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«Niemand soll alleine Weihnachten feiern»

Praktikant FM1Today, 19. Dezember 2018, 07:57 Uhr
Ruth Dridi aus Herisau sorgt mit einem berührenden Facebook-Post für Furore: Sie will, dass niemand alleine Weihnachten feiert. Deshalb lädt sie die Bevölkerung zu sich nach Hause ein.

«Mein elfjähriger Sohn hatte das Gefühl, dass ich total durchgeknallt sei», sagt Ruth Dridi. Sie hat kürzlich mit einem Post in die Facebook-Gruppe «Du bisch vo Herisau, wenn» für Aufsehen gesorgt. Dort lädt sie zwei bis drei Personen ein, bei ihr zuhause Weihnachten zu feiern. «Ich finde, an Weihnachten soll niemand alleine sein.» Die Idee zum gemeinsamen Fest sei spontan entstanden. «Ich habe im Alltag schon viele Menschen beobachtet, die alleine da sitzen. Dazu gibt es zurzeit viel Gewalt und auf Social Media beschimpfen sich die Leute schnell», sagt Dridi. Das habe auch ihr Sohn verstanden und fände es jetzt gut.

Schon eine Zusage

Der Post hat für viele Rückmeldungen gesorgt. Einerseits auf Facebook, wo die Idee in den Kommentaren grossen Anklang findet.

Die Kommentare sind durchwegs positiv. (Bild: Facebook/Du bisch vo Herisau, wenn)

Aber auch offline haben sich schon Menschen bei Dridi gemeldet. «Eine Person kommt definitiv zum Essen. Eine andere wollte kommen, kann aber leider nicht Treppen steigen, deshalb werde ich sie besuchen.» Jetzt wünscht sie sich noch zwei oder drei weitere Gäste. «Es gibt aber auch Leute, die mich veräppeln wollten», sagt sie lachend.

«In Zürich hätte ich das nicht gemacht»

Ruth Dridi wird an Heiligabend kochen. Das ist der einzige Fixpunkt. «Ich schaue, was die Gäste machen wollen.» Angst, unbekannte Menschen in ihr Haus zu lassen, hat sie nicht. «In Herisau kennen sich die Leute noch. In einer Grossstadt wie Zürich hätte ich das nicht gemacht.» Dazu verrät Dridi ihre Adresse erst, wenn sie mit dem zukünftigen Gast näheren Kontakt hat.

Solche Aktionen gibt es nicht zum ersten Mal. Der schwedische Möbelhersteller Ikea stellte in den letzten Jahren eine Plattform zur Verfügung, wo sich Gast und Gastgeber zum Weihnachtenfeiern treffen konnten. Wenn die Herisauer Aktion gut läuft, kann sich auch Dridi vorstellen, im nächsten Jahr wieder «Fremde» ins eigene Haus einzuladen.

Praktikant FM1Today
Quelle: tob
veröffentlicht: 19. Dezember 2018 05:45
aktualisiert: 19. Dezember 2018 07:57