«Sie sind wie zwei Verliebte»

Sarah Lippuner, 1. Juli 2019, 17:00 Uhr
Im Arosa Bärenland ging es am Montag heiss zu und her - und das nicht nur wegen den Temperaturen. Die Bären Napa und Amelia wurden zum ersten Mal zusammengeführt. Dabei wurden die beiden Bären sehr intim.

Es war ein heisses Date am frühen Montagmorgen im Arosa Bärenland. Um 7 Uhr morgens wurden die beiden Bären Napa und Amelia zum ersten Mal in das gleiche Gehege geführt. Gespannt beobachteten Stiftungspräsident Pascal Jenny und sein Team den ersten Kontakt. «Schon nach wenigen Minuten kamen sich Napa und Amelia näher. Sie haben gut 40 Minuten miteinander verbracht, dabei wurde es sehr innig. Auf einmal wechselten sie in die Sträucher, so als wollten sie, dass man ihnen nicht zuschaut. Auch im Wasser haben sie miteinander geschmust. Sie sahen wirklich aus wie zwei Verliebte.»

Bereits in den letzten Tagen hat sich zwischen den Bären eine Spannung aufgebaut. Da bei den Bären um diese Zeit Paarungszeit herrscht, war der Zeitpunkt der Zusammenführung ideal. Besonders herzig war, dass es den Anschein hatte, Napa nehme bewusst Rücksicht auf den deutlichen Grössenunterschied. «Es sah sehr sanft aus und überhaupt nicht aggressiv, das ist sehr schön, da Amelia deutlich kleiner als Napa ist.»

Werbung

Quelle: sda-Video

Napas erster Körperkontakt im Leben

Das Treffen mit Amelia war für Napa, den ehemaligen Zirkusbären aus Serbien, der erste Körperkontakt mit einem anderen Bären. «Das ist für mich das Verrückteste», sagt Jenny, «nach 13 Jahren hatte er das erste Mal Körperkontakt mit einem anderen Bären, davor hat er erst welche durch Gitterstäbe gesehen. Man kann sich gar nicht vorstellen, wie das für ihn war.» Die Instinkte des Bären gingen in den langen Jahren der Isolation aber nicht verloren, das Näherkommen mit Amelia habe ganz natürlich ausgesehen.

Obwohl die beiden innig schmusten, wird es in Zukunft kein «Bärli-Päärli» in Arosa geben. Nach dem Paarungsakt verfliegt die Anziehung bei den Bären ziemlich schnell und das Futter wird wieder das Interessanteste. Auch auf junge Bären hoffen Besucher vergeblich. Da die Stiftung Arosa Bärenland mit der Tierschutzorgansiation «Vier Pfoten» noch mehr Bären aus der Gefangenschaft retten will, werden alle Bären kastriert.

Bald alle drei zusammen

Und wie reagierte Meimo, der männliche Bär, der mit Amelia aus Albanien nach Arosa reiste, auf das intime Treffen? «Meimo hat gemerkt, dass die beiden nun gemeinsam im Gehege sind. Er hat zuerst etwas zugeschaut, ging danach aber wieder zum Futter und wirkte sehr entspannt.» Der nächste Schritt im Bärenland ist dann die Zusammenführung von allen drei Bären in einem Gehege. «Dann ist es einfach wichtig, dass genügend Nahrung im Gehege vorhanden ist», sagt Jenny. «Wenn es keinen Konkurrenzkampf um Nahrung gibt, wird sich über längere Zeit eine Hierarchie  aufbauen, darauf sind wir sehr gespannt.» Die Zusammenführung der drei Bären soll noch in diesem Sommer stattfinden.

Ein weiterer Erfolg hatte das Bärenland am vergangenen Wochenende, als die Bären einen Weltrekord aufgestellt hatten. Allerdings handelt es sich dabei nicht um die drei echten Bären, sondern um 525 Personen mit einem «Bär» im Namen.

Sarah Lippuner
Quelle: sar
veröffentlicht: 1. Juli 2019 17:00
aktualisiert: 1. Juli 2019 17:00