«St.Gallen ohne Rondelle ist kein St.Gallen»

Praktikant FM1Today, 25. Januar 2019, 18:38 Uhr
Kaum liegen die Pläne für den neuen Marktplatz auf dem Tisch, sind kritische Stimmen zu hören: Die Standbetreiber in der Rondelle haben viel Geld in den Betrieb investiert. Jetzt fürchten sie um ihre Zukunft.

Guido Egger (Bild: FM1Today/Tobias Bruggmann)
Guido Egger (Bild: FM1Today/Tobias Bruggmann)

«Ich habe meine Zukunft in die Rondelle investiert. Wenn sie wegkommt, habe ich ziemlich viel Geld verloren.» Guido Egger, Betreiber der Risottoria und des Café Rondo in der Rondelle am St.Galler Marktplatz, wirkt nachdenklich. Vor einem Jahr hat er sein Bistro saniert und auf den neuesten Stand gebracht. Am Donnerstag hat er erfahren, dass die Rondelle auf dem neuen Marktplatz keinen Platz finden wird (FM1Today berichtete).

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Auch andere betroffen

Auch die anderen Standbetreiber bedauern den Abriss. «St.Gallen ohne Rondelle ist kein St.Gallen», sagt Hamdy Ismail, der den Nil Imbiss gleich neben dem Café Rondo führt. Auch er hat vor kurzem seinen Stand umgebaut. «Alles aus eigener Kraft», betont er.

Rondellen-Vertreter in Marktplatz-Jury

«Dass die Rondelle abgebrochen werden könnte, haben wir allen früh kommuniziert», sagt Maria Pappa, die zuständige Stadträtin. Ein Vertreter der Rondelle habe in der Jury gesessen, welche über das neue Marktplatzprojekt entschieden habe. Allerdings ohne Stimmrecht, wie Pappa ergänzt. Sie sieht auch Vorteile: «Durch den Abbruch der Rondelle erscheint der Durchgang durch die Marktgasse viel grösser.»

Stadt bietet Alternative

Maria Pappa (Bild: Urs Bucher/Tagblatt)
Maria Pappa (Bild: Urs Bucher/Tagblatt)
© Urs Bucher/Tagblatt

Pappa verweist auf die Alternativen, welche die Stadt allen Marktteilnehmern anbietet. «Die Rondelle wird durch zwei neue Pavillons ersetzt, die aber verschoben sind. Dort können alle Betriebe weitergeführt werden.» Guido Egger von der Risottoria hat aber Bedenken ob der neuen Pavillons: «Auch in dieses Projekt muss wieder Geld investiert werden. Für Selbstständige ist die heutige Zeit nicht gerade einfach.»

Sanierung nicht möglich

Egger und die anderen Standbetreiber wünschen sich eine Sanierung der Rondelle. «Es geht nicht nur ums Geld. Das Gebäude ist das Zentrum von St.Gallen.» Für die Stadträtin ist eine Sanierung aber keine Option. «Die Rondelle als Räumlichkeit kann aufgrund des Wettbewerbsresultat nicht mehr bleiben.»

Heimatschutz bedauert Abbruch

Unterstützung für den Erhalt der Rondelle kommt vom Heimatschutz. «Wir bedauern den Abbruch der Rondelle. Diese Kleinbaute ist einer der wenigen zeittypischen Zeugen aus den 1950er-Jahren», heisst es in einem Communiqué. Stadträtin Pappa sagt, dass dies durchaus ein Thema in der Jury war. «Es ist aber kein geschütztes Gebäude. Die Jury hat einen grösseren Mehrwert im Abbruch der Rondelle gesehen, als sie zu behalten.»

Die Rondelle steht bereits seit den 1950er Jahren. (Bild: FM1Today/Tobias Bruggmann)
Die Rondelle steht bereits seit den 1950er Jahren. (Bild: FM1Today/Tobias Bruggmann)

Pappa erstaunt zudem die Haltung des Heimatschutzes. An der Forumsveranstaltung am Donnerstagabend hätten die Vertreter des Heimatschutzes gesagt, dass ein Abbruch schade sei. «Sie könnten die Idee aber verstehen und würden dahinter stehen.» Der Heimatschutz war für eine Stellungsnahme von FM1Today nicht zu erreichen.

Abriss frühstens 2022

Bis die Abrissbagger aber am Marktplatz auffahren, wird es noch dauern. Vorher muss das Projekt vor das Stadtparlament, im ersten Halbjahr 2020 soll es eine Urnenabstimmung geben. Die Umsetzung ist ab 2022 geplant.

 

Praktikant FM1Today
veröffentlicht: 25. Januar 2019 17:49
aktualisiert: 25. Januar 2019 18:38