ESAF 2022

Thurgauer Unternehmen baut für Schwingfest «grösste temporäre Arena der Welt»

Dario Brazerol, 27. Juli 2022, 07:05 Uhr
Die besten Schwinger der Schweiz messen sich Ende August am Eidgenössischen Schwing- und Älplerfest in Pratteln. Bis es so weit ist, muss das Gelände im Kanton Basel-Land aber noch für die Gäste vorbereitet werden. Die Thurgauer Nüssli Gruppe ist für die Schwing-Arena verantwortlich – ein Mammutprojekt.

3000 Tonnen Material und rund 300'000 Einzelteile: Das transportiert die Thurgauer Firma Nüssli in den nächsten Wochen Schritt für Schritt ins basellandschaftliche Pratteln. Dort entsteht in den nächsten Wochen «die grösste temporäre Festarena der Welt», wie die Firma selbst sagt. Nicht etwa für ein Konzert oder einen internationalen Grossanlass, sondern für das Eidgenössische Schwing- und Älplerfest 2022, welches vom 26. bis am 28. August stattfindet.

«Routine gibt es beim ESAF nicht»

Für das Thurgauer Unternehmen ist es bereits das 22. Mal, dass sie die Arena für das ESAF errichten. Schon bei der Durchführung im Jahr 1961 in Zug war Nüssli mit dabei. Routine ist ein Bau dieser Grössenordnung deshalb aber nicht, sagt Danilo Della Ca, Leiter Event Structures Schweiz bei Nüssli: «So eine Arena zu bauen, ist immer etwas Besonderes. Wir bringen aus den letzten 60 Jahren viel Erfahrung und Routine mit. Die Gegebenheiten auf Platz sind aber immer anders und machen jedes ESAF-Projekt für sich speziell. Routine gibt es in diesem Sinn also nicht.»

Danilo Della Ca, COO Event Structures der Nüssli Gruppe

© Tagblatt/Kevin Roth

Dort, wo sich in knapp einem Monat die besten Schwinger der Schweiz messen, ist heute noch eine Grossbaustelle. Seit Mitte Juni wird auf dem Gelände gebaut. Zu Spitzenzeiten sind bis zu 300 Helferinnen und Helfer am Bau beteiligt, ausserdem packen das Schweizer Militär und der Zivilschutz mit an. Die Arena wird dereinst einen Umfang von 800 Metern, einen Durchmesser von 250 Metern und eine Dachhöhe von 17,5 Metern haben. 50'900 Schwingfans sollen von gedeckten und ungedeckten Steh- und Sitzplätzen aus eine perfekte Sicht auf das Sägemehl haben.

Nachtarbeit wegen Hitze und enge Platzverhältnisse

Aktuell sind drei der sechs Haupttribünen fast fertig gebaut. «Die Arbeiten verlaufen nach Plan», sagt Della Ca. Dies, obwohl aufgrund der Hitze in den letzten Wochen die Arbeiten in die Nacht verschoben werden mussten. In dieser Zeit wurden beispielsweise die Brücken, welche das Athletendorf mit der Arena verbinden, über die Bahnlinien gehoben. Mittlerweile konnten die Arbeiten aber wieder auf die Tageszeit verlegt werden. «Es gibt diese Woche viele Kranarbeiten für die Dächer. Und Petrus meint es gut mit uns, die Temperaturen sind wieder tiefer und das macht das Arbeiten angenehmer», sagt Della Ca.

Am 18. Juli wurden die Passerellen über das Gleis gehoben.

© ESAF Pratteln im Baselbiet, Barbara Sorg

Die Hitze ist aber nicht die einzige Herausforderung für die Bauarbeiten. «Im Vergleich zu ESAF-Arenen in der Vergangenheit ist das Feld in Pratteln etwas eingeengt. Die Zuglinie verläuft direkt daneben, es gibt Hochspannungsleitungen und es gibt auch noch ein Geländepanzerhindernis, welches unter zwei Tribünen verläuft. Die Geländeverhältnisse kann man auf dem Plan gut darstellen aber in der Realität gibt es dann immer die eine oder andere Überraschung», sagt Della Ca. Bis jetzt habe man aber immer gute Lösungen gefunden.

«Wie eine Box mit Lego-Bausteinen»

Viel wichtiger für einen reibungslosen Ablauf: die Logistik. Diese müsse minutiös geplant sein, damit die Arbeiter in Pratteln immer das richtige Material vor Ort haben. Und gewisse dieser Materialien sind aktuell noch in der ganzen Schweiz verteilt. «Wir stecken in der Sommersaison, während der es viele Events gibt. Viele Teile, welche für das ESAF benötigt werden, sind dort noch im Einsatz. So werden beispielsweise 80 Prozent des Materials, welches für das ‹Basel Tattoo› verwendet wurde, für das ESAF benötigt. Dieses wird nach Ende des Events direkt nach Pratteln gefahren. Man kann sich die Logistik wie eine Box mit Lego-Bausteinen vorstellen.»

Kleine Puffer für mögliche Verzögerungen seien zwar eingeplant, aber grundsätzlich müsse alles reibungslos ablaufen, sagt Della Ca. Auf Platz könne man ausserdem gut reagieren, da bei den Arbeitern bereits viel Know-how vorhanden sei. «Bei einigen ist es bereits das achte ESAF, an dem sie mitarbeiten.»

So soll das ESAF-Gelände am Ende aussehen.

© Nüssli (Schweiz) AG / ESAF Pratteln im Baselbiet

Nach der Arbeit ist vor der Arbeit

Für Danilo Della Ca selbst ist es das erste ESAF, welcher er für die Nüssli Gruppe plant. «Es ist eine riesige Freude», sagt er. Doch wird er sein erstes ESAF trotz Stress überhaupt geniessen können? «Am 27. August, wenn sich die Arena mit den Besuchern füllt, ist der Moment, der für das ganze Team sehr speziell sein wird. Wir werden das Fest auch sicher geniessen, die Atmosphäre aufsaugen und durchatmen. Der Abbau startet dann direkt am Montag nach dem ESAF.»

Für die Nüssli Gruppe geht es dann direkt weiter zu den nächsten Grossevents. Ein Grossteil des ESAF-Materials wird zum Formel-1-Rennen ins niederländische Zandvoort geliefert, welches eine Woche später stattfindet. In der Schweiz stehen das Zürcher Theaterspektakel und die Swiss Indoors auf dem Plan. «Der krönende Abschluss wird für uns das Big Air in Chur. Dort werden auch wir unseren Saison-Abschluss feiern können.»

Quelle: FM1Today
veröffentlicht: 27. Juli 2022 05:29
aktualisiert: 27. Juli 2022 07:05
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