Oberriet

Seit 40 Jahren ungelöst: Alles, was du über den Kristallhöhlenmord wissen musst

Svenja Graf, 31. Juli 2022, 06:22 Uhr
Ein mysteriöser Mordfall ereignet sich am 31. Juli 1982. Zwei Mädchen verschwinden nahe der Kristallhöhle in Oberriet. Zwei Monate später findet man ihre Leichen. Der Mörder wird nie gefunden, doch bis heute sorgt der Mordfall für Gesprächsstoff.
Was geschah in Kobelwald?
© kov/FM1Today

Samstag, 31. Juli 1982: An diesem Tag werden die 17-jährige Brigitte Meier und die 15-jährige Karin Gattiker zum letzten Mal lebend gesehen. Was sich danach ereignet, erschütterte die ganze Ostschweiz – und bis über die Landesgrenze hinaus wurde darüber berichtet. Auch heute, vierzig Jahre nach den schrecklichen Ereignissen, ist die Tat noch nicht in Vergessenheit geraten.

Das passiert an diesem verhängnisvollen Tag

Die beiden Teenager aus Goldach unternehmen Ende Juli 1982 eine dreitägige Velotour durch die Ostschweiz. Am ersten Tag führt sie der Weg über St.Gallen nach Herisau und schliesslich Richtung Appenzell.

Die Nacht verbringen Gattiker und Meier in der Jugendherberge in Schwende. Von dort brechen sie tags darauf zu einer Velotour durch das Appenzellerland auf. Sie werden beobachtet, wie sie an der Sitter kochen und ihre Kleider waschen.

Am dritten Tag machen sich die Mädchen auf den Heimweg. Ihnen wird der Weg über Eggerstanden und Oberriet empfohlen, um zurück nach Goldach zu kommen. Am Mittag scheinen sie sich jedoch verirrt zu haben: Ein Autofahrer sieht die beiden verwirrt an einer Kreuzung unweit der Kristallhöhle stehen.

Er ist der Letzte, der die Mädchen lebend sieht. Am Abend stehen nur noch die Velos an der Kreuzung im Dorf Kobelwald in Oberriet. Von den Goldacherinnen fehlt jede Spur. Kurz darauf geht die Vermisstenmeldung bei der Polizei ein.

Bei dieser Kreuzung werden die beiden Mädchen zum letzten Mal gesehen.
© TVO

Die Suche beginnt

Anfangs geht die Polizei nicht von einem Verbrechen aus. Mit Flugblättern wird nach den Mädchen gesucht. Diese Aktion bringt jedoch keinen Erfolg. Die bis anhin grösste Suchaktion in der Geschichte der St.Galler Polizei wird eingeleitet: Die gesamte Umgebung rund um die Kristallhöhle wird wochenlang abgesucht.

Jedoch nur rund um die Höhle. In unmittelbarer Nähe der Höhle vermutet man die Mädchen nicht. ein Fehler, wie sich neun Wochen später herausstellt. Am 2. Oktober 1982 riecht ein Wanderer einen starken Verwesungsgeruch und findet Brigitte Meiers Leiche am Fusse eines steilen Abhangs nahe der Kristallhöhle. Karin Gattikers Leiche liegt etwa 25 Meter von Meiers Fundort in einer kleinen Höhle.

Die beiden Mädchen verschwinden bei einer Velotour durch die Ostschweiz.
© Tagblatt-Archiv

Mörder bleibt unauffindbar

Die Verwesung an den Körpern ist zu weit fortgeschritten – die genaue Todesursache wird nie ermittelt. Brigitte Meiers Schädel weist eine Fraktur auf, jedoch ist unklar, wie sie entstanden ist. Es wird von einem Gewaltverbrechen ausgegangen, da die Opfer sorgfältig bei der Kristallhöhle versteckt wurden. Spuren gibt es keine. Beweise: keine. Auch Zeugen meldeten sich kaum. Verdächtige werden festgenommen und wieder freigelassen. Der Mörder taucht nie auf.

Doppelmord verjährt – bleibt aber in aller Munde

Im Jahr 2012, dreissig Jahre nach dem Ereignis, verjährt der mysteriöse Mordfall, ohne dass je ein Täter gefasst wird. Alle Beweismittel werden vernichtet – das normale Prozedere bei verjährten Fällen. Und doch sorgt das ungelöste Verbrechen bis heute für viel Gesprächsstoff.

So wird die Debatte, ob solche Fälle überhaupt verjähren dürfen, durch das Schwerstverbrechen angekurbelt. Und tatsächlich hat der Ständerat die Initiative des Kantons St.Gallen angenommen. Dass Mordverbrechen nicht mehr verjähren, wirkt sich jedoch nicht rückwirkend auf den Kristallhöhlenmord aus.

Hunderte von Medienberichten existieren über das Verbrechen.
© TVO (Archiv)

Hunderte Medienberichte, ein Kriminalroman, Sachbücher und Theaterstücke befassen sich mit dem Fall. So zum Beispiel auch das kürzlich erschienene Buch von Profiler Axel Petermann, wie das Tagblatt berichtete. Natürlich kann auch er den Mörder nicht finden.

Im Rheintal wird noch immer viel über das Verbrechen spekuliert und es halten sich hartnäckige Gerüchte – so soll der Täter ins Tessin geflüchtet sein. Dass der Fall nie gelöst wurde, sorgt häufig für Unverständnis. Doch für viele ist klar: sie wollen den Fall, so lange Jahre nach den Ereignissen, einfach ruhen lassen. Obwohl nach wie vor viele Fragen offen sind.

Quelle: FM1Today
veröffentlicht: 31. Juli 2022 06:22
aktualisiert: 31. Juli 2022 06:22
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