«Alkohol nach der Prüfung schadet nicht»

Laurien Gschwend, 20. September 2017, 10:33 Uhr
Was muss ich zu mir nehmen, um mich konzentrieren zu können und was macht die richtige Ernährung in Bezug auf den Prüfungserfolg aus? Ein Mediziner klärt die wichtigsten Fragen zum Thema «Brainfood».
sponsor-grafik
BVS

Das wünscht sich wohl jeder, der Prüfungen absolvieren muss - Nahrungsmittel, die das Gehirn zu Höchstleistungen antreiben und so die ganzen Lernlücken ausgleichen können. Bernd Schultes, Leiter Innere Medizin beim «eSwiss Medical & Surgical Center» der Klinik Stephanshorn in St.Gallen, muss enttäuschen: «Superfood, der einen sofort zu Superleistungen animiert, gibt es leider nicht.» Chiasamen, Goji-Beeren und Co. seien ein Marketing-Phänomen, ihre ausserordentliche Wirkung könne nicht wissenschaftlich nachgewiesen werden. «Ich bin diesbezüglich sehr skeptisch.»

Kaffee ja, Energy Drinks nein

Es gebe aber durchaus Nahrungsmittel, die zu einer kurz- und langfristigen Leistungssteigerung des Gehirns beitragen. «Koffein kann auf die Schnelle etwas bringen, aber man sollte vor und während einer Prüfung nicht mehr Kaffee trinken als sonst», sagt Schultes. Von Energy Drinks rät der Arzt grundsätzlich ab: «Diese zuckerhaltigen Getränke lassen den Blutzucker schwanken, das ist eher ungünstig und führt zu einer kontraproduktiven Überaktivität.»

Prof. Dr. med. Bernd Schultes (Bild: zVg)

Avocados, Walnüsse, Mandeln, Olivenöl und Rapsöl haben laut Schultes einen positiven Einfluss auf die langfristigen geistigen Fähigkeiten. Ungesättigte Fettsäuren seien geeignet, um die Hirnleistung zu steigern - so gebe man Personen mit ADHS (Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung) beispielsweise Fischöl, was ihnen dabei helfe, sich zu konzentrieren.

Kein leerer oder übervoller Magen

«Kurzfristig ist eher nicht zu erwarten, dass die genannten Nahrungsmittel Wunder wirken», meint Schultes. Es sei allerdings ratsam, weder mit einem leeren noch mit einem übervollen Magen an eine Prüfung zu gehen. «Zum Zmorge empfehle ich ein Vollkornmüsli mit Früchten, Nüssen und etwas Milch oder Joghurt, zum Zmittag leichte Kost, zum Beispiel Vollkornpasta mit einer leichten Sauce, Gemüse und Salat und zum Znacht Gemüse und Salat mit ein wenig Brot.»

Studentenfutter und Traubenzucker während des Lernens und Schreibens der Prüfung seien hilfreich, um den Blutzuckerwert zu halten. «Und der Magen hat etwas zu tun, das steigert die Konzentration.» Weiter rät der Ernährungsexperte, genügend, aber nicht übermässig Wasser oder Tee zu trinken, um nicht ständig aufs WC zu müssen.

Ernährung als kleiner Faktor

Vor der Prüfung bei McDonald's zu speisen, «ist nicht besonders tragisch», wie Bernd Schultes findet. Ausser, man fülle seinen Magen gleich mit mehreren Burgern. «Ich denke, die Ernährung macht nur rund fünf Prozent des Prüfungserfolgs aus.» Andere Faktoren seien entscheidender: das Wissen als solide Grundlage, ein erholsamer Schlaf sowie emotional stabil und nicht zu aufgeregt zu sein, um das Gelernte abzurufen.

Für viele Lernende und Studierende gehört es dazu, nach der Prüfungsphase anzustossen. «Davor möchte ich nicht speziell warnen. Sich nach etwas Geleistetem Alkohol zu gönnen, ist nicht schlimm», sagt Schultes. Treibe man es nicht zum Exzess, sei der Alkohol langfristig nicht schädlich für den Körper. «Ich empfehle, in Massen zu trinken, um nicht irgendwann soziale Probleme zu bekommen.»

Empfehlenswerte Nahrungsmittel für die Prüfungsphase haben wir dir in der Bildergalerie zusammengestellt.

fm1s_weiterbildung_uebersichtsgrafik

Laurien Gschwend
veröffentlicht: 17. August 2017 07:00
aktualisiert: 20. September 2017 10:33