Freiburg

Sexueller Missbrauch: Neue Vorwürfe gegen Pfarrer

5. Februar 2020, 10:56 Uhr
In der Freiburger Kathedrale hat der Angeschuldigte bis am Dienstag als Pfarrer gewirkt.
© Keystone
Ein Pfarrer soll sich an seinen Schützlingen vergangen haben. Jetzt ist er sein Amt vorläufig los. Vorwürfe werden aber auch gegen seinen Vorgesetzten laut.

(mg) Es sind happige Vorwürfe, die am Mittwoch in der «Rundschau» und dem «Tages-Anzeiger» gegen den Pfarrer der Freiburger Kathedrale publik gemacht werden. Er solle 1998 einen damals 17-Jährigen sexuell belästigt haben.

Konfrontiert mit diesen Vorwürfen, entschied Charles Morerod, der Bischof dieser Diözese, den angeschuldigten Pfarrer «während der Untersuchungszeit und bis zur Feststellung des Sachverhalts von seinem kirchlichen Amt auszuschliessen», wie es in einem Communiqué des Bistums heisst.

Der Pfarrer habe ihm zwischen die Beine gefasst und habe ihm seinen Penis in den Mund gesteckt, wie das Missbrauchsopfer in einem vorab veröffentlichten Video der «Rundschau» erzählt. Zwischen dem mutmasslichen Missbrauchsopfer und dem Pfarrer bestand über Jahre eine enge Verbindung. So war der Jugendliche auch als Ministrant in dessen Kirche tätig. Damals amtete der Pfarrer aber noch nicht in der Freiburger Kathedrale.

Es sind nicht die ersten Vorwürfe gegen diesen Pfarrer. Bereits Ende 2019 gab es Anschuldigungen gegen den Mann. Damals wehrte er sich in einem Interview, dass dies «reine Diffamierung» sei. Letzte Woche gab die Diözese Lausanne, Genf und Freiburg aber bekannt, dass man eine Voruntersuchung eingeleitet habe.

Hat der Bischof die Vorwürfe unter den Teppich gekehrt?

Im «Tages-Anzeiger» werden auch Vorwürfe gegen den Bischof Morerod selber laut: Dieser solle bereits seit längerem von den Vorwürfen gewusst und diese bewusst verschwiegen haben. Bereits seit 2011 solle dieser das Missbrauchs-Dossier auf dem Tisch gehabt, aber erst reagiert haben, als er mit den Recherchen konfrontiert worden sei. Weder der Bischof noch der angeschuldigte Pfarrer mochten sich gegenüber der Zeitung äussern. Sie verwiesen darauf, dass man der laufenden kirchlichen Voruntersuchung nicht vorgreifen wolle.

Quelle: CH Media
veröffentlicht: 5. Februar 2020 10:23
aktualisiert: 5. Februar 2020 10:56