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Fragen und Antworten

Das musst du über die Impfoffensive des Bundes wissen

13. Oktober 2021, 17:02 Uhr
Der Bundesrat hat die geplante Impfoffensive konkretisiert. Das Ziel: Mit einer Impfwoche und mobilen Beratungs- und Impfstellen sollen weitere Personen zum Piks bewogen werden. Die Impfprämie wird nicht umgesetzt. 10 Fragen und Antworten.
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Quelle: CH Media Video Unit

Was ist das Ziel der neuen Massnahmen?

Der Bundesrat hat in seiner Sitzung am 13. Oktober den Inhalt der geplanten Impfoffensive konkretisiert. «Die Impfung bleibt das beste Mittel für den Ausstieg aus der aktuellen Krise», sagt Bundesrat Alain Berset in der Medienkonferenz vom Mittwochnachmittag. Im Vergleich zu anderen europäischen Ländern hat die Schweiz mit 71,2 Prozent vollständig geimpften Personen ab 18 Jahren eine tiefe Impfrate. «Die Lage ist aktuell leicht ermutigend, sie bleibt aber nach wie vor heikel», so Berset. Nur mit einer deutlich höheren Impfrate könne die Bevölkerung ausreichend immunisiert und so vor schweren Erkrankungen geschützt werden. Nach wie vor gelte es, eine Überlastung des Gesundheitswesens zu verhindern.

Wie sieht die Impfoffensive aus?

Für die Impfoffensive plant der Bund gemeinsam mit den Kantonen eine nationale Impfwoche vom 8. bis 14. November, zusätzlich sollen mobile Beratungs- und Impfstellen einen einfachen Zugang zur Impfung ermöglichen. Der Bund finanziert ausserdem die Bereitstellung von Beraterinnen und Beratern durch die Kantone, die Ungeimpfte umstimmen sollen. Eine Impfprämie ist nicht vorgesehen.

Wieso gibt es keine Impfprämie?

Die Impfprämien wurden von den Kantonen grossmehrheitlich nicht als gute Massnahme erachtet (FM1Today berichtete). Alain Berset gibt selbst zu, dass es sich um einen unkonventionellen Vorschlag gehandelt habe.

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Quelle: CH Media Video Unit

Wann ist die nationale Impfwoche und was passiert dann?

Die nationale Impfwoche dauert vom 8. bis 14. November. In dieser Zeit sollen möglichst viele Menschen über den Nutzen einer Impfung in mehreren Sprachen informiert werden. Der Bund will Unentschlossenen verlässliche Fakten zur Impfung auf verständliche Art und Weise vermitteln, etwa zur Wirksamkeit, Sicherheit, zu den Nebenwirkungen der Impfstoffe, den gesundheitlichen Risiken einer Infektion oder zu anderen Impfmöglichkeiten.

Neben einer nationalen Medienkampagne sind auch Kantone und Gemeinden dazu aufgefordert, Informationsveranstaltungen oder lokale Anlässe zu organisieren. Ausserdem versendet der Bundesrat einen Brief an die Bevölkerung. Darin möchte er noch einmal unterstreichen, wie wichtig die Impfung sei.

Welche weiteren Schritte unternimmt der Bund?

Nebst der nationalen Impfwoche gibt es mobile Beratungs- und Impfstellen, die Ungeimpften den Zugang zu einer Beratung und allenfalls einer spontanen Impfung erleichtern sollen. Den Leuten soll dank Impfbussen und anderen Angeboten auch die Zufahrt erspart bleiben. Derzeit gibt es 50 mobile Beratungs- und Impfstellen, diese Zahl könne deutlich erhöht werden. Der Bund übernimmt bis zu 220'000 Franken pro zusätzliche mobile Beratungs- und Impfstelle.

Wie arbeiten die Beraterinnen und Berater?

Der Bund will unentschlossene Personen individuell beraten. Über Chat-Funktionen auf Social Media sollen Gruppengespräche, persönliche oder telefonische Kontakte entstehen. Die Beratungspersonen erfahren und fragen allerdings nicht, ob eine Person geimpft ist oder nicht. Weder Bund noch Kantone seien in Besitz solcher Daten. Die Kantone rekrutieren ihre Beratungspersonen selber oder können Organisationen und Institutionen für diese Arbeit beauftragen. Der Bund deckt die Kosten, die durch den Einsatz dieser Beratungspersonen entstehen.

Die Beratungspersonen gehen auf die Informationsbedürfnisse ein und unterstützen Leute beispielsweise dabei, ein Impfzentrum, eine Ärztin oder einen Arzt zu finden oder eine Übersetzerin oder einen Übersetzer hinzuzuziehen.

Ist die 2-G-Regel ein Thema?

Man habe keine Gespräche darüber geführt, sagt Berset. Auch weil es Leute gebe, die sich gar nicht impfen lassen könnten. Die 2-G-Regel sei aktuell keine Option, wohl auch in Zukunft nicht. Eine 2-G-Regel hätte zur Folge, dass es nur noch ein Zertifikat für Geimpfte und Genesene gäbe.

Wie teuer ist die neue Impfoffensive des Bundes?

Der Bund zahlt für die neue Impfoffensive maximal 96,2 Millionen Franken. Zum Vergleich: Tests fürs Covid-Zertifikat kosten wöchentlich 50 Millionen Franken. «Eine hohe Impfrate bietet zudem einen unbestrittenen gesundheitspolitischen und wirtschaftlichen Nutzen.» Im Schnitt kann pro 100 Impfungen eine Hospitalisierung und pro 250 Impfungen eine Belegung auf der Intensivstation vermieden werden. Hinzu komme, dass durch die Vermeidung von Shutdowns weitere Kosten gespart werden könnten, was besonders Branchen wie der Gastronomie und Hotellerie, den Fitnesszentren sowie der Unterhaltungsindustrie zu Gute komme.

Wann können die geltenden Massnahmen aufgehoben werden?

Stand heute, 13. Oktober, sind 71,2 Prozent der über 18-Jährigen vollständig geimpft. Nach heutigem Kenntnisstand sollte diese Impfrate – ohne Einrechnung der bereits genesenen Personen – bei den über 65-Jährigen bei etwa 93 Prozent und bei den 18- bis 65-Jährigen bei 80 Prozent liegen, damit die geltenden Massnahmen aufgehoben werden können.

Auch wenn der Marathon-Vergleich nicht mehr angebracht sei, befinde man sich wohl auf der Zielgeraden, so Gesundheitsminister Berset. Der Bundesrat vergleicht die aktuelle Corona-Situation mit Runden im Stadion. Wie viele Runden es noch sind, könne er nicht sagen. «Von mir aus reicht es auch langsam.»

Wie lange ist die Zertifikatspflicht überhaupt noch nötig?

Obwohl sich die Lage stark verbessert hat, bleibe eine gewisse Instabilität und Unsicherheit. Beispielsweise gebe es bald wieder Leute, die aus den Herbstferien zurückkehren. «Wir werden die Situation in den nächsten Wochen neu beurteilen», sagt Berset.

(red.)

Quelle: FM1Today
veröffentlicht: 13. Oktober 2021 17:02
aktualisiert: 13. Oktober 2021 17:02