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Puffbesitzer wehrt sich gegen Rauswurf

Christoph Thurnherr, 5. April 2019, 06:00 Uhr
Nacktheit, Drogen und zügellose Orgien: Nach den Vorwürfen von Anwohner gegen die Kontaktbar «Schifflände» in Arbon will der neue Eigentümer und Kybun-Chef Karl Müller das Etablissement aus dem Gebäude werfen. Der Pächter wehrt sich.
Unten Restaurant, oben Kontaktbar: Die Schifflände nebem dem Rebstock
© Donata Caspari / Thurgauerzeitung

Es ist eine der schönsten Ecken der Stadt am Bodensee. Am Rand der Altstadt, im Schatten des spätrömischen Kastells und gesäumt vom Adolph Saurer-Quai, nur ein paar Meter vom Ufer entfernt. Doch einige Anwohner können die Idylle nicht geniessen. Der Grund dafür sei die Kontaktbar «Schifflände», die sich in deren Mitte schmiegt. Oder vielmehr, was im Puff so ein und ausgeht: Nackte Menschen an den Fenstern und deutlich hörbares Stöhnen sind nur ein Teil der Vorwürfe an das Puff. Im Oktober letzten Jahres beklagten sich mehrere Familien mit einem Brief bei der Stadt (FM1Today berichtete).

Aufgekauft für den Rauswurf

Diese sah sich allerdings nicht in der Position, etwas zu unternehmen. «Ein Entzug des Patents für den Arboner Barbetrieb ist nicht verhältnismässig und rechtlich nicht durchführbar, da die Immissionen aus dem bewilligungsfreien Erotikbetrieb kommen», so die schriftliche Stellungnahme. Doch die klagenden Familien wohnen in der angrenzenden Liegenschaft «Rebstock». Diese gehört Kybun-Chef Karl Müller, der offenbar genug hatte vom schwelenden Konflikt. Müllers Immobilienfirma Imhotep gab ein grosszügiges Angebot für das Riegelhaus ab, in dem sich das Restaurant Schifflände und das dazu gehörende Puff befinden und bekam den Zuschlag, berichtete die Wochenzeitung Felix. Der Pächter Remo Pingiotti erhielt auf Anfang Jahr die Kündigung. Der zusätzliche Vorwurf Müllers an den Pächter: Er sei mit der Miete im Verzug.

Puffbesitzer bestreitet Vorwürfe

Er schulde dem Besitzer nachweislich nicht einen Rappen, sagt Pächter Pingiotto jetzt gegenüber der Thurgauer Zeitung. Auch die restlichen Vorwürfe würden so nicht stimmen, sondern seien übertrieben dargestellt. Überhaupt sei er enttäuscht, dass sich der neue Eigentümer nicht mit ihm an einen Tisch gesetzt hätte, um eine Lösung zu finden.

Ausserdem ist er der Meinung, dass die Kündigung rechtlich nichtig ist, «denn sie wurde auf ein falsches Datum ausgestellt», sagt Pingiotto. Laut seinem Anwalt sei eine Kündigung erst im Jahr 2027 möglich. Trotzdem möchte Pingiotti einen langen Rechtsstreit vermeiden und hofft auf eine aussergerichtliche Einigung mit Karl Müller. Und sei es nur, um wenigstens das Restaurant im Erdgeschoss, welches er ebenfalls betreibt, behalten zu können.

Christoph Thurnherr
Quelle: thc
veröffentlicht: 5. April 2019 05:56
aktualisiert: 5. April 2019 06:00