Nachfolge von Sommaruga

SP-Ständerat macht sich für Dreierticket stark

Bettina Zanni, 8. November 2022, 09:36 Uhr
Die Spitze der SP will mit einem reinen Frauen-Zweierticket ins Rennen um Sommarugas frei werdenden Sitz steigen. SP-Ständerat Roberto Zanetti schlägt dagegen ein Dreierticket vor. Freuen würde es insbesondere seinen Amtskollegen Daniel Jositsch.
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SP-Ständerat Daniel Jositsch steht seine eigene Partei im Weg. Während er mit einer Bundesratskandidatur liebäugelt, sieht die SP für den frei werdenden Sitz von Bundesrätin Simonetta Sommaruga ein reines Frauen-Ticket vor. Dass die SP-Spitze keine Männer als Kandidaten zulassen will, bezeichnete Jositsch kürzlich als «diskriminierend».

Weniger eng sieht es Jositschs Amtskollege Roberto Zanetti. Er schlägt ein Dreierticket vor, wie die NZZ schreibt. Auf diesem müssten mindestens zwei Frauen stehen sowie mindestens zwei Kandidaturen aus der Deutschschweiz.

Fraktionen können selber denken

Zanetti zeigt laut der Zeitung Verständnis für die Parteileitung, die mit dem dezidierten Vorschlag Führungsstärke signalisieren will. Er macht aber darauf aufmerksam, dass die Fraktion «ja aus lauter erwachsenen Menschen» bestehe, die selber überlegten und womöglich zum gleichen Schluss gekommen wären. Nämlich, dass man an der ausgeglichenen Geschlechtervertretung bei den SP-Bundesräten natürlich festhalten wolle.

Er möge es nicht, wenn man ihm vorschreibe, wie er sich seine Gedanken machen solle, erklärt Zanetti. Aber das habe vielleicht auch mit seinem Alter zu tun, relativiert er. Selber hegt der 67-Jährige keine Bundesratsambitionen. Kürzlich kündigte er an, 2023 nicht mehr für den Ständerat anzutreten.

Jositsch informiert heute

Dass sich Daniel Jositsch tatsächlich als Kandidat aufstellen will, ist noch nicht beschlossene Sache. Am Dienstag um 13 Uhr informiert er die Öffentlichkeit über seine Pläne.

Seine Parteispitze verteidigt derweil das Frauen-Ticket. Co-Präsidentin Mattea Meyer begründete dies in der «SonntagsZeitung» damit, dass die Schweiz mit einem Mann und einer Frau in der Regierung vertreten sein wolle, wie es in den 90er-Jahren immer der Fall gewesen sei. Ohne das Frauen-Ticket bestehe das Risiko, nur noch zwei Frauen in der Landesregierung zu haben, sagte Co-Präsident Cédric Wermuth.

Mehrere Politikerinnen überlegen es sich 

Bis jetzt hat sich bei der SP noch keine Frau als potenzielle Nachfolgerin der Energieministerin zur Verfügung gestellt. Als Favoritin gilt die Basler Ständerätin Eva Herzog. Eine Kandidatur schliesst sie zurzeit nicht aus. Das Format einer Bundesrätin wird auch der Berner SP-Nationalrätin Flavia Wasserfallen und der jurassischen Ständerätin Elisabeth Baume-Schneider zugeschrieben. Beide überlegen sich eine Kandidatur.

Zudem im Gespräch sind die Zürcher Nationalrätinnen Min Li Marti und Céline Widmer, die Thurgauer Nationalrätin Edith Graf-Litscher, die Freiburger Nationalrätin Ursula Schneider Schüttel und die Basler Nationalrätin Sarah Wyss. Auch sie lassen sich noch durch den Kopf gehen, ob sie kandidieren wollen oder nicht.

Quelle: Today-Zentralredaktion
veröffentlicht: 8. November 2022 09:38
aktualisiert: 8. November 2022 09:38