Pätti freut's, Elenja nervt's und Fränzi sucht

Dario Cantieni, 10. Dezember 2018, 13:27 Uhr
Fahrplanwechsel. Heisst für die einen früher aufstehen, für die anderen später aufstehen und nochmals andere suchen (vielleicht immer noch) den richtigen Bus. Die neuen Verbindungen wurden heute Morgen auf die Probe gestellt. Ein Besuch in Wil und St.Gallen.

Am Bahnhof rumlungern. Was normalerweise zu den Hobbys bei 14 bis 16-Jährigen zählt, wird ab heute auch von den Pendlern am Bahnhof Wil verlangt. Zumindest von jenen, die aus dem Toggenburg über Wil bis nach St.Gallen wollen. Da wartet man nicht mehr wie bisher vier, sondern 21 Minuten, bis man Anschluss hat. Für Robin, schwarze Jacke, hochgezogener Kragen, KV-Lehrling aus St.Gallen, kein Weltuntergang. Jedoch etwas lästig: «Das Problem mit der neuen Verbindung ist, dass ich von der Bushaltestelle bis zum Geschäft zu wenig Zeit habe.» Also entweder den Chef fragen, ob er ein paar Minuten später kommen könne, oder: «eine halbe Stunde früher auf den Zug.»

«Müssen das Velo nehmen»

Dass der Fahrplanwechsel auch seinen Teil zur Fitness der Bus- und Zugreisenden beiträgt, freut Leandra aus Wilen nur bedingt. Mit halb geschlossenen Augen erzählt sie: «Es gibt am frühen Morgen keinen Bus mehr von Wilen nach Wil. Das heisst, ich muss jetzt das Velo nehmen. Und das macht um 05.40 Uhr nicht wirklich Spass.» Ihre Kolleginnen pflichten ihr nickend bei. Beat, ein älterer Herr, der sich auf eine Bank am Bahnhof gesetzt hat, musste am Morgen gar laufen, da sein Bus nicht mehr fährt. «Ich hab' bei der SBB angerufen und nachgefragt. Dort meinten sie, sie seien mehr Zürich orientiert.» Also müsse, wer auf den Zug nach St.Gallen wolle, entweder später anfangen zu arbeiten oder zum Bahnhof Wil laufen.

Dank neuer Verbindung: Bus statt Auto

Szenenwechsel. Bahnhof St.Gallen. Die ersten Schneeflocken heben sich vom dunklen Morgen und der grauen Pendlermasse ab. Wer kann, vergräbt sein Gesicht in einem Gemisch aus Schal, Mütze und Mantel. Blöderweise ist ein blindes Zurechtfinden heute unmöglich. Immer wieder gehen die Blicke zu den Anzeigetafeln hoch, da nicht nur die Züge, sondern vor allem auch die Buslinien in St.Gallen geändert haben. Neue Nummern, neue Routen, neue Busse. Patrizia ist heute Morgen freiwillig in der Kälte unterwegs. «Da ich mit den neuen Verbindungen bis zu acht Minuten schneller bei der Arbeit bin, habe ich heute auf das Auto verzichtet.» Froh um ein Auto wäre wohl Elenja: «Es ist voll unlogisch. Der 6er Bus ist jetzt der 3er und ich muss früher aufstehen.»

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Immer mehr Leute strömen unterdessen auf den Bahnhofplatz. Kurz nach sieben. Rush Hour. Das Arbeitspensum der VBSG-Helfer in den orangen Westen erhöht sich: «Wo fährt der Bus nach Mörschwil?» «Das ist kein Bus mehr, das ist neu ein Postauto. Und das fährt da vorne», höre ich einen Helfer helfen. Auch Fränzi geht verwirrt an den Bussen vorbei. «Ich suche den 7er Bus», erklärt sie und wendet sich schliesslich an die Helfer in Orange. Der Fahrplanwechsel wird noch einige Tage Gesprächsstoff sein, aber spätestens Ende Woche dürfte sich alles (achtung) eingependelt haben.

 

Eine Übersicht über die neuen Verbindungen findest du hier.
Dario Cantieni
Quelle: dac
veröffentlicht: 10. Dezember 2018 12:45
aktualisiert: 10. Dezember 2018 13:27