Mosambik erneut von schwerem Zyklon erschüttert

26. April 2019, 17:20 Uhr
Der neuerliche Sturm "Kenneth" hat in Mosambik Tote, Verletzte und hohe Sachschäden verursacht. Die Schweiz hat deshalb ihre Hilfe in dem Land, das ein Schwerpunktland der Entwicklungszusammenarbeit bildet, ausgeweitet. (Neidi de Car valho/UNICEF via AP)
Der neuerliche Sturm "Kenneth" hat in Mosambik Tote, Verletzte und hohe Sachschäden verursacht. Die Schweiz hat deshalb ihre Hilfe in dem Land, das ein Schwerpunktland der Entwicklungszusammenarbeit bildet, ausgeweitet. (Neidi de Car valho/UNICEF via AP)
© KEYSTONE/AP UNICEF/NEIDI DE CAR VALHO
Sechs Wochen nach dem verheerenden Zyklon «Idai» wird Mosambik erneut von einem tropischen Wirbelsturm erschüttert. Der Zyklon «Kenneth» zerstörte im Norden des Landes Häuser und tötete mindestens einen Menschen. Die Schweiz hat ihre Hilfe im Land ausgeweitet.

Das ganze Ausmass der Katastrophe war allerdings noch nicht absehbar, wie die Katastrophenschutzbehörde am Freitag mitteilte. Helfer warnten, dass auf den Sturm tagelanger schwerer Regen folgen werde, der Überschwemmungen und Erdrutsche auslösen könnte. In allen nördlichen Bezirken war Uno-Angaben zufolge zeitweise der Strom ausgefallen.

«Kenneth» war am Donnerstagabend mit der Stärke vier von maximal fünf auf die nördliche Provinz Cabo Delgado getroffen. Die Windgeschwindigkeiten erreichten mehr als 185 Kilometer pro Stunde und Böen von bis zu 270 Kilometer pro Stunde, wie die Weltwetterorganisation (WMO) mitteilte.

Die Uno-Klimaexperten nannten dies ein «beispielloses» Ereignis: Seit Beginn der Satellitenaufzeichnungen gab es demnach in der betroffenen Region noch nie einen Zyklon. Auch gebe es keine Aufzeichnungen über zwei derartig starke Stürme in Mosambik in der gleichen Saison.

Knapp 750'000 Menschen leben in der betroffenen Region. In einigen Bezirken blieb der Schaden laut Katastrophenschutzbehörde zunächst gering, doch im Bezirk Ibo wurden rund 90 Prozent der Häuser zerstört. Man sei besonders besorgt über die Gemeinden, zu denen es noch keinen Kontakt gebe, erklärte Antonio Carabante vom Roten Kreuz. Zuvor habe Zyklon «Kenneth» auf dem vorgelagerten Inselstaat der Komoren laut Berichten drei Menschen das Leben gekostet, teilte das Uno-Nothilfebüro (Ocha) mit.

Die unmittelbaren Auswirkungen des Zyklons «Kenneth» schienen zunächst weniger verheerend als die seines Vorgängers «Idai». Das lag unter anderem daran, dass die betroffene Provinz Cabo Delgado abgelegen und deutlich weniger dicht besiedelt ist als das Zentrum Mosambiks. «Idai» war dort auf die Metropole Beira mit 500'000 Einwohnern getroffen.

Trotzdem ist die Gefahr bei weitem nicht gebannt: Dem Welternährungsprogramm (WFP) zufolge werden in den nächsten zehn Tagen etwa 600 Millimeter Regen erwartet - doppelt so viel wie nach «Idai».

Allerdings sind die Flusspegel schon jetzt sehr hoch, da die Regenzeit sich dem Ende neigt, wie das Uno-Nothilfebüro erklärte. «Wir wissen aus Erfahrung, dass der Regen - und die darauffolgenden Überschwemmungen und Erdrutsche - aus einer humanitären Sicht viel gefährlicher sind» als der Sturm an sich, sagte Carabante.

Helfer warnten daher, dass humanitäre Hilfe in dem abgelegenen Gebiet extrem schwierig werden könnte. Ausserdem müsse man sich darauf vorbereiten, dass die Sicherheitslage in Cabo Delgado unbeständig sei, warnte die Organisation Care International. In der Provinz kommt es seit gut einem Jahr immer wieder zu Angriffen, für die die Behörden eine örtliche Miliz radikaler Islamisten verantwortlich machen. Mosambiks Staatschef Filipe Nyusi rief nach dem Zyklon zur Ruhe auf.

Der Wirbelsturm war zunächst über die Komoren hinweggezogen. Die Weltwetterorganisation nannte ihn «extrem gefährlich». Laut Ocha wurden mindestens 20 Menschen verletzt und es kam zu Überschwemmungen und schweren Schäden an Häusern. Vorläufigen Schätzungen zufolge sind mindestens 1000 Menschen vorübergehend obdachlos geworden, die meisten von ihnen Kinder, wie Ocha mitteilte.

Mitte März hatte «Idai» vor allem im Zentrum des Landes eine Spur der Verwüstung hinterlassen. Hunderttausende Menschen waren zeitweise obdachlos, Überschwemmungen zerstörten das Ackerland von etwa einer halben Million Bauern. Im Mosambik kamen rund 600 Menschen ums Leben. Auch die Nachbarländer Simbabwe und Malawi waren betroffen.

Als Reaktion auf den neuerlichen Sturm hat die Schweiz ihre Hilfe an Mosambik in den Norden des Landes ausgeweitet. Die Humanitäre Hilfe der Deza hatte in Zusammenarbeit mit der Schweizer Vertretung in Maputo bereits Mitte März auf den Zyklon «Idai» reagiert und humanitäre Hilfsgüter für Trinkwasser und Unterkünfte und eine Expertise im Bereich Wasserversorgung, Abwasser und Hygiene (Wash) durch Mitglieder des Schweizerischen Korps für Humanitäre Hilfe (SKH), sowie Unterstützungen an die Uno-Organisationen und NGO-Partner bereitgestellt.

Aufgrund des Zyklons «Kenneth» seien nun am Freitag in Mosambik verfügbare Materialen der Deza zur Trinkwasseraufbereitung und -versorgung aus Zentral- nach Nord-Mosambik verschoben worden, teilte das Eidgenössische Departement für auswärtige Angelegenheiten (EDA) mit. Sie würden dem bestehenden Deza-finanzierten Projekt der Partnerorganisationen Helvetas in der Provinz Cabo Delgado für die Umsetzung von Nothilfemassnahmen übergeben.

Das lokale Wash-Team von Helvetas werde durch ein Soforteinsatzteam des SKH, das am Sonntag nach Mosambik reisen soll, ausgebildet und unterstützt. Der für die Soforthilfemassnahmen bereitgestellte Budgetrahmen beträgt zur Zeit 300'000 Franken. Mosambik ist ein Schwerpunktland der Entwicklungszusammenarbeit der Schweiz.

Quelle: SDA
veröffentlicht: 26. April 2019 06:44
aktualisiert: 26. April 2019 17:20