Interview

Gastro-Graubünden-Präsident: «Wieso sollen wir die Hauptschuldigen sein?»

Lara Abderhalden, 4. Dezember 2020, 11:59 Uhr
Die Gastrobetriebe in Graubünden müssen für 14 Tage schliessen.
© Keystone/Archiv
Gastrobetriebe in Graubünden müssen für mindestens 14 Tage schliessen. «Wir haben dafür kein Verständnis», sagt Franz Sepp Caluori, Präsident von Gastro Graubünden, im Interview.

Herr Caluori, wie denken Sie über die Massnahmen im Kanton Graubünden?
Franz Sepp Caluori: Die Enttäuschung ist gross, dass wir so kurz vor Weihnachten schliessen müssen, obwohl wir ein ausgezeichnetes Schutzkonzept haben und es sehr wenig Ansteckungen in der Gastro gibt. Wieso sollen wir die Hauptschuldigen sein? Das stösst auf völliges Unverständnis in der Branche.

Dafür können die Leute vielleicht an Weihnachten wieder in die Restaurants.
Wir sind ja auch dafür, dass man Massnahmen trifft. Das hätte die Regierung aber bereits im November machen können, in der Zwischensaison. Es hätte breit abgestützt müssen sein. Wenn ich sehe, wie am Black Friday die Leute in Chur unterwegs waren, ohne Schutzkonzept, ohne Massnahmen und ohne Besucherbeschränkungen, dann frage ich mich schon, wieso man nicht dort ansetzt.

Aber etwas musste ja getan werden.
Für mich sind die Argumente fadenscheinig. Der einzige Grund ist, weil Vierertische erlaubt sind und man sich dort anstecken könnte. Man hätte ja auf Zweiertische beschränken können und das Problem wäre gelöst. Ich weiss nicht, ob die Regierung nicht darauf kam, oder ob sie nicht auf diese Lösung kommen wollten.

Franz Sepp Caluori, Präsident Gastro Graubünden

© Keystone/Archiv

Gab es denn keine Zusammenarbeit mit der Regierung?
Selbstverständlich. Wir haben fast wöchentlich Kontakt. Am Schluss entscheidet aber die Regierung im stillen Kämmerchen. Ich wusste, dass es in diese Richtung gehen könnte, dass verschiedene Varianten im Raum standen. Leider wurde diese Variante gewählt.

Immerhin gibt es Entschädigungen.
Das ist etwas, das es beim letzten Mal nicht gab. Das finde ich sehr positiv. Wir werden wieder Kurzarbeit anmelden können und es sind Härtefallmassnahmen geplant. Da sind wir schon mit dem Kanton im Gespräch und er steht auf unserer Seite.

Trifft es alle Betriebe gleich hart?
Etwa ein Drittel der Betriebe ist in der Zwischensaison, die kommen mit einem blauen Auge davon. Ein Drittel hat wirkliche Existenzprobleme. Für diese müssen wir Gelder haben. Und dann gibt es einen Drittel, die sagen sich: Ok, das ist jetzt so, machen wir das Beste draus und schauen, dass die Leute an Weihnachten wieder kommen.

Müssen Betriebe schliessen?
Ja, das könnte es geben. Ich hatte in den letzten zwei Wochen einige solche Telefonate. Die Leute können die Rechnungen nicht mehr bezahlen.

Können Sie diese Massnahme überhaupt so kurzfristig umsetzen?
Wir müssen! Wir dürfen nicht mehr öffnen, wir haben keine Wahl. Natürlich hätten wir es gerne früher erfahren. Immerhin haben wir die Hoffnung, dass an Weihnachten wieder Tausende ins Bündnerland und in unsere Restaurants kommen.

Wird es für die Weihnachtszeit jetzt spezielle Angebote geben?
Es bleibt uns nichts anderes übrig, da sind wir sehr kreativ. Wir werden die vielen Gäste mit ganz guten Angeboten wieder verwöhnen können. Wir müssen jetzt vorwärts schauen und sagen den Gästen: Wir sind bereit und sicher im Bündnerland.

Quelle: FM1Today
veröffentlicht: 4. Dezember 2020 11:59
aktualisiert: 4. Dezember 2020 11:59