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Wolf

Wolfsriss in Appenzell: «Sowas kann immer passieren»

8. Juli 2020, 07:46 Uhr
Ein Wolf hat auf der Potersalp in Appenzell Innerrhoden Ende Juni zwei Geissen getötet. Die Frage sei nun nicht ob, sondern wie man mit dem Wolf lebt, sagt der Innerrhoder Jagd- und Fischereiverwalter Ueli Nef.
Die Aufnahme der auf der Potersalp aufgestellten Fotofalle zeigt den Wolf.
© Martin Pfändler

Noch weiss man nicht viel über den Wolf, der auf der Potersalp Ende Juni zwei Geissen getötet hat. Weder das Geschlecht, noch, ob sich das Tier in der Region niederlassen wird, ist bekannt. «Aktuell ist es wichtig, zu wissen, dass so etwas zu jeder Zeit und überall passieren kann. Die Thematik der Wolfsausbreitung muss europaweit betrachtet werden und darf sich nicht auf die Kantonsgrenzen beschränken», sagt Ueli Nef, Jagd- und Fischereiverwalter des Kantons Appenzell Innerrhoden.

«Als Verwaltung sind wir nur am reagieren»

Das Ziel müsse es sein, den Wolf als geschützte Art in die Kulturlandschaft zu integrieren. «Das können wir aber nur schaffen, wenn wir die Möglichkeit dazu haben. Unter den jetzigen Bedingungen sind wir als Verwaltung immer nur am reagieren», sagt Nef und verweist auf die Revidierung des Jagdgesetzes, über welche im September abgestimmt wird.

Revidiertes Jagdgesetz ermöglicht Abschuss

Das revidierte Jagdgesetz solle «das Nebeneinander von Wolf und Mensch zeitgemäss regeln», heisst es im diesbezüglichen Faktenblatt des Bundesamts für Umwelt. Das Gesetz soll es den Kantonen ermöglichen, «den Wolfsbestand vorausschauend zu regulieren, um Konflikte zu mindern». Einzelne Tiere dürften somit erlegt werden, sofern sie Schaden angerichtet haben und wenn zuvor zumutbare Herdenschutzmassnahmen seitens der Viehhalter ergriffen wurden.

Ueli Nef, Jagd- und Fischereiverwaltung Appenzell Innerrhoden

© ai.ch

«Sind zum Umdenken gezwungen»

«Dafür gibt es verschiedene Möglichkeiten», sagt Ueli Nef. «Es können Herdenhunde zum Schutz der Tiere zum Einsatz kommen, Weidekoppeln mit elektrischen Zäunen oder die Tiere werden über Nacht gänzlich eingesperrt.» Doch nicht nur der Herdenschutz, auch der Umgang mit dem Wolf sei essenziell. «Wir müssen die Art managen. Der Wolf war lange nicht bei uns und nun sind wir in der Alpwirtschaft zu einem Umdenken gezwungen. Wenn wir nicht lernen, mit dem Wolf umzugehen, werden wir grosse Probleme haben.»

(dab)

Quelle: FM1Today
veröffentlicht: 8. Juli 2020 07:46
aktualisiert: 8. Juli 2020 07:46