Texaid-Chef baut Luxustempel in Zug

Fabienne Engbers, 24. Februar 2019, 10:55 Uhr
Unter anderem in Rapperswil werden hunderte Säcke mit Altkleidern in Bahnwaggons verladen. (Archiv)
Unter anderem in Rapperswil werden hunderte Säcke mit Altkleidern in Bahnwaggons verladen. (Archiv)
© KEYSTONE/Christian Beutler
Das Geschäft mit alten Kleider ist offenbar sehr lukrativ. Während wir unsere Kleider für einen guten Zweck spenden, baut sich der Chef der Kleidersammelfirma Texaid an einem Zuger Hügel eine Villa.

Man will etwas Gutes tun und die alten Kleider nach dem Frühlingsputz nicht einfach als Putzlappen nutzen oder wegschmeissen. So landen die ausgemusterten Kleidungsstücke in den Säcken der Altkleidersammlung. Diese sind nebst dem Logo der Firma Texaid auch mit vielen Logos von Hilfsorganisationen wie dem Roten Kreuz bestückt. Doch das Geschäft mit unseren alten Kleidern scheint nicht nur sozial, sondern auch lukrativ zu sein. Laut dem «Sonntagsblick» baut der Chef von Texaid gleich zwei Villen im Kanton Zug.

Deutsche Investorin steckt hinter Texaid

So soll die Hälfte der Firma Texaid den Hilfswerken gehören, die andere Hälfte jedoch wird gemäss «Sonntagsblick» von einer deutschen Investorin gehalten. Deren Sohn soll die Geschäfte der Texaid führen.

Wie viel Gewinn die Texaid jährlich einfährt, ist nicht bekannt. Laut dem «Sonntagsblick» schütte Texaid einen Grossteil des Gewinns an die Hilfswerke aus, allerdings werde auch Geld an die Investorenfamilie ausgeschüttet. Der Chef verdiene marktüblich, er ist verantwortlich für 1200 Mitarbeitende. Gemäss Recherchen der Zeitung entspreche dies rund 550'000 Franken im Jahr.

Zwei Villen in Baar geplant

Mit seinem Gehalt will der Chef von Texaid nun gleich zwei Villen an einem Hügel im steuergünstigen Baar bauen. Die Grundstücke hat er gekauft, die bestehenden Gebäude darauf sollen abgerissen und neu gebaut werden. Gemäss dem Sonntagsblick sollen es zwei grosse Villen werden.

Nun ist allerdings ein Streit über die Neubauten entbrannt, weil die Nachbarn die Höhe der neu geplanten Luxustempel bemängeln. Diese sollen einen Stock höher werden als die momentan noch stehenden Häuser auf den Grundstücken.

Altkleider werden verkauft

Woher der Chef von Texaid das Geld für das Bauprojekt in Zug nimmt, ist nicht klar. Sicher ist jedoch, dass das Geschäft mit Altkleidern einen Gewinn abwirft. Die Altkleider, die wir spenden, werden von Texaid verkauft. In Deutschland werden diverse Untermarken betrieben, welche die Kleidung in Shops verkaufen. Die Firma Texaid ist von der Schweizerischen Zertifizierungsstelle für gemeinnützige Spenden Zewo nicht zertifiziert. Deren Geschäftsleiterin sagt im «Sonntagsblick», sie würde es sehr begrüssen, wenn Texaid ihre Bilanz-Kennzahlen veröffentlichen würde, allerdings könne man die Firma nicht dazu zwingen.

Der Chef von Texaid und seine Mutter, welche als Investorin auftritt, wollen sich gegenüber dem «Sonntagsblick» nicht äussern.

Fabienne Engbers
Quelle: enf
veröffentlicht: 24. Februar 2019 10:55
aktualisiert: 24. Februar 2019 10:55