Vorarlberg zur Schweiz?

«Das ist wohl ein verspäteter Aprilscherz»

Rahel Röthlin, 20. September 2019, 19:41 Uhr
Vorarlberger Politiker schütteln nur den Kopf über St.Galler Vorstoss.
© Tagbatt / PD
Das Vorarlberg soll zur Schweiz gehören. Mit diesem Vorstoss sorgt ein St.Galler Kantonsrat für Aufregung. Österreicher Politiker finden die Idee lächerlich. Doch die Einwohner des Vorarlbergs sind einem Beitritt nicht abgeneigt und flirten mit der Schweiz.

«Das ist entweder ein verspäteter Aprilscherz, oder ein verfrühter Faschingscherz», sagt Landesrat Johannes Rauch (Grüne) heute gegenüber dem Vorarlberger Onlineportal Vol.at.  Gemeint ist der neue Vorstoss im St.Galler Kantonsrat von SP-Politiker Martin Sailer. Dieser fordert eine Prüfung für einen Wechsel des Österreicher Bundeslandes Vorarlberg zur Schweiz. Entweder als Kanton Nummer 27 oder gar integriert in den Kanton St.Gallen.

Vorarlberger Politiker winken ab

Auch ÖVP-Politiker Roland Frühstück hält nicht viel vom St.Galler Vorstoss. Bei diesem Vorschlag könne es sich bestenfalls um einen «guten Morgenscherz» handeln. Martin Staudinger, SPÖ-Politiker, bläst ins gleiche Horn: «Es hört sich schon so an, als ob es nicht ganz ernst gemeint ist».

Bevölkerung ist anderer Meinung

Laut einer Onlineumfrage auf Vol.at , haben aber die Vorarlberger ganz klar eine andere Meinung als ihre Politiker. Innerhalb von nur zehn Stunden, stimmten über 13'000 User über den St.Galler Vorstoss ab. Dabei sprach sich mehr als die Hälfte für einen Zusammenschluss mit der Schweiz aus. Nur gut 31 Prozent der User sind gegen den Vorstoss. Und mehr als 18 Prozent stimmten für: «Wenn sie uns wollen, würden ich es mir anhören...»

TVO hat sich in Bregenz umgehört, was die Vorarlberger zur Idee sagen

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Quelle: TVO

Das Trauma der Politiker

Schon vor 100 Jahren wäre Vorarlberg beinahe Teil der Schweiz geworden. 1919 hatten 81 Prozent der Vorarlbergerinnen und Vorarlberger für die Aufnahme von Anschlussverhandlungen mit der Schweiz votiert. Doch der Bundesrat hatte kein Gehör dafür. Für Peter Bussjäger, Experte für Verfassung und Föderalismus an der Universität Innsbruck, ist dies mitunter der Grund für die ablehnende Haltung der Vorarlberger Politiker: «Vielen hängt wohl das Trauma von 1919 noch nach. Eine solche Situation, will niemand mehr riskieren.», sagt auf Anfrage von FM1Today.

Die Vorarlberger Politiker hätten schon genug damit zu kämpfen, weil ihr Bundesland immer ein bisschen belächelt und als «Kanton Übrig» bezeichnet würde. Deswegen seien die Politiker laut Bussjäger schon im Vorhinein ablehnend. Und auch, weil es in erster Linie rechtlich völlig illusorisch sei, dass ein solcher Anschluss tatsächlich erfolgen könnte.

Die attraktive Schweiz

Dass hingegen die Bevölkerung in der nicht repräsentativen Umfrage, Interesse an einem Zusammenschluss zeigt, überrascht Experte Peter Bussjäger nicht: «Die Schweiz gilt als Mustervorbild für Stabilität und Wohlstand.» Auch die Eigenständigkeit der Kantone und die direkte Demokratie, seien für viele Vorarlberger nach wie vor verlockend.

«Chancen sind gleich Null»

In einem ersten Schritt fordert nun der Vorstoss, eine Stellungsnahme der St.Galler Regierung. Für Peter Bussjäger aber ist klar: «Die Chancen sind gleich Null.» Seiner Einschätzung nach, wäre die Bundesregierung auch nicht nur ansatzweise dazu bereit, über einen Zusammenschluss zu verhandeln. Dies, weil jedem klar sei: «Eine Grenzverschiebung würde auf rechtlich grosse Hindernisse stossen.»

Quelle: FM1Today
veröffentlicht: 20. September 2019 18:07
aktualisiert: 20. September 2019 19:41