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Srebrenica

UN-Tribunal bestätigt lebenslange Haft für Ex-General Mladic

8. Juni 2021, 17:06 Uhr
Der ehemalige bosnisch-serbische Militärchef Ratko Mladic sitzt im Gerichtssaal. Mladic ist wegen des Völkermords von Srebrenica auch in letzter Instanz zu lebenslanger Haft verurteilt worden. Foto: Jerry Lampen/Pool ANP/AP/dpa
© Keystone/Pool ANP/AP/Jerry Lampen
Fast 26 Jahre nach dem Völkermord von Srebrenica hat das UN-Kriegsverbrechertribunal die lebenslange Haftstrafe für den serbischen Ex-General Ratko Mladic bestätigt.

Die Schuld von Mladic sei zweifelsfrei erwiesen, urteilten die Richter am Dienstag. Das UN-Tribunal bestätigte damit das Urteil der ersten Instanz von 2017.

Der 78-Jährige ist einer der Hauptschuldigen der Gräueltaten im Bosnienkrieg (1992-1995) und ist bekannt als «Schlächter vom Balkan». Er wurde für Kriegsverbrechen, Verbrechen gegen die Menschlichkeit und Völkermords verurteilt. Zu seinen Verbrechen zählen die jahrelange Belagerung Sarajevos mit mehr als 10 000 Toten, die Verfolgung und Vertreibung von bosnischen Muslimen und Kroaten, die sogenannten ethnischen Säuberungen sowie der Völkermord von Srebrenica.

Serbische Einheiten hatten unter der Führung von Mladic im Juli 1995 die UN-Schutzzone Srebrenica überrannt und anschliessend mehr als 8000 bosnisch-muslimische Männer und Jungen ermordet. Die niederländische Blauhelme Dutchbat und Nato-Einheiten boten keinen Widerstand.

Das Massaker gilt als schlimmstes Kriegsverbrechen seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges in Europa. Im März 2019 war bereits der politische Gefährte des Ex-Generals, Serbenführer Radovan Karadzic (75), im Berufungsverfahren zu lebenslanger Haft verurteilt worden - auch für den Völkermord von Srebrenica.

Zu Beginn der Urteilsverkündung schnitt Mladic im dunklen Anzug und blauen Schlips noch Grimassen im Gerichtssaal. Doch während der Verlesung des Urteils blieb er meist unbewegt und schüttelte nur ab und zu den Kopf. Mladic hatte Freispruch gefordert. Er war erst 2011, also 16 Jahre nach Ende des Krieges, gefasst und dem Tribunal übergeben worden.

Quelle: sda
veröffentlicht: 8. Juni 2021 17:05
aktualisiert: 8. Juni 2021 17:06