International

OECD prangert Egoismus reicher Staaten im Impfstoff-Rennen an

14. Dezember 2020, 09:54 Uhr
Wer das passende Geld hat, wird zuerst geimpft? Die OECD mahnt zu einer Berücksichtigung ärmerer Länder bei der Verteilung der Corona-Impfstoffe. Foto: Morry Gash/Pool AP/dpa
© Keystone/Pool AP/Morry Gash
Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) prangert an, dass reiche Industrieländer im Rennen um die Corona-Impfstoffe zu egoistisch vorgehen. «Einige Länder haben viel zu viel Impfstoff, andere haben gar nichts», sagte Generalsekretär Angel Gurría der «Welt» (Montag). «Warum denken wir nicht an die fünf Milliarden Menschen in ärmeren Ländern?», fragte der 69-jährige ehemalige mexikanische Aussen- und Finanzminister.

Die OECD ist eine internationale Organisation mit 37 Mitgliedstaaten, die sich der Demokratie und Marktwirtschaft verpflichtet fühlen.

Gurría kritisierte, dass sich etwa Kanada 300 Millionen Impfdosen gesichert habe - für nur 40 Millionen Einwohner. Dies wäre deutlich zu viel Impfstoff, selbst wenn man einrechnet, dass etwa bei dem neuen Impfstoff der Firmen Biontech und Pfizer pro Person zwei Dosen benötigt werden.

Weiter monierte er, dass die USA 800 Millionen Impfdosen gekauft hätten, für eine Bevölkerung von etwas mehr als 300 Millionen. Auch Deutschland hat dem Bericht zufolge insgesamt mehr Impfstoffe geordert als gebraucht werden, wobei das Missverhältnis geringer sei als in den USA und Kanada.

Der Impfstoff müsse gerechter verteilt sein, forderte der OECD-Chef. «Das wäre klug für alle. Dieses Virus wird erst besiegt sein, wenn es überall auf der Welt besiegt ist.»

Die EU hat mit Biontech/Pfizer einen Liefervertrag über bis zu 300 Millionen Impfdosen ausgehandelt. Deutschland hofft nach Worten von Gesundheitsminister Jens Spahn allein auf bis zu 100 Millionen Impfstoff-Dosen. Hinzu kommen Kontrakte mit weiteren Impfstoff-Produzenten.

Quelle: sda
veröffentlicht: 14. Dezember 2020 09:50
aktualisiert: 14. Dezember 2020 09:54