Alpines Museum Bern

Deshalb landet der Trogener Skilift jetzt in einem Berner Museum

Philomena Koch, 9. Dezember 2022, 07:50 Uhr
Die Tage vieler Skilifte sind gezählt. Ob wegen zu wenig Geld, fehlendem Schnee oder aus bürokratischen Gründen. Auf diese Thematik soll die «Après Lift»-Ausstellung im Alpinen Museum Bern hinweisen. Der Museumsdirektor erzählt im Interview, welche Bedeutung die Skikultur für die Schweizerinnen und Schweizer hat.
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Seit 1970 war der Bügellift in Trogen, Breitenebnet, in Betrieb und brachte Generationen auf die Ski. 2018 kam überraschenderweise das Aus für den dorfeigenen Skilift. Die Bügel, Schilder und Schlitten des Liftes verstauben nun nicht irgendwo in einer Ecke. Das Alpine Museum Bern zeigt grosses Interesse daran und stellt den Trogener Skilift in einer Spezial-Ausstellung zum Thema «Après Lift» ab Mitte Dezember für ein halbes Jahr lang aus. Der Kopf dahinter ist Beat Hechler der Museumsdirektor vom Alpinen Museum Bern.

Die Ausstellung besteht aus sechs Berg-Skiliften aus der Schweiz. Wieso ist der Skilift Trogen dafür ausgewählt worden?

Der Schneemangel war in Trogen definitiv nicht der Hauptgrund für die Schliessung des Lifts, sondern nochmals ein ganz anderer: Von aussen betrachtet ist es sehr schade, dass man keine Lösung mit dem Konflikt zwischen den Eigentümern gefunden hat. Die lokale Bevölkerung hat sich damals extrem dafür eingesetzt, den Lift erhalten zu können. Eigentlich wären alle Voraussetzungen da gewesen, um die lokale Skikultur in Trogen am Leben zu erhalten. Das war an den anderen Orten, die wir zeigen, nicht der Fall. Deswegen sticht der Fall Trogen auch so hervor.

Was ist denn die allgemeine Problematik?

Von 500 Skigebieten in der Schweiz sind ungefähr 40 Prozent verschwunden. Ein Faktor dafür ist der Schneemangel. Die entscheidenden Punkte aber waren mehrheitlich Struktur und Finanzen. Mit diesen Liften verschwindet nicht nur die Technik, sondern auch ein Stück lokale Kultur.

Was soll die Ausstellung den Besucherinnen und Besuchern vermitteln?

Gegenwart und Zukunft werden einander gegenüber gestellt. Die Gäste von «Après Lift» sollen realisieren, dass diese kleinen Skilifte für die lokale Bevölkerung etwas sehr Wichtiges sind und leider immer mehr verschwinden. Diese Skikultur vor Ort, zusammen etwas unternehmen und erleben, kann in diesem Stil nur lokal gemacht werden. Daher ist es wichtig, dass man alles daran setzt, diese Kultur zu erhalten und weiter zu betreiben.

Ist das so einfach, wie es klingt?

Das bedingt viel ehrenamtliche Arbeit und seitens Politik Unterstützung. Meine Recherche hat gezeigt, dass es nie an der Bereitschaft der Leute gescheitert ist. Oftmals haben Bewilligungen oder die Finanzen gefehlt. Ich glaube aber, das lohnt sich.

Welche Gegenstände aus Trogen können nun im Museum angeschaut werden?

Zum einen konnten wir 20 bis 30 der Skilift-Bügel ausleihen. Zum anderen haben wir verschiedene gelbe Signal-Schilder im 50er-Jahre Stil und einen Rettungsschlitten. Der wesentliche Teil der Ausstellung sind sechs Hörstationen. In jeder davon reden Leute über ihren Bezug zu dem entsprechenden Skilift. In Trogen sprechen zwei Mädchen, die den Lift gerne und oft benutzt haben. Auch andere Trogener haben uns bei der Umsetzung mit alten Fotos oder der künstlerischen Inszenierung unterstützt.

Können Sie schon verraten, was die Mädchen im Museum erzählen?

Ja, natürlich. Paulina und Jula erzählen über ihre Erinnerungen und Erlebnisse am Skilift. So sagen sie zum Beispiel: «Wer am Trogener Lift fahren kann, kann überall Skifahren.» Oder: «Die Eltern mussten nie Angst um ihre Kinder haben, auch wenn sie noch sehr jung waren. Im Winter war das ganze Dorf dort oben. Im ersten Moment war ich echt traurig, als ich erfuhr, dass es den Lift nicht mehr gibt.»

Quelle: FM1Today
veröffentlicht: 9. Dezember 2022 05:52
aktualisiert: 9. Dezember 2022 07:50