Der Strom kommt jetzt aus dem Boden

Fabienne Engbers, 5. März 2019, 16:55 Uhr
Das Landschaftsbild auf dem Ricken zieren bald keine Stromleitungen mehr: Fast alle Freileitungen wurden durch Kabelleitungen im Boden ersetzt. Die rund 50-jährigen Betonmasten werden nach und nach «gefällt».

Keine zwitschernde Vögel mehr auf Leitungen, keine Bauernhäuser mehr, denen ein Stromkabel aus der Fassade ragt: Auf dem Ricken wurden in den vergangenen Jahren rund 20 Kilometer Freileitungen in den Boden umverlegt. Nun werden die Beton- und Holzmasten der Freileitungen abgebrochen. Die St.Gallisch-Appenzellischen Kraftwerke SAK sind stolz auf ihr neues, schnelleres und vor allem zuverlässigeres Netz, das für insgesamt 7,3 Millionen Franken verlegt wurde.

Keine Unterbrüche bei Strompannen mehr

Für die rund 500 Haushalte und Firmen, die vom neuen Netz profitieren, ist vor allem die Sicherheit ein Pluspunkt. «Mit der neuen Netzerschliessung über Wattwil müssen die Haushalte bei einem Stromunterbruch nicht im Dunkeln sitzen, weil wir über die Ringleitung von der anderen Seite her die Stromversorgung sicherstellen können», sagt Jürg Solenthaler, Leiter des Bereiches Netz bei der SAK.

Seit 2012 ist die SAK daran, die Leitungen auf dem Ricken in den Boden zu verlegen, bis kommenden Sommer soll die Umschaltung im gesamten Bereich gelungen sein. Ausserdem erhalten alle Haushalte einen Glasfaser-Anschluss. Diesen und kommenden Winter werden sämtliche Freimasten abgebrochen.

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Während die kleinen Freileitungen der SAK nach und nach verschwinden, bleiben die grossen Stromleitungen stehen. Diese sind von der Axpo oder der nationalen Netzwerkfirma Swissgrid.

Gut für die Natur und das Landschaftsbild

Der Abbruch der Masten freut nebst den Anwohnern auch Landwirte, Langläufler und Naturschutzfans. Viele der Freileitungsmasten standen in einem Naturschutzgebiet, einige auch auf der Langlaufloipe. «In der Landwirtschaft braucht man immer höhere Strom-Leistung, nun können die Bauern teilweise grössere Motoren einbauen», sagt Jürg Solenthaler. Mit der Einlassung der Stromkabel in die Erde ist ausserdem die Arbeit auf dem Feld einfacher, weil man nicht mehr um die Masten herum mähen muss.

Nur ganz wenige Grundeigentümer sind mit dem Verlegen der Kabel in den Boden nicht einverstanden. «Einige fragen sich, wo denn die Vögel sitzen sollen, wenn die Stromleitungen nicht mehr in der Luft hängen», sagt Projektleiter Andreas Rutz. Allerdings hat die SAK kaum Probleme, die Bewilligung für den Umbau zu erhalten. Nur etwa alle zehn bis 15 Jahre muss die SAK gerichtlich gegen Landeigentümer vorgehen, um Leitungen in den Boden zu verlegen.

Die Einwohner der betroffenen Gemeinden sind froh um die Verkabelung ihrer Region. «Es ist vor allem ein Vorteil für die Landschaft, wir sind hier in einem sensiblen Gebiet», sagt der Gemeindepräsident von Gommiswald, Peter Hüppi. Unter anderem liegt ein Moorgebiet in der Region. Die neuen Kabelleitungen werden um die Schutzzonen herum verlegt.

Mehr Sicherheit durch Kabelleitung

Die neuen Kabelleitungen sind vor allem im punkto Sicherheit eine Verbesserung zum Status Quo. «Ein Problem gibt es mit den Kabelleitungen erst, wenn man in eine Leitung hineinbaggert oder ein Hangrutsch eine Leitung zerreisst», sagt Jürg Solentahler. Durch Schutzgeräte können diese Fehler allerdings rasch gefunden werden, auch Meldungen der Anwohner seien jeweils hilfreich, um eine defekte Stelle schnell zu finden. Vorteilhaft ist auch die Robustheit der Kabelleitungen. «Sie sind nicht so sehr von der Witterung abhängig wie die Freileitungen, das bringt mehr Sicherheit.» Auch die Wartung sei weniger intensiv.

Die gelben Leitungen wurden abgebrochen, die roten neu gebaut. (Bild:SAK)
Die gelben Leitungen wurden abgebrochen, die roten neu gebaut. (Bild:SAK)

Freileitungen ersetzen, wenn es wirtschaftlich Sinn macht

Neuleitungen werden im Normalfall als Kabelleitungen verlegt, immer mehr Freileitungen verschwinden aus dem Landschaftsbild der Ostschweiz. «Wo es wirtschaftlich und topografisch Sinn macht, werden die Freileitungen in einem gewissen Alter durch Kabelleitungen ersetzt», sagt Jürg Solenthaler. Vor allem im Toggenburg und im Appenzellerland gebe es noch Freileitungen. Im Niederspannungsnetz liege der Prozentsatz der Verkabelung bei über 90 Prozent, im Mittelspannungsnetz will die SAK jährlich ein bis zwei Prozent verkabeln, momentan sei man bei einem Prozentsatz von 57.

Fabienne Engbers
Quelle: enf
veröffentlicht: 5. März 2019 16:55
aktualisiert: 5. März 2019 16:55