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«Sie logen, sie lügen und sie werden lügen»: Das sind die Stimmen zu Nawalnys Tod

16.02.2024, 16:45 Uhr
· Online seit 16.02.2024, 15:40 Uhr
Zum Tod von Alexej Nawalny häufen sich die Stimmen aus Politik und Prominenz. Der offiziellen russischen Version, wonach der russische Oppositionspolitiker auf einem Spaziergang verstorben sei, stehen viele mit Skepsis gegenüber.

Quelle: Reuters / CH Media Video Unit / Jeannine Merki

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Alexej Nawalny ist tot. Während sein Anwalt bisher ablehnt, Nawalnys Tod zu kommentieren, melden sich bereits zahlreiche Stimmen aus der Öffentlichkeit.

Nawalny-Vertrauter Wolkow glaubt offizieller Darstellung nicht

Leonid Wolkow, Vertrauter und enger Mitarbeiter des laut Behörden im Straflager gestorbenen russischen Oppositionspolitikers Alexej Nawalny, hat allerdings eine klare Meinung. Wenn die Nachricht vom Tod Nawalnys wahr sei, sei Nawalny nicht «einfach so» gestorben, sondern Kremlchef Wladimir Putin für dessen Tod verantwortlich. «Sie logen, sie lügen und sie werden lügen», teilte der Oppositionelle am Freitag in seinem Telegram-Kanal mit. Es gebe keinen Anlass, der Staatspropaganda zu glauben.

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Nawalnys Team hat nach eigenen Angaben noch keine direkte Bestätigung von dessen Tod erhalten.

Nadeschdin: Bete, dass Information über Nawalny-Tod unwahr ist

Der russische Oppositionspolitiker und abgelehnte Präsidentschaftsbewerber Boris Nadeschdin hat sich bestürzt über die Berichte zum Tod des inhaftierten Kremlgegners Alexej Nawalny gezeigt.

«Ich bete dafür, dass sich die Information als unwahr herausstellt», schrieb Nadeschdin, der zuletzt mit seiner Anti-Kriegs-Haltung für Aufsehen sorgte, am Freitag auf Telegram. «Alexej ist einer der talentiertesten und mutigsten Menschen in Russland, die ich kennengelernt habe», fügte er hinzu.

«Sein Kampf für die Demokratie lebt weiter»: So reagiert die Welt

Der deutsche Bundeskanzler Olaf Scholz zeigt sich auf X (ehemals Twitter) zutiefst betroffen über den Tod von Alexej Nawalny. «Er hat sich in Russland für Demokratie und Freiheit eingesetzt und offenbar mit dem Leben bezahlt», schreibt Scholz. Die furchtbare Nachricht zeige für den Bundeskanzler einmal mehr, wie sich Russland verändert habe.

Auch der russische Schachgrossmeister und Regierungskritiker Garry Kasparov zeigt sich betroffen. Er schreibt auf X: «Er wurde getötet, weil er Putin und seine Mafia als die Gauner und Diebe entlarvt hat, die sie sind.» Seine Gedanken seien bei der Frau und den Kindern des tapferen Mannes, schreibt Kasparov weiter.

«Putin fürchtet nichts mehr als den Dissens in seinem eigenen Volk», schreibt Ursula von der Leyen auf X. Nawalnys Tod sei eine düstere Erinnerung daran, worum es Putin und seinem Regime gehe. Weiter fordert sie auf, gemeinsam für die Freiheit und Sicherheit derjenigen zu kämpfen, die es wagen, sich gegen die Autokratie aufzulehnen.

Auch die belarusische Bürgerrechtlerin Swjatlana Zichanouskaja fordert die Weltgemeinschaft via X dazu auf, zu handeln, um politische Gefangene zu schützen. «Diese Tragödie ist ein weiterer Beweis dafür, dass für Diktatoren das menschliche Leben keinen Wert hat.»

Roberta Metsola, Präsidentin des EU-Parlaments, zeigt sich entsetzt über die Nachricht von Nawalnys Tod: «Russland hat ihm seine Freiheit und sein Leben genommen, aber nicht seine Würde. Sein Kampf für die Demokratie lebt weiter.»

Der österreichische Bundespräsident Alexander Van der Bellen schreibt die Verantwortung von Alexej Nawalnys Tod Putin und seinem mörderischen Regime zu. «Meine Gedanken sind bei den Angehörigen von Alexej Nawalny und all jenen, die weiterhin mutig für Freiheit, Demokratie und Menschenrechte in Russland kämpfen.»

Nawalnys Todesnachricht folgen Empörung und Schock

US-Vizepräsidentin Kamala Harris bezeichnet den Tod des russischen Oppositionspolitikers als eine «schreckliche Nachricht» und sagt an der Münchner Sicherheitskonferenz: «Sollte sich der Tod bestätigen, ist dies ein weiteres Zeichen für die Brutalität von Kremlchef Wladimir Putin.» Die US-Regierung habe noch keine eigene Bestätigung für den Tod erhalten.

Der spanische Ministerpräsident Pedro Sánchez zeigt sich auf X bestürzt über die Nachricht des Todes Nawalnys. Er sprach sein Beileid an die Familie und Freunde von Nawalny aus, und auch an all jene in Russland, die für demokratische Werte eintreten und dafür den höchsten Preis zahlen.

Der Britische Aussenminister David Cameron fordert Konsequenzen für Russlands Präsidenten Wladimir Putin. «Nawalny hat mutig gegen Korruption gekämpft. Putins Russland hat Vorwürfe gegen ihn fabriziert, ihn vergiftet, ihn in eine arktische Strafkolonie geschickt, und nun ist er tragisch gestorben», schreibt Cameron auf X. In einem Video, das der Sender Sky News ausstrahlte, sagt Cameron: «Wir sollten Putin dafür zur Verantwortung ziehen, und niemand sollte nach dem, was passiert ist, Zweifel haben an der schrecklichen Natur von Putins Regime in Russland.»

Die deutsche Aussenministerin Annalena Baerbock würdigte Alexej Nawalny als Vorbild für Freiheit und Demokratie. «Alexej Nawalny stand wie kaum ein anderer für ein freies und demokratisches Russland. Genau deswegen musste er sterben», sagte Baerbock an der Sicherheitskonferenz in München. Ihre Gedanken seien Bei Nawalnys Frau, seinen Kindern und all denjenigen, die für die Freiheit von Russland einstehen, weggesperrt und mundtot gemacht werden.

Frankreichs Präsident Emmanuel Macron ist empört über den Tod von Nawalny. «Im heutigen Russland werden freie Geister in den Gulag gesteckt und dort zum Tode verurteilt», schrieb Macron am Freitag auf X.

Merkel: Nawalny wurde Opfer von repressiver Staatsgewalt

«Alexej, wir werden dich nie vergessen. Und wir werden ihnen nie vergeben», schrieb der polnische Ministerpräsident Donald Tusk am Freitag auf X. Das polnische Aussenministerium erklärte, die russische Regierung trage die alleinige Verantwortung für den Tod Nawalnys. Es fordert eine unabhängige Untersuchung und eine vollständige Aufklärung aller Umstände des Todes.

Auch die ehemalige deutsche Kanzlerin Angela Merkel lastet Nawalnys Tod dem russischen Staat an. «Er wurde Opfer der repressiven Staatsgewalt Russlands. Es ist furchtbar, dass mit ihm eine mutige, unerschrockene und sich für sein Land einsetzende Stimme mit fürchterlichen Methoden zum Verstummen gebracht wurde», sagt Merkel. 

Nach Spaziergang verstorben

Der 47-jährige Alexej Nawalny war am Freitag nach einem Spaziergang in der sibirischen Strafkolonie zusammengebrochen und gestorben. Er sass eine Haftstrafe von über 30 Jahren ab, zu der er wegen «Extremismus» und anderen Delikten verurteilt worden war.

(sda/lha/sch)

veröffentlicht: 16. Februar 2024 15:40
aktualisiert: 16. Februar 2024 16:45
Quelle: FM1Today

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