«Ich kann das nicht verstehen»

Lara Abderhalden, 14. Dezember 2016, 09:18 Uhr
Die neue Karte, welche Sperrgebiete für Drohnen- und Modellflugzeug-Besitzer zeigt, ist für viele Neuland. Den Drohnenbesitzern ist zwar bewusst, dass es Sperrzonen gibt, nicht aber, dass bereits ein Helikopterlandeplatz dazu gehört. Ein Drohnenbesitzer aus Gossau vertraut auf einen gesunden Menschenverstand und weniger auf zu viele überflüssige Gesetze.

«Es gibt immer mehr Gesetze, bald darf man gar nichts mehr machen», ärgert sich Sven Grossmann. Er ist Geschäftsführer der Firma Extrem Clean in Oberbüren. Für seine Arbeit braucht er die Drohne. Teilweise muss er für die Reinigung von Solarmodulen Häuser mit der Drohne überfliegen. Auch privat nutzt er sein Flugobjekt regelmässig, um Fotos aus der Luft zu machen. Es gibt viele Privatbesitzer von Drohnen, weiss auch das Bundesamt für Zivilluftfahrt. Die genaue Zahl könne man nicht sagen. In Zukunft werde aber geprüft, in jede Drohne einen Chip einzubauen, mit dem der Besitzer registriert wird.

Für den Drohnendachverband und das BAZL sind genau die privaten Besitzer von Drohnen das Hauptproblem. Oft würden diese nicht wissen, wo sie die Geräte einsetzen dürfen und sie sind sich nicht bewusst, dass es Sperrzonen gibt.

Gerät erkennt Flugverbotszonen

«Ich habe ein eher teures Modell einer Drohne. Dieses zeigt mir automatisch die Gebiete an, welche ich nicht überfliegen darf», erklärt Sven Grossmann. Im Gebiet rund um den Flughafen Altenrhein könne die Drohne beispielsweise gar nicht gestartet werden, da das Flugobjekt merkt, dass es sich um eine verbotene Zone handelt. Komme es während dem Fliegen in eine verbotene Zone, kehre das Gerät automatisch um.

Sven Grossmann findet es absolut sinnvoll, dass Gebiete rund um grössere Flughäfen gesperrt sind und das Bundesamt für Zivilluftfahrt diese Gebiete auch klar deklariert. Was für den Drohnenbesitzer allerdings neu ist, sind die Sperrgebiete rund um kleinere Flugplätze. «Dass bereits ein Helikopterflugplatz für eine Flugverbotszone sorgt, kann ich nicht verstehen.» Dies sei beispielsweise in Gossau der Fall.

«Zusammenstoss mit Helikopter ist unwahrscheinlich»

«Einen Helikopter hört man sehr gut und hat deshalb genügend Zeit, die Drohne zu landen. Die Wahrscheinlichkeit, dass der Helikopter in eine Hauswand kracht, ist grösser, als dass er mit einer Drohne zusammen stösst.» Gesetzlich sei festgelegt, dass man die Drohne immer im Blickfeld haben muss. Laut Grossmann ist ein Zusammenstoss mit einem Helikopter deshalb praktisch ausgeschlossen.

Grossman glaubt auch nicht, dass sich alle Drohnenbesitzer an die neue Karte halten werden: «Es gibt viele, denen ist nicht bewusst, dass sie in verbotenem Gebiet fliegen. Das Verbot wurde bis anhin nie transparent gemacht.» Einerseits sei es bestimmt ein guter Schritt aber: «Es hat bis jetzt in der Region noch nie einen Zwischenfall mit einer Drohne gegeben.»

«Modellflugzeuge sind das Problem»

Viel schlimmer als die Drohnen findet Sven Grossmann die Modellflugzeuge. Diese seien grösser und weniger sicher als Drohnen. Ausserdem würden die Modellflugzeuge teilweise in gesperrten Gebieten eingesetzt: «Auf dem Breitfeld in St.Gallen sind regelmässig Modellflugzeug-Piloten zu sehen. Das Breitfeld befindet sich in unmittelbarer Nähe zur Rega-Basis in Gossau und deshalb im Sperrgebiet.» Ausserdem habe es dort noch ein Einkaufszentrum und eine Autobahn in der Nähe.

«Es kann natürlich sein, dass gewisse Modellflugzeugbesitzer sich nicht an das Reglement halten», sagt Wolfgang Böhm, Regionalverbandspräsident des Schweizerischen Modelflugverbandes. Es gebe immer zwei Gruppen von Modellflugzeug-Besitzer. Diejenigen, die im Verband sind und solche, die privat Modellflugzeuge nutzen. Dass es Flugverbotszonen gibt, sei den Mitgliedern des Schweizerischen Modellflugverbandes bewusst: «Alle Modellfluggruppen, die im Verband sind, haben spezielle Plätze, auf denen die Modellflieger fliegen dürfen. Diese befinden sich ausserhalb von gefährlichen Zonen.»

Der Drohnenbesitzer Sven Grossmann und der Modellflugzeug-Verbandspräsident Wolfgang Böhm sind sich in einem Punkt einig: Entscheidend für die Sicherheit im Luftverkehr ist in jedem Fall der gesunde Menschenverstand des Piloten.

Lara Abderhalden
Quelle: abl
veröffentlicht: 14. Dezember 2016 08:51
aktualisiert: 14. Dezember 2016 09:18