Ahnungslos in Sachen Betreibungen

Angela Mueller, 10. November 2018, 15:17 Uhr
Schlechte Zahlungsmoral hat Auswirkung auf den Online-Shopping-Komfort.
Schlechte Zahlungsmoral hat Auswirkung auf den Online-Shopping-Komfort.
© KEYSTONE/Gaetan Bally (Symbolbild)
Die Schweizer Bevölkerung weiss nicht sehr gut Bescheid, wenn es um die eigenen Finanzdaten geht. Diese können von grösseren Unternehmen erfragt werden und haben Einfluss auf den Komfort beim Online-Shopping oder auf die Zinsen bei Kleinkrediten. Dies zeigt eine neue Studie.

Eine repräsentative Umfrage des Online-Vergleichsdienstes Comparis hat ergeben, dass die Hälfte der Befragten glaubt, für die Beurteilung ihrer Zahlungswürdigkeit seien Mahnungen, Zahlungsbefehle oder Verlustscheine folgenlos. 30 Prozent glauben sogar, Betreibungen seien egal.

Online-Shops prüfen ihre Kunden

Doch das stimmt nicht: Ab der dritten Mahnung werden Inkassobüros eingeschaltet und diese geben ihre Daten an sogenannte Wirtschaftsauskunfteien weiter. Zum Beispiel an CRIF, die zu den grössten der Schweiz gehört. 30'000 Firmen in der Schweiz nutzen die Daten von CRIF, wie auch rund 95 Prozent der Banken und Versicherungen. Auch Unternehmen geben ihre Erfahrungen mit schlecht zahlenden Kunden an diese Wirtschaftsauskunfteien weitergeben.

Gibt man beim Online-Shopping seine Adresse ein, läuft im Hintergrund oft automatisch eine Bonitätsprüfung ab. «Nicht alle Online-Shops gehen so vor, doch die meisten grossen Online-Unternehmen prüfen ihre Kunden», sagt Heidi Hug, Mediensprecherin von CRIF.

Schlechte Zahlungsmoral, hohe Zinsen

«In der Schweiz haben Unternehmen, die ein berechtigtes Interesse ausweisen können und sich an die Grundsätze des Datenschutzes halten, das Recht, die Zahlungswürdigkeit oder Bonität einer Person zu erfragen», sagt Dominik Weber, Banken-Experte von Comparis. Dies trifft auf alle Kredit-Unternehmen, aber auch auf Online-Shops zu.

«Kommen die Unternehmen aufgrund ihrer Anfrage oder dem Verhalten eines Kunden zum Schluss, dass er eine schlechte Zahlungsmoral aufweist, wird die Option ‹Bezahlen auf Rechnung› gar nicht erst angezeigt», sagt Weber. «Auch der Zins bei Kleinkrediten schnellt dann in die Höhe. Mit der Abfrage von Bonitätsdaten wollen Unternehmen Zahlungsausfälle minimieren.»

Auch bei Kreditkarten entscheidend

Auch auf die Kreditwürdigkeit hat die Zahlungsmoral Einfluss. Gemäss Comparis haben 13 Prozent der Schweizerinnen und Schweizer schon einmal einen negativen Kreditentscheid erhalten. Ein Drittel davon scheint sich dabei nicht bewusst zu sein, dass die schlechte Kreditwürdigkeit der Ablehnungsgrund war. Ähnlich sieht es bei vergeblich gestellten Kreditkarten- oder Leasinganträgen aus.

«Auch wenn Unternehmen die Bonitätsdaten ihrer Kunden erhalten, kann man nicht vom gläsernen Kunden sprechen», sagt Weber. «In der Schweiz die Konsumenten durch das Datenschutzgesetz geschützt. Dort ist klar geregelt, wie Informationen gesammelt und verarbeitet werden dürfen. Zudem sieht das Gesetz umfassende Auskunfts-, Richtigstellungs- und Löschungsrechte vor.»

Angela Mueller
Quelle: agm
veröffentlicht: 10. November 2018 06:29
aktualisiert: 10. November 2018 15:17