Neue Details zu Schiesserei in Konstanz

René Rödiger, 10. August 2017, 16:33 Uhr
Die Staatsanwaltschaft und das Polizeipräsidium Konstanz haben weitere Details zu den Schüssen in einer Konstanzer Disco bekannt gegeben. Dabei üben sie auch Kritik an den Schaulustigen.

Die Staatsanwaltschaft und das Polizeipräsidium Konstanz haben mehrere Videoaufnahmen ausgewertet und mit den Polizeibeamtinnen und Polizeibeamten, die in der Tatnacht im Einsatz waren, den Ablauf rekonstruiert. «Fünf Streifenwagenbesatzungen trafen nahezu gleichzeitig bei der Disco ein und stellten die Fahrzeuge aus einsatztaktischen Gründen in der Nähe ab, um die Schutzkleidung anzulegen», heisst es. Dabei sei einer der Beamten, der hinter einem Streifenwagen kniete, von einem Projektil getroffen worden. Dieses durchschlug den Schutzhelm und verletzte den Polizisten schwer.

Schaulustige und Vorwürfe

«Schon zu diesem Zeitpunkt wurden die Beamten mit Vorwürfen konfrontiert. Ihnen wurde Untätigkeit vorgeworfen.» Dabei sei in solchen Situationen ein taktisch abgestimmtes Vorgehen nötig. Wenig später konnte der mutmassliche Täter von einem Polizisten mit zwei Schüssen lebensgefährlich verletzt werden. Weitere Schüsse aus Dienstwaffen seien nicht gefallen.

Schon zu diesem Zeitpunkt hätten sich viele Besucher dem Tatverdächtigen genähert, «um offensichtlich ihre Neugier zu befriedigen»: «Dies belegen auch Bilder der Überwachungskameras, auf denen Gäste der Diskothek zu erkennen sind, die sich vor dem Mann auf dem Parkplatz versteckt hatten, um dann wieder hinter Fahrzeugen hervorzukommen, um Aufnahmen mit ihrem Handy zu machen.»

Mehrfach auf die Türe geschossen

Bestätigt wurde der Ablauf der Tat: Der Mann ist aus einem Taxi gestiegen und hat sich, bereits erste Schüsse abgebend, über den Parkplatz dem Haupteingang der Disco genähert. Dort schoss er durch die geschlossene Eingangstür, betrat den Vorraum, bewegte sich weiter in Richtung Kassenbereich und Foyer, um schliesslich die Main Hall zu betreten, wo er zwei Schüsse in die Decke abfeuerte.

Anschliessend, «offensichtlich auf der Suche nach seinem Schwager», ging der 34-Jährige wieder in Richtung Ausgang, wo ihm ein Gast vergeblich die Waffe entreissen wollte. Beim Verlassen der Disco gab der Mann noch einen Schuss durch die Tür ab, wodurch ein Security-Mitarbeiter durch Glassplitter verletzt wurde. Als der 34-Jährige wieder auf dem Parkplatz war, verschloss ein Türsteher den Eingang. Weil der Mann nicht mehr zurück in die Disco konnte, schoss er einige Male auf die Tür. «Ob zu diesem oder einem früheren Zeitpunkt der Türsteher tödlich verletzt wurde, konnte noch nicht abschliessend geklärt werden», heisst es. Darauf kam es zum Aufeinandertreffen zwischen dem Tatverdächtigen und der Polizei, der Tatverdächtige eröffnete das Feuer auf die Beamten.

Woher kam die Waffe?

Noch nicht geklärt ist, ob der mutmassliche Täter zum Zeitpunkt unter Drogeneinfluss handelte. Der 34-Jährige hatte keine Erlaubnis, eine Waffe zu besitzen. Die Ermittlungen zur Herkunft der Waffe dauern noch an. Auch die Hintergründe des Streits zwischen dem Mann und seinem Schwager sind noch nicht gänzlich bekannt.

René Rödiger
Quelle: red.
veröffentlicht: 10. August 2017 16:33
aktualisiert: 10. August 2017 16:33