Anzeige
Kühe im Alpstein

Wie man sich in Zeiten des Wolfes auf Weiden verhalten soll

Lena Rhyner, 14. Juli 2020, 08:50 Uhr
Wanderer müssen sich beim Durchqueren von Alpweiden an bestimmte Regeln halten. (Symbolbild)
© KEYSTONE/ARNO BALZARINI
Alle Wege führen nach Rom – und viele durch Kuh-Weiden. Wer im Alpstein wandern geht, wird fast immer über Weiden von Nutztieren laufen müssen. Dabei ist wichtig, sich richtig zu verhalten. Gerade wenn der Wolf durch Ostschweizer Gegenden zieht.

Es ist der Sommer der Wanderer und Ausflügler. Und so idyllisch das Wandern durch Kuhweiden mit traumhafter Bergkulisse scheint, so wichtig ist es, sich dabei richtig zu verhalten.

Keine gesperrten Wanderwege im Alpstein

Der Wolf hat viele Wanderer unsicher gemacht. Die Wanderregion Lumnezia prüft, die Wege wegen des Wolfs zu sperren. Kühe können nach einer Begegnung mit diesem Raubtier für längere Zeit geschockt und für Wanderer eine potenzielle Gefahr sein (FM1Today berichtete).

Ist das Durchqueren von Kuhweiden nun ein Risiko? «Bei uns im Alpstein ist das zurzeit wirklich unbedenklich», sagt Rahel Mettler, Leiterin des Landwirtschaftamtes in Appenzell Innerrhoden. Sie wisse von keiner Kuhherde, die wegen des Wolfes nun nervös sei.

Zwar gab es vor rund 10 Tagen einen Vorfall mit einem Wolf. Dieser riss auf der Potersalp zwei Geissen (FM1Today berichtete). Wanderwege in diesem Gebiet zu sperren, sei aber nicht nötig. «Auf der Potersalp hat es nur Milchkühe und keine Mutterkühe», sagt Mettler. Da sei die Gefahr kleiner.

Milchkuhweiden unbedenklicher

«Im Alpstein hat es grundsätzlich deutlich mehr Milchkuhweiden», beschreibt Mettler die gesamte Weiden-Situation. Da diese Tiere ihre Kälber nicht verteidigen müssen, seien sie tendenziell ruhiger und weniger anfällig auf Provokationen wie zum Beispiel den Wolf. Anders ist dies bei Mutterkuhweiden. «Der Beschützerinstinkt ist bei ihnen viel grösser.» Zeige sich hier eine Gefahr, verteidigen sie ihr Jungvieh – für Menschen könnte das gefährlich sein.

Doch egal ob Milchkuh oder Mutterkuh: «Kühe sind keine Haustiere», sagt Mettler. Ein gesunder Respekt und richtiges Verhalten ist bei diesen Nutztieren essentiell.

So soll man sich verhalten

Wolf hin oder her – richtiges Verhalten auf Kuhweiden gehört immer dazu. Hier die wichtigsten Punke:

  • Hunde immer an der Leine führen
  • Nicht auf die Tiere zugehen oder sie streicheln
  • Auf den Wanderwegen bleiben
  • Steht ein Kuh mitten auf dem Weg: Ruhig bleiben
  • Nicht durch Herden laufen, sondern diese wenn möglich umgehen
  • Sollten sich Kühe plötzlich auffällig verhalten (brüllen, scharren, heben und senken des Kopfes): Verlasse die Weide langsam rückwärts. Schnelle Bewegungen machen Kühe zusätzlich nervös. 

(Verhaltensregeln von Schweizer Wanderwege)

Wenn der Wolf wieder auftaucht – was dann?

«Die Älpler sind nervös. Man weiss nie, wann der Wolf wieder auftaucht», so Mettler. Vor dem Raubtier könne man sich mit den Herdenschutzmassnahmen auch nur beschränkt schützen. Wer kann, bringt seine Tiere über Nacht in den Stall. «Nicht alle Älpler haben diese Möglichkeit.» Auch das Einzäunen mit elektrischem Zaun ist eine Option, aus topografischen Gründen jedoch nicht immer umsetzbar. Man habe keine Wahl, man müsse das Wolfs-Risiko ohne grossen Schutz eingehen.

Greift der Wolf doch einmal an, brauchen Herden ihre Zeit, um sich wieder zu beruhigen. «Der eine Schock sind die verstorbenen Tiere der Wolf-Attacke», sagt Mettler. Der andere die aufgeschreckte Herde der überlebenden Tiere. In solchen Momenten ist auch der Älpler nicht vor der Nervosität der Tiere gefeit. «Älpler müssen tagtäglich mit den Tieren umgehen und sie dann auch wieder auf die Weiden führen.»

Quelle: FM1Today
veröffentlicht: 15. Juli 2020 05:36
aktualisiert: 14. Juli 2020 08:50