«Kapitän Hüppi steuert den FC St.Gallen wieder zum Erfolg»

René Rödiger, 14. Dezember 2017, 05:38 Uhr
Michael Hüppi war im Streit aus dem Verwaltungsrat des FC St.Gallen geschieden. Jetzt übernimmt sein Bruder Matthias das Präsidium. «Unter der alten Garde wäre das FCSG-Schiff an die Wand gefahren worden», sagt er. Und lässt offen, ob er nach seinem Abgang im Hintergrund an der Installation der neuen Clubführung beteiligt war.

Alexandra Pavlovic/St.Galler Tagblatt

Am Dienstagabend hat der FC St.Gallen den Journalisten und bekannten SRF-Mann Matthias Hüppi als neuen Präsidenten vorgestellt. Der Club hat damit nicht nur die Sportwelt verblüfft, sondern auch eine ganze Region überrascht. Sie seien zwar Brüder und ein Herz und eine Seele, sagt dessen Bruder Michael Hüppi. Dennoch seien sie vom Charakter her unterschiedlich.

Matthias komme mit einem ganz anderen Hintergrund als er zum FC St.Gallen. «Er wird den Fokus vermehrt auf die Kommunikation legen und besonders auch den Kontakt zur Fankurve und den Menschen im Stadion pflegen.» Mit seiner aufgeschlossenen Art werde er es zudem schaffen, in der Ostschweiz wieder eine Euphorie für den Club zu entfachen.

Der eine Hüppi ist weg, der andere da - kritische Stimmen könnten versucht sein, von einem Hüppi-Clan zu sprechen. Michael Hüppi nimmt das ganz gelassen und sagt: «Es wird gut kommen mit Matthias. Und es gibt keine Gruppierungen im FC St.Gallen, künftig ziehen alle an einem Strang.»

Altlasten beseitigen

Doch wohin steuert das FCSG-Schiff mit dem neuen Hüppi? «Der Kurs ist klar: Kapitän Hüppi wird den FC St.Gallen in sportlicher Hinsicht wieder zum Erfolg manövrieren», sagt Michael Hüppi überzeugt. Das Ziel sei es schliesslich, wieder in der oberen Tabellenhälfte mitzumischen. «Irgendwo in den Rängen 1 bis 5 – da gehört der Club nämlich hin.» Intern werde der neue FCSG-Präsident versuchen, sämtliche Altlasten zu beseitigen. Gerade diese dürften für Matthias Hüppi wohl die grösste Herausforderung werden, führten sie doch zum Bruch im Verwaltungsrat.

Eine zentrale Figur im Knatsch beim FC St.Gallen war Rechtsanwalt Michael Hüppi selbst. Im September zog der 60-Jährig die Reissleine nachdem er sich mit einigen Personen im Club überworfen hatte und gab seinen Rücktritt aus dem Verwaltungsrat des FC St.Gallen bekannt. Grund waren die Vorkommnisse im Club, denen er nicht mehr tatenlos zusehen konnte und wollte. Über die jetzige Entwicklung ist er denn auch mehr als glücklich. «Unter der alten Garde wäre das FCSG-Schiff an die Wand gefahren worden», sagt er. Ob Hüppi nach seinem Abgang im Hintergrund an der Installation der neuen Clubführung beteiligt war, lässt er offen.

«St.Gallen braucht vor allem frische Ideen»

Ein neuer Präsident samt neuem Verwaltungsrat (VR) hat beim FC St.Gallen nun das Sagen. Damit könnte die Rückkehr Michael Hüppis in den VR wieder ein Thema werden? Im Leben dürfe man zwar niemals nie sagen, dennoch schliesse er diese aus, sagt er. «Nach über 20 Jahren Tätigkeit habe ich beim FC St.Gallen genug gesehen und erlebt.» Es sei nun richtig, dass neue Köpfe das Ruder übernommen hätten. «St.Gallen braucht jetzt vor allem frische Ideen.» Er werde daher nicht mehr aktiv ins Geschehen beim FCSG eingreifen, sondern sich vorwiegend im Hintergrund halten.

Sollte sein Bruder Matthias aber auf ihn zukommen, werde er ihn beraten. «Wenn ich ihm etwas von meiner Erfahrung mitgeben und so auch dem FCSG helfen kann, mache ich das noch so gerne.» Nur an ihn halten, könne sich sein Bruder aber nicht. «Ich habe ihm bereits im Vorfeld gesagt, wenn er das Angebot des FC St.Gallen annehme, dann nur unter einer Voraussetzung: Er braucht ein intaktes Team. Ohne geht es nicht.»

Dieser Artikel erschien am 13. Dezember auf Tagblatt.ch.

René Rödiger
veröffentlicht: 14. Dezember 2017 05:38
aktualisiert: 14. Dezember 2017 05:38