Fütterverbot

«Hirsche essen nicht vorsätzlich Plastik»

Christoph Thurnherr, 17. Dezember 2019, 13:01 Uhr
Der Mageninhalt des geschossenen Hirschs hatte sich über Jahre angesammelt.
© Kapo GR
Das Bild vom Mageninhalt eines Bündner Hirsches schockiert. Zwar kommt Plastik in Wildmägen immer wieder vor, allerdings nicht in dieser Menge. Schuld daran sind auch vermeintliche Tierfreunde, dabei sind die Hirsche nicht auf Hilfe angewiesen.

Ein schleimiger Haufen grün gefärbter Plastikfetzen. Der Mageninhalt des geschossenen Bündner Hirsches ist sehr unappetitlich, gefressen hat der Hirsch den Plastik trotzdem. «Es ist nicht so, dass der Hirsch vorsätzlich Plastik frisst. Das passiert nebenbei», sagt Robert Brunold, Präsident des Kantonalen Bündner Jägerverbands. 

Gelegenheiten, um Plastik zu fressen, gibt es für Hirsche heutzutage so einige. Das kann schon bei liegengebliebenen Picknick-Utensilien im Wald passieren, in der Regel landet der Plastik vor allem in Siedlungsnähe im Magen der Wildtiere. 

Dorthin kommen die Tiere vermehrt, weil sie von den Leuten gefüttert werden. Etwa durch ausgelegtes Heu oder Essensreste. «Hirsche sind intelligent und gehen den Weg des geringsten Widerstands», sagt Mark Hosig, Leiter der zentralen Dienste in Graubünden. Gefütterte Tiere würden deshalb immer wieder zu Siedlungen zurückkehren.

Hirsche brauchen keine falsche Hilfe

Das trifft auch auf den geschossenen Hirsch mit den sechs Kilogramm Plastik im Magen zu. «Dieser Hirsch hat sich regelrecht auf das Fressen in Siedlungsnähe spezialisiert», sagt Simon Meier, Geschäftsleiter von Wildtier Schweiz.

Wäre der Hirsch nicht seit Jahren immer wieder in Arosa und Langwies unterwegs gewesen, hätte sich gar nicht soviel Plastik in seinem Magen ansammeln können. Möglicherweise wurde auch er ursprünglich von vermeintlichen Helfern angelockt.

«Hirsche und auch Rehe halten im Winter eine Art Winterruhe und bewegen sich wenig. Einige bekommen dann Mitleid und füttern die Tiere», sagt Patentjäger-Chef Brunold. Dabei sei die Sorge unberechtigt: Die Tiere fänden in der Natur genug zu fressen. Aus diesem Grund besteht im Kanton Graubünden auch ein Fütterungsverbot für Wildtiere. 

Plastik hat in der Natur nichts zu suchen

Vogelfutternetze, Plastikstreifen und sogar Handschuhe: Der Mageninhalt des Hirschs gibt auch Rätsel auf. Die Vogelfutternetze sind noch am verständlichsten. Das Nährstoffreiche Vogelfutter ist für einen Hirsch attraktiv, das Netz frisst er dann einfach mit.

Die Plastikstreifen könnten zum Beispiel von weggeworfenen Sandwiches stammen. Auch für den Handschuh hat Simon Meier von Wildtier Schweiz eine Theorie:«Ich kann mir vorstellen, dass jemand mit diesen Handschuhen Salz gestreut hat. Das lieben die Tiere natürlich.» 

So würden die Hirsche vom verfälschten Geruch des Plastiks getäuscht. Um solche Fälle, und somit auch das Leiden und klägliche Verenden der Tiere zu vermeiden, sei es wichtig, jeglichen Plastik aus der Natur fernzuhalten. «Das Füttern der Vögel ist natürlich legitim. Vogelhäuschen ohne Netze sind aber besser», sagt Simon Meier. 

Auch Komposthaufen könnten mit einer Tonne gesichert, und für Hirsche unzugänglich gemacht werden. Den Tieren sei jedoch am meisten damit geholfen, ihnen nicht zu helfen. Denn die kommen auch ohne den Menschen klar. 

Übrigens: Auch Enten, Schwäne und andere wilde Tiere sollte man nicht füttern. Brot ist für Vögel ungesund, weil es im Magen aufquillt. Die Tiere können sich selbst versorgen und sind nicht auf die Hilfe des Menschen angewiesen.

(thc)

 

Quelle: FM1Today
veröffentlicht: 17. Dezember 2019 12:05
aktualisiert: 17. Dezember 2019 13:01