Parkplatz Atzmännig

«Früher habe ich auch hier gedriftet» – saftige Busse nach tödlichem Unfall

· Online seit 19.01.2024, 17:38 Uhr
Bei Passanten löst der tödliche Unfall beim Parkplatz Atzmännig teilweise Unverständnis aus. Trotzdem wird ein Drift-Verbot wie auf der Schwägalp als unnötig angesehen – auch die St.Galler Kantonspolizei meint, dass statt auf Verbote, lieber auf Vernunft gesetzt werden sollte.

Quelle: TVO/Tiziana Castauro/FM1Today

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Beim Parkplatz Atzmännig in Eschenbach ereignete sich am Donnerstagabend ein tödlicher Unfall. Ein 20-jähriger Lenker und sein 24-jähriger Beifahrer drifteten auf dem Parkplatz, bis der Lenker die Kontrolle über das Auto verlor und einen Abhang hinunterrutschte. Der Beifahrer verstarb später im Spital, nachdem der Fahrer ihn im Auto zurückgelassen hatte.

«Keine gute Sache»

Als Joseph Palmert aus Herrliberg ZH am Freitagmorgen zum Skifahren zum Atzmännig-Parkplatz fuhr, beobachtete er die restlichen Aufräumarbeiten der Feuerwehr und Polizei.

«Früher bin ich mit dem Auto auch ab und zu geschleudert, aber ich habe das Auto glücklicherweise immer beherrscht», so der 81-Jährige. Er versteht, dass ein grosser schneebedeckter Parkplatz zum Driften anlockt und die jungen Leute Freude daran haben. «Als junger Mann war ich auch hier auf dem Atzmännig-Parkplatz zum Schleudern, aber jeweils nur eine Runde, bevor ich wieder weiterfuhr.» Palmert glaubt, dass ein Verbot – wie beispielsweise nachts auf der Schwägalp – nicht viel bringen würde.

Robert Whitehead aus Bassersdorf ZH findet Driften keine gute Sache, vor allem dann, wenn man es nicht beherrscht. «In den Nachrichten oder auf Instagram sieht man oft, dass die Leute driften. Das finde ich nicht gut», sagt er. Whitehead findet es tragisch, dass eine junge Person verstorben ist.

Vernunft statt Verbot

«Wir erhalten immer wieder Meldungen von Personen, die bei Einkaufszentren, auf Fabrikgeländen oder öffentlichen Parkplätzen driften – meist aber nur für kurze Zeit», sagt Hanspeter Krüsi, Leiter Kommunikation der Kantonspolizei St.Gallen. Teilweise gebe es auch Reklamationen. «Wenn es schneit, haben wir viel zu tun. Von Donnerstagabend bis Freitagmittag mussten wir über 20 Verkehrsunfälle aufnehmen. So bleibt jeweils keine Zeit, auch noch diese Parkplätze abzufahren.»

Und falls die Polizei doch einmal aufkreuzt, sehe man vielleicht nur eine Person, die gerade driftet: «Die anderen waren natürlich immer nur per Zufall dort.»

Er betont, dass man nicht nach Lösungen suchen sollte, wie diese Plätze gesperrt werden könnten, sondern: «Wir müssen bei der Vernunft der Leute anfangen. Man muss wissen, dass ein Auto an sich schon gefährlich ist – mit Schnee und Eis wird es noch gefährlicher. Und wie gefährlich es werden kann, haben wir gesehen: Ein 24-jähriger Mann ist gestorben.»

Krüsi schätzt das Schleudern und Driften als sehr gefährlich ein. «Um den Umgang damit zu lernen, gibt es Kurse. Wir haben einmal mehr gesehen, dass man nicht nur sich selbst, sondern auch andere Personen gefährdet.»

Konsequenzen für Fahrer 

Die Konsequenzen für den 20-jährigen Lenker, der für den Unfall vom Donnerstagabend verantwortlich ist, sind laut Krüsi «sehr einschränkend». «Es gibt eine Untersuchung wegen fahrlässiger oder allenfalls vorsätzlicher Tötung. Weiter gibt es eine Anzeige wegen Widerhandlung von mehreren Strassenverkehrsregeln und Nichtleisten der Nothilfe», sagt Krüsi.

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veröffentlicht: 19. Januar 2024 17:38
aktualisiert: 19. Januar 2024 17:38
Quelle: FM1Today

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