Spielernoten

Effiziente Espen ziehen aufsässigen Thunern früh den Zahn

Johannes Graf, 9. Dezember 2019, 05:48 Uhr
Obwohl der FC St.Gallen eine schlechte erste Halbzeit spielt, liegt er zur Pause beim Tabellenletzten schon mit 0:2 in Führung. In der zweiten Halbzeit steigern sich die Espen auch leistungsmässig und feiern am Ende einen 1:4-Auswärtssieg. Hier die Spielerbewertung.

Tor:

Dejan Stojanovic: 5,5
Viele gefährliche Abschlüsse auf sein Tor bringen die Berner Oberländer nicht zustande – der Espen-Torwart ist demzufolge eher als Libero gefordert, und klärt in dieser Rolle einige gefährliche Pässe der Thuner souverän.

Verteidigung:

Miro Muheim: 6
Viel besser kann ein Aussenverteidiger kaum spielen: Nach dem Assist zur frühen Führung von Babic schaltet sich der ehemalige Chelsea-Junior immer wieder ins Offensivspiel ein, ohne seine defensiven Pflichten zu vernachlässigen. In zwei Situation verpasst er nur um Haaresbreite sein erstes Saisontor.

Leonidas Stergiou: 5,5
In der ersten Halbzeit brennt es des öfteren in der St. Galler Spielfeldhälfte, da die Espen im Aufbau viele Bälle verlieren. Dass die Thuner trotzdem kaum in den St. Galler Strafraum vordringen können, liegt zu einem Grossteil an den hervorragenden Innenverteidigern, die eigentlich jeden Zweikampf gewinnen.

Yannis Letard: 5,5
Was für Stergiou gilt, gilt ohne Abstriche auch für Yannis Letard. Insbesondere, wie er dem physisch stärkeren Simone Rapp immer wieder den Ball abluchst, verdient ein Sonderlob.

Silvan Hefti: 5,0 
Der St.Galler Captain rundet die starke Defensivleistung der Espen ab. Er schaltet sich weniger stark in die Angriffsbemühungen ein als Muheim auf der Gegenseite, hat beim 3:0 durch Itten aber trotzdem noch einen Scorerpunkt.

Mittelfeld:

Victor Ruiz: 5,0
Bei der frühen St.Galler Führung in der 3. Minute taucht er zwar nicht auf dem Scorerblatt auf, es gehört ihm aber mindestens die Hälfte des Tores: Mit seinem magistralen Pass spielt er Muheim derart schön frei, dass der Rest nur noch Formsache ist. Danach taucht er kurz ab, um gegen Ende des Spiels wieder aufzudrehen.

Jordi Quintillà: 4,0
Einen eher geruhsamen Abend verbringt der St. Galler Mittelfeldstratege und fällt eigentlich nur auf, als er eine gelbe Karte fürs Reklamieren sieht. Er wird von den Thunern stets hart und oft doppelt angegangen und hat dadurch wenig Raum zur Entfaltung.

Betim Fazliji: 4,0
Auch das Rheintaler Talent zeigt in der ersten Halbzeit keine gute Leistung, ehe er sich steigern und noch einige schöne Spielauslösungen zeigen kann. Kann die Physis des gesperrten und schmerzlich vermissten Lukas Görtler trotz guter Ansätze nicht ganz ersetzen.

Sturm:

Cédric Itten: 5,0
Lange unglücklich, zeigt der Schweizer Nationalspieler erst beim wuchtigen Kopfball zum 0:3 seine ganze Klasse. Es ist dies erst seine zweite gute Aktion, bei der ersten kurz zuvor verpasst er einen Treffer knapp.

Boris Babic: 5,5
Muss bei seinem ersten Doppelback in der Super League nur noch den Fuss bzw. den Kopf hinhalten – was aber auch ein Indiz dafür ist, dass er oft am richtigen Ort steht. Könnte in der zweiten Halbzeit noch den Hattrick perfekt machen, agiert aber in dieser Situation zu wenig eigensinnig.

Ermedin Demirovic: 4,5
Zeigt für seine Verhältnisse keine gute Partie, dass er sich trotzdem einen Assist erarbeitet, spricht aber für seine grosse Klasse. Die Flanke auf Babic ist perfekt getimt, ansonsten bleibt er über weite Strecken blass.

FM1Today-Teamschnitt: 5,0.

Fazit: Trotz einer anfangs spielerisch schlechten Leistung bezwingt der FCSG einen aufsässigen FC Thun problemlos und am Ende und auch in der Höhe verdient mit dem Standardresultat von 1:4 – und dass man bei drei Toren Unterschied inzwischen von einem Standardresultat sprechen kann, zeigt eindrücklich, die vor der Saison kaum für möglich gehaltene Entwicklung dieser Mannschaft. Durch den Sieg hat das Team von Peter Zeidler auch weiterhin die Chance auf den inoffiziellen Titel des Wintermeisters, ein Sieg im letzten Heimspiel gegen den FC Zürich ist dazu allerdings Pflicht. Der Tabellennachbar war, obwohl nach 17 Spielen um acht Punkte und gleich dreissig Tore schlechter klassiert, in der Hinrunde die einzige (!) Mannschaft, welche die Espen (beim 2:1-Heimsieg im Letzigrund) in einem Spiel wirklich dominieren konnte – für Spannung ist also zum Vorrundenschluss gesorgt. 

Johannes Graf
Quelle: FM1Today
veröffentlicht: 9. Dezember 2019 05:48
aktualisiert: 9. Dezember 2019 05:48