen. Ungeachtet der Gefahr, getötet oder festgenommen zu werden, erklärte Nawalny mehrfach, dass sein Platz in Russland sei und er dort seinen Kampf gegen das «System Putin» fortsetzen wolle.

Quelle: sda
veröffentlicht: 17. Januar 2021 15:30
aktualisiert: 17. Januar 2021 15:37