Haiti

Senator schiesst vor Parlament um sich

24. September 2019, 07:12 Uhr
In Haiti schiesst am Montag ein Senator vor dem Parlament um sich - die Regierungskrise verschärft sich immer mehr.
In Haiti schiesst am Montag ein Senator vor dem Parlament um sich - die Regierungskrise verschärft sich immer mehr.
© KEYSTONE/AP/DIEU NALIO CHERY
In Haiti ist es erneut zu einem Gewaltausbruch gekommen. Ein Senator des Karibikstaates, Jean Marie Ralph Féthière, schoss Augenzeugen zufolge am Montag (Ortszeit) vor dem Parlamentsgebäude in der Hauptstadt Port-au-Prince mit einer Handfeuerwaffe.

Er verletzte dabei zwei Personen. Féthière gehört der Regierungspartei PHTK an. Bei den Angeschossenen handelte es sich Medienberichten zufolge um einen Wachmann und einen Fotojournalisten. Letzterer wurde nach einem Bericht des «Miami Herald» im Gesicht getroffen; er befand sich demnach aber nicht in Lebensgefahr. Féthière gab laut der US-Zeitung an, von einer Gruppe Unbekannter angegriffen worden zu sein.

Gerangel an der Spitze

Die Opposition blockierte am Montag zusammen mit Demonstranten zum wiederholten Mal eine Abstimmung im Senat zur Bestätigung des kommissarischen Premierministers Fritz William Michel.

Staatspräsident Jovenel Moïse hatte Michel als Regierungschef nominiert, nachdem dessen Vorgänger Jean Michel Lapin ebenfalls nicht vom Parlament bestätigt worden war. Michel ist bereits der vierte Premierminister unter Moïse, der erst seit Februar 2017 Staatschef ist. Gegen seine Regierung fanden am Montag in Haiti erneut Demonstrationen mit Barrikaden aus brennenden Autoreifen statt.

Treibstoffmangel als Auslöser

Im Februar waren bei Protesten gegen die Regierung Dutzende Menschen ums Leben gekommen. Auch im Juni kam es zu schweren Krawallen. Die Demonstranten fordern Moïses Rücktritt. Sie werfen der Regierung vor, Geld aus dem Petrocaribe-Programm veruntreut zu haben, über das Haiti jahrelang Erdöllieferungen aus Venezuela zu günstigen Konditionen erhalten hatte. Wegen Treibstoffmangels hatten Demonstranten vergangene Woche zeitweise Port-au-Prince lahmgelegt.

Quelle: sda
veröffentlicht: 24. September 2019 02:10
aktualisiert: 24. September 2019 07:12