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Rheintaler an der berühmtesten Fasnacht

Fabienne Engbers, 5. Februar 2018, 08:27 Uhr
«Einzigartig, eine riesige Ehre» - dass die Melser in Luzern an die Fasnacht dürfen, ist alles andere als normal. Deshalb bereiten sich die Fasnächtler auch schon seit Monaten vor. Wir haben sie beim Wagenbau in den letzten Zügen besucht.

Der Wagen steht in einer Scheune, von aussen sieht er mit der bemalten Fassade, den angenagelten Masken und dem grossen «Böllä» - so nennen die Melser eine Zwiebel - schon fertig aus. «Nein, es fehlt noch Einiges», sagt Marc Albrecht. Er koordiniert den Auftritt der Melser an der diesjährigen Luzerner Fasnacht.

Teil der Zunft zur Safran

Dass die Melser am Luzerner Umzug mitlaufen dürfen, ist alles andere als selbstverständlich und einzigartig. Eine so grosse Truppe von Gästen gab es an der Luzerner Fasnacht noch nie. «Das ist für uns einmalig, man kann nicht einfach daher kommen und mitmachen», sagt Albrecht. Er investierte in den letzten Monaten und Jahren viel Zeit und Nerven in das Projekt «Mels in Luzern». Die Melser sind Gäste der Zunft zur Safran, eine der vier Luzerner Zünfte.

Trotz Stress vorab, die Vorfreude steigt. «Wir warten schon lange darauf, dass es endlich losgeht. Auch die Melser Fasnachtsgruppen, die mitreisen, sind schon ganz gespannt und fiebern dem kommenden Donnerstag entgegen», sagt Albrecht.

So sieht das auch der Gemeindepräsident von Mels, Guido Fischer. Ganz unschuldig daran, dass die Melser nach Luzern gehen dürfen, ist er nicht. Ursprung dafür war die Sommerfasnacht in Mels im Jahr 2015. «Damals sind die Oberhäupter der Luzerner Fasnacht nach Mels gekommen. Die Luzerner waren völlig hin und weg. Das halbe Dorf war Mitte Juli auf dem Dorfplatz und hat gefeiert, damit haben sie nicht gerechnet», sagt Fischer.

Auch der Gemeindepräsident wird mit nach Luzern reisen. «Es ist schon sehr aussergewöhnlich, dass wir direkt hinter dem Fritschivater (dem höchsten Fasnächtler in Luzern) und seiner Zunft am Umzug mitlaufen dürfen.»

Böllä, Bölläsuppe, Bölläschnaps

Dass die Melser «Böllnis» genannt werden, ist kein Zufall. «Unser Kirchturm hat die Form einer Zwiebel. Ausserdem gedeihen ‹Böllä› in der Rheinau besonders. Deshalb haben wir diesen Übernamen», sagt Marc Albrecht. Jedes Jahr wählen die Melser einen «Böllenkönig», der in der Narrenzeit den Gemeindepräsidenten aus seinem Amt entlässt.

Auch am Luzerner Fasnachtumzug stehen bei den Gästen die «Böllen» im Mittelpunkt. Auf dem Melser Fasnachtwagen steht eine riesige Zwiebel, die Fasnachtsgruppen verteilen aus dem Wagen «Böllä» und ein bisschen Wein. Ausserdem gibt es eine nach Melser Rezept gekochte «Bölläsuppe» und auch einen «Bölläschnaps». Für das leibliche Wohl haben die Melser also allemal gesorgt.

Ein Lastwagen und zwei Cars

Eigentlich wäre ein grösserer Wagen geplant gewesen. «Aber wir sind ein wenig eingeschränkt, hauptsächlich wegen der Transportmöglichkeiten», sagt Albrecht. Statt einem elf Meter langen und dreieinhalb Meter breiten Wagen muss ein etwa halb so langer Wagen hinreichen. «Der Wagen muss samt Traktor und allen anderen Dingen, die wir mitnehmen, in einen Lastwagen passen.»

Der Lastwagen bringt den fahrbaren Untersatz der Melser am Schmutzigen Donnerstag nach Luzern. Die rund 60 Leute, die am Umzug mitlaufen, werden von zwei Cars morgens um zwei Uhr abgeholt. «Wir dachten, wenn wir schon mal in Luzern an die Fasnacht eingeladen sind, wollen wir auch alles miterleben, vom Urknall bis nach dem Umzug.» Wenn aber um 8 Uhr der Lastwagen in Luzern ankommt, gilt es für die Fasnächtler ernst. «Dann wird alles zusammengesetzt und präpariert. Die ‹Böllensuppni› müssen dann schon anfangen, ihre Suppe zu kochen.»

«Iihuttlättä» steigt ohne Fasnachtsoberhäupter

Während die Melser Fasnachtsgruppen, der Gemeindepräsident und ehemalige «Böllenkönige» die Luzerner Fasnacht erobern, findet in ihrer Heimat die traditionelle «Iihuttlättä» statt. «In Sargans hat es schon geheissen, die ‹Iiihuttlättä› finde heuer nicht statt, aber das ist natürlich Quatsch. Die Guggenmusiken kommen trotzdem und auf dem Dorfplatz versammelt sich Hinz und Kunz.»

60 bis 70 Melser kommen am Abend aus Luzern zurück und werden einige Geschichten im Gepäck haben. «Wer noch Energie hat, wird sich sicherlich noch unters Volk mischen und gross von unseren Erlebnissen erzählen.»

Der TVO-Beitrag zum Thema:

Fabienne Engbers
veröffentlicht: 5. Februar 2018 05:52
aktualisiert: 5. Februar 2018 08:27