Übernahme durch Finanzinvestoren angenommen

5. Juli 2019, 05:57 Uhr
Eine Mitarbeiterin im früheren Osram-Werk im bayrischen Augsburg. (Archivbild)
© KEYSTONE/AP/Christof Stache
Der Lichttechnikkonzern Osram will sich in die Hände von Finanzinvestoren begeben. Vorstand und Aufsichtsrat erklärten am Donnerstag, sie unterstützen das 3,4 Milliarden Euro schwere Übernahmeangebot der Beteiligungsgesellschaften Bain Capital und Carlyle.

Sie wollen den Anteilseignern des MDax-Konzerns 35 Euro je Aktie bieten, 23 Prozent mehr als der Durchschnittskurs der vergangenen drei Monate. Die Investoren nannten als Bedingung der geplanten Übernahme, dass sie mindestens 70 Prozent der Aktien einsammeln können.

«Wir begrüssen das Angebot von Bain und Carlyle und sind überzeugt, dass es sowohl einen fairen Wert für die Aktionäre als auch einen strategischen Mehrwert für unser Unternehmen bietet», erklärte Aufsichtsratschef Peter Bauer nach einer mehrstündigen Sitzung des Gremiums. «Bain und Carlyle sind für Osram die richtigen Partner zur richtigen Zeit», sagte Vorstandschef Olaf Berlien. Die Bieter wollen ihr offizielles Angebot nach der Freigabe durch die Finanzaufsicht Bafin veröffentlichen und voraussichtlich bis September laufen lassen.

Die beiden Bieter machten nach Angaben der drei Unternehmen umfangreiche Zusagen an das Osram-Management und die Belegschaft. Unter den 26'000 Mitarbeitern kursieren Sorgen vor einem Stellenabbau. «Im Zuge der unterzeichneten Investorenvereinbarung unterstützen Bain und Carlyle den eingeschlagenen Wachstumspfad und geben unter anderem umfangreiche Schutzzusagen für Mitarbeiter und Standorte ab», teilte Osram mit.

Bain Capital und Carlyle bekennen sich demnach zur bestehenden Strategie mit dem Fokus auf optische Halbleiter, Automobil und digitale Anwendungen. Bei dem von Berlien begonnenen Konzernumbau wollen sie den Angaben zufolge eng mit dem heutigen Vorstand zusammenarbeiten. Die Investoren sagten zu, Wachstumsprojekte, Akquisitionen und Investitionen in Produktentwicklungen zu unterstützen. Osram behalte seinen Sitz in München und die Rechte an seinen Patenten.

Tarifverträge und Betriebsvereinbarungen mit den Arbeitnehmern würden nicht angetastet. Der paritätisch besetzte Lenkungsausschuss bleibe bestehen. Zudem sollen die Standorte der «wesentlichen Unternehmensbereiche» unverändert bleiben. Einig seien sich Bain, Carlyle und Osram aber auch darüber, dass das Marktumfeld «flexibles Handeln» erfordere. Ein Sprecher der IG Metall kündigte eine Stellungnahme für Freitag an.

Die ehemalige Siemens-Tochtergesellschaft ist erst seit 2013 eigenständig und in schwierigem Fahrwasser. Sie ist dabei, sich vom Glühlampen-Hersteller zum Spezialisten für Leuchtdioden (LED) und optische Halbleiter zu wandeln. Der Konzern kürzte in der Vergangenheit Investitionen und baute Stellen ab. Seit Anfang 2018 hat sich der Börsenwert mehr als halbiert. Wichtigste Kundengruppe sind die Autohersteller - deren schwächelnde Verkaufszahlen treffen auch die Zulieferer.

Weil die Automobilindustrie als grösster Kunde schwächelt, hatte Osram im Mai eine drastische Gewinnwarnung herausgegeben und seine Prognose für 2019 gesenkt. Der Umsatz könnte demnach um 11 bis 14 Prozent schrumpfen. Zuvor hatten Vorstandschef Berlien und Kollegen noch auf ein Plus von bis zu 3 Prozent gehofft.

Quelle: SDA
veröffentlicht: 4. Juli 2019 23:39
aktualisiert: 5. Juli 2019 05:57