Coronavirus

Beträchtliche Löhne für Thurgauer Tracer – in Zürich gibt es weniger Geld

Géraldine Bohne, 21. April 2021, 12:04 Uhr
Mitarbeitende des Contact Tracings im Thurgau erhalten für ihre Arbeit überdurchschnittlich hohe Löhne und hohe Wochenendzulagen. Der Kanton gibt dafür monatlich mehrere hunderttausend Franken aus. Im Kanton Zürich ist der Lohn für die gleiche Arbeit deutlich tiefer.

Hohe Wochenendzulagen und bis zu 10'000 Franken Lohn: Den Thurgauer Contact-Tracing-Mitarbeitenden werden beträchtliche Summen für ihre Arbeit ausbezahlt. Die Angestellten erhalten am Wochenende Lohn von bis zu 60 Franken pro Stunde. Im Kanton Zürich sind die Löhne tiefer, auch Wochenendzuschläge in dieser Höhe gibt es nicht. Schuld an den grossen Unterschieden sind alte Arbeitsverträge.

Derzeit sind 70 Personen im Kanton Thurgau als Tracerinnen und Tracer angestellt. An sieben Tagen die Woche stehen täglich rund 25 Personen im Grossraumbüro in Felben-Wellhausen im Einsatz. Sie arbeiten in zwei Schichten von je neun Stunden. Seit Ende Januar beläuft sich die Anzahl Neuinfektionen, welchen die Contact Tracer nachgehen müssen, auf etwa 50 pro Tag.

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Quelle: tvo

Kanton Thurgau war unzufrieden mit Kosten-Verrechnung

Vor dem Jahreswechsel waren rund 100 Personen beim Contact Tracing tätig. Damals lagen die Tageswerte noch bei über 100 Neuinfektionen. Die meisten Mitarbeitenden wurden von der Lungenliga Thurgau angestellt, die im vergangenen Jahr vom Kanton für diese Aufgabe beauftragt wurde. Ende des Jahres übergab die Lungenliga das Contact Tracing an die Firma JDMT Medical Services mit Sitz in Pfäffikon ZH. Die Mitarbeitenden und ihre alten Verträge wurden übernommen.

Grund für die Auflösung der Zusammenarbeit zwischen Lungenliga und Kanton Thurgau sollen unter anderem Unzufriedenheiten mit der Führung der Lungenliga gewesen sein, wie die «Thurgauer Zeitung» Mitte Dezember schrieb. Grosses Thema seien dabei die verrechneten Kosten gewesen. Welche Kosten spezifisch gemeint waren, ist unklar.

50 Prozent mehr Lohn am Wochenende

Nun zeigt sich: Hohe Kosten fallen unter anderem bei den Löhnen der Mitarbeitenden an. Diese erhalten Stundenlöhne zwischen 30 und 40 Franken. Wie eine Quelle, die beim Contact Tracing arbeitet, gegenüber FM1Today sagt, liegen die Löhne gewisser Mitarbeitenden aber gar noch höher. Dies ohne spezielle Ausbildung oder Schulabschluss. Hinzu kommt, dass die Tracer am Wochenende Zulagen von 50 Prozent des Lohnes erhalten. Gewisse Contact Tracer, die ein Team von etwa fünf Personen unter sich haben, hätten so bis zu 10'000 Franken im Monat verdient.

Im Kanton Zürich, wo das Contact Tracing auch über die Firma JDMT läuft, sind die Löhne deutlich tiefer, weiss die Quelle. «Es stimmt, dass es Unterschiede bei den Löhnen gibt», sagt JDMT-Mediensprecher Roland Portmann gegenüber FM1Today. Im Kanton Zürich gebe es beispielsweise keine Wochenendzulagen in dieser Höhe.

«Löhne werden angeglichen»

Die Lohnunterschiede seien Anfang des Jahres gar grösser gewesen. Die JDMT habe bei der Übernahme der Mitarbeitenden bei jenen Personen, die im Monatslohn ausbezahlt wurden, auf Stundenlohn gewechselt. Weil im Januar die Arbeitslast hoch war, seien dadurch teils hohe Löhne ausbezahlt worden. «Das ist nun nicht mehr so, man hat die Löhne angeglichen», so Portmann. Nach wie vor gebe es Lohnunterschiede, diese seien aber mittlerweile kleiner. Man sei dabei, die Löhne weiter anzugleichen. Die JDMT arbeite mit dem Grundsatz «Gleiche Arbeit, gleicher Lohn».

Die JDMT hält die Löhne für «überdurchschnittlich», gemäss dem Kanton Thurgau handelt es sich um eine marktübliche Entschädigung. Mehrere hunderttausend Franken gibt der Kanton monatlich für das Contact Tracing aus. Im Monat Januar waren es rund 500'000 Franken. Wie der Kanton Thurgau auf Anfrage schreibt, sind die Löhne der Contact-Tracing-Mitarbeitenden dem Kanton nicht bekannt. Auch habe man keine Kenntnis von Lohnunterschieden. Es sei momentan nicht vorgesehen, etwas dagegen zu tun und so Kosten einsparen zu können.

Quelle: FM1Today
veröffentlicht: 21. April 2021 05:32
aktualisiert: 21. April 2021 12:04