Chur

Offene Drogenszene beschäftigt auch Bündner Kantonsparlament

· Online seit 17.10.2023, 12:06 Uhr
Die Verelendung und Kriminalität in der offenen Drogenszene in Chur hat am Dienstag auch das Bündner Kantonsparlament beschäftigt. Die Regierung sicherte zu, die Repression zu stärken, ohne dabei andere Massnahmen zu vernachlässigen.
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Es gebe kein Patentrezept für eine drogenfreie Gesellschaft. «Wir können nur mindern», sagte Regierungsrat Peter Peyer (SP) am Dienstag im Grossen Rat. Die Kantonsregierung wolle auf dem Weg der Vier-Säulen-Politik weiterfahren. Das bedeutet gemäss Peyer, dass die Regierung zwar auf Repression setzt, dabei aber Prävention, Therapie und Schadensminderung nicht vernachlässigen will.

Quelle: FM1Today/Céline Stieger/Marija Lepir

In diesem Sinne nahm die Kantonsregierung einen Vorstoss der Churer Grossrätin Sandra Adank (SVP) entgegen, der vom Rat dann auch deutlich überwiesen wurde. Parallel zum Bekenntnis zur Vier-Säulen-Politik sicherte die Regierung zu, Massnahmen zu prüfen und umzusetzen, welche die Säule Repression «dauerhaft stärken».

«Die Situation ist explodiert»

In der Debatte zur Drogenpolitik hatte sich auch der Churer Stadtrat und Grossrat Patrik Degiacomi (SP) zu Wort gemeldet. Er sprach als zuständiges Churer Stadtregierungsmitglied im Zusammenhang mit den Verhältnissen im Stadtpark von der «grössten offenen Drogenszene der Schweiz».

Quelle: FM1 Today / Marian Märki / Céline Stieger

Laut Degiacomi ist die Situation in den letzten zwei Jahren «explodiert». Eine «massive Verelendung des Kerns der Drogenszene» sei eingetreten. Das Bekenntnis der Kantonsregierung zur Vier-Säulen-Politik bezeichnete Degiacomi als «bemerkenswert». Weitere Rednerinnen und Reder betonten, dass Repression allein das Drogenproblem nicht aus der Welt schaffen könne.

Konsumraum auf Sommer 2024 geplant

Auf Verelendung und Beschaffungskriminalität reagierten die Churer Stadtbehörden inzwischen mit der Ankündigung, dass sich die Süchtigen ab Sommer nächsten Jahren an eine Kontakt- und Anlaufstelle wenden können. Vorgesehen im Rahmen der dreijährigen Pilotphase ist zudem die Bereitstellung eines Konsumraums für die Drogenabhängigen. Für das Projekt wurde eine Million Franken bewilligt.

Die Situation in der offenen Drogenszene in Chur verschärfte sich laut Stadtrat Degiacomi vor allem mit dem Wandel beim Konsum. Während früher vorwiegend Heroin konsumiert wurde, wird aktuell Kokain geraucht oder gespritzt. Die Drogensüchtigen sind dadurch aufgeputscht und aggressiver.

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(sda/red.)

veröffentlicht: 17. Oktober 2023 12:06
aktualisiert: 17. Oktober 2023 12:06
Quelle: FM1Today

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