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St.Gallen

Zahlreichen Gewaltdelikte und erhöhte Präsenz: Stadtpolizei zieht Bilanz

9. November 2021, 07:13 Uhr
Im August und September erschütterten mehrere Gewaltdelikte die Stadt St.Gallen und Umgebung. Die Stadtpolizei verstärkte daraufhin ihre Präsenz. Nun zieht sie eine erste Bilanz.
Als Reaktion auf die vielen Gewaltdelikte in St.Gallen hat die Stadtpolizei ihre Präsenz erhöht.
© Tagblatt/Raphael Rohner

Am 29. September starb ein 20-jähriger Mann im Spital, nachdem er zehn Tage zuvor in einer tätlichen Auseinandersetzung an der Bahnhofstrasse in St.Gallen lebensgefährlich verletzt wurde. Es war der letzte in einer Reihe mehrerer Vorfälle, die sich in St.Gallen und Umgebung gehäuft hatten. Der viel zitierte Tropfen, der das Fass zum überlaufen brachte. Die Stadtpolizei St.Gallen sah sich daraufhin gezwungen, ihre Präsenz in der Stadt massiv hochzufahren, um die zunehmende Gewalt in St.Gallen in den Griff zu bekommen.

Stadtpolizei zieht positive Bilanz

Mittlerweile sind fünf Wochen vergangen, seit Polizeipatrouillen an verschiedenen Hotspots in der Stadt Präsenz markieren. Doch die Meldungen von Gewalttaten reissen nicht ab: Erst vergangenen Samstag wurde ein 59-jähriger Mann von einem Unbekannten in der Multergasse mit einer abgebrochenen Flasche angegriffen.

Trotzdem zieht die Stadtpolizei St.Gallen eine erste positive Bilanz. «Die massive Präsenz hat sich bewährt, die Situation hat sich etwas beruhigt», sagt Mediensprecher Dionys Widmer gegenüber dem «St.Galler Tagblatt». Die Anzahl der Auseinandersetzungen sei rückläufig. Es herrsche nicht mehr jene aggressive Stimmung, welche noch vor wenigen Wochen zu beobachten war. «Aufgrund der Vorfälle war diese Präsenz sicherlich notwendig», sagt Widmer. Auch in der Bevölkerung erhalte man positive Rückmeldungen auf die Patrouillen.  «Wir werden wahrgenommen und spüren, dass unsere Präsenz geschätzt wird.»

Weiterhin viele Vorfälle, schwere Gewaltdelikte bleiben aber aus

Im Hinblick auf den Vorfall in der Multergasse vom vergangenen Wochenende sagt Widmer, dass es leider kaum vermieden werden könne, dass es vereinzelt zu Vorfällen komme. «Auch mit einer noch so hohen Präsenz. Die Stadtpolizei St.Gallen ist 24 Stunden an 365 Tagen im Jahr unterwegs.»

Die Kantonspolizei St.Gallen sagt auf Anfrage, dass im Zeitraum vom 22. September bis 21. Oktober insgesamt 23 Gewaltdelikte registriert wurden. Darunter waren Körperverletzungen, Tätlichkeiten und unbewaffneter Raub. Im Vergleich zur Anzahl Gewaltdelikte in der Zeitspanne davor — 40 Vorfälle zwischen Anfang Juli und Ende September — ist diese Zahl sogar leicht angestiegen. «Ja, die nackte Zahl ist nicht tiefer, in Relation betrachtet aber doch besser als im vorausgegangenen Auswertungszeitraum», sagt Florian Schneider, Mediensprecher der Kantonspolizei St.Gallen. Denn bei schweren Delikten konnte ein merklicher Rückgang verzeichnet werden.

Alarmierend war im Zuge der häufigen Gewaltdelikte in St.Gallen auch die Tatsache, dass laut Kantonspolizei immer mehr junge Erwachsene Stichwaffen im Ausgang bei sich tragen würden. Doch auch hier könne eine erfreuliche Tendenz festgestellt werden: Man habe Grund zur Hoffnung, dass eine Einstellungsänderung gegenüber Stichwaffen eintreten könnte, sagt Schneider. «Die Jugendlichen werden sich bewusst, dass eine Bewaffnung keine gute Idee ist.»

Quelle: FM1Today
veröffentlicht: 9. November 2021 07:13
aktualisiert: 9. November 2021 07:13