St.Gallen

Pro-City-Präsident zu Black Friday: «Es ufert fast aus»

Rosie Hörler, 29. November 2019, 12:05 Uhr
Der Pro-City-Chef Ralph Bleuer glaubt, dass der Black-Friday-Hype noch weiter zunehmen könnte.
© Tagblatt/Michel Canonica
In der St.Galler Innenstadt machen nur wenige Läden beim Black Friday mit. Wieso eigentlich? Was spricht dagegen? Wir haben bei Ralph Bleuer, Präsident von Pro City St.Gallen, nachgefragt.

Die Schnäppchenschlacht ist wieder eröffnet. Einen Tag nach dem US-Fest Thanksgiving gibt es Rabatte und Aktionen. Immer mehr auch direkt in den Läden. In der Stadt St.Gallen haben sich auf einen Black-Friday-Aufruf der Innenstadt-Läden-Vereinigung Pro City jedoch nur 36 von 160 Geschäften gemeldet.

Ralph Bleuer, wieso machen nur so wenig Geschäfte mit?
Ralph Bleuer: Die einzelnen Gründe kennen wir natürlich nicht. Wir haben den Läden angeboten, eine Bewilligung für längere Öffnungszeiten einzuholen. Nur 36 haben von diesem Angebot Gebrauch gemacht. Das heisst nicht unbedingt, dass nur diese Black-Friday-Aktionen geplant haben.

Was für Läden wollen denn länger offen haben?
Grundsätzlich kann man sagen: Je grösser eine Organisation, desto eher macht sie mit. Diese Läden haben auch ganz andere Möglichkeiten für die Werbung und den Einkauf und können entsprechend mehr Rabatte bieten.

Und kleine können das nicht?
Kleinere Geschäfte haben in der Regel kleinere Margen, da sie kleinere Mengen einkaufen. So können sie auch weniger Prozente geben.

Also nicht grundsätzlich eine Ablehnung gegen den Black Friday.
Es gibt schon auch Geschäfte, die den Sinn nicht wirklich sehen. Die sagen sich: Wie kann es sein, dass ich an einem Tag Rabatt gebe und an den Tagen vorher und nachher nicht? Vielleicht passt es auch nicht so in unsere Kultur. Das könnten mögliche Gründe sein.

Kann es sein, dass ein solcher Tag für die kleinen Geschäfte sogar schädlich ist?
Wir haben eine freie Marktwirtschaft. Jedem Geschäft ist es selbst überlassen, da mitzumachen. Ich gehe davon aus, dass jene Läden mit grossen Rabatten am Black Friday eher frequentiert werden. Aber es ist ja nur ein Tag. Ob das wirklich schadet, wird man kaum messen können.

Wie sieht das in Zukunft aus? Wird man sich als Geschäft dem Black Friday noch entziehen können?
Es ist ja heute schon oft mehr als ein Tag, bei einigen Geschäften eine ganze Woche. Ich kann mir schon vorstellen, dass das noch zunimmt. Es ufert aber fast aus. Dass es irgendwann einen solchen Hype gibt, dass alle Geschäfte mitmachen, glaube und hoffe ich nicht. Auch vielen Konsumenten wird es manchmal zu viel. Ich finde es gut, wenn einige Geschäfte sagen: Da mache ich nicht mit.

Quelle: FM1Today
veröffentlicht: 29. November 2019 05:57
aktualisiert: 29. November 2019 12:05