FC St.Gallen

Lieber Jordi, dein Abschied tut weh

René Rödiger, 19. März 2021, 21:14 Uhr
Jordi Quintillà kehrt dem FC St.Gallen den Rücken.
© Michel Canonica/St.Galler Tagblatt
Der Captain verlässt den FC St.Gallen. So viel ist sicher. Doch ausgerechnet zum FC Basel soll Jordi Quintillà gehen. Die Fan-Seele ist gekränkt. Doch der Entscheid des Spaniers ist nachvollziehbar. Ein persönlicher Abschiedsbrief.

Lieber Jordi, es ist Zeit, Abschied zu nehmen. Drei Jahre lang hast du uns die Treue gehalten. Obwohl: Treue ist im Fussballgeschäft ein komisches Wort. Richtig wäre wohl: Drei Jahre hattest du in der Ostschweiz einen Vertrag. Dieser Vertrag läuft im Sommer aus, eine Verlängerung hast du ausgeschlagen.

Das ist dein gutes Recht.

Aber es tut weh. Gleich doppelt. Der Verlust eines sympathischen Spielers, der viel für die Espen geleistet hat, ist die eine Seite. Die verkraftbare Seite, denn sie ist unvermeidbar. Kein Spieler bleibt ewig. Doch dann ist da noch die andere Seite, die wirklich schmerzhafte: Du gehst (voraussichtlich) zum FC Basel.

Ausgerechnet Basel. Ein Konkurrent, der nicht nur bei den FCSG-Fans wenig Sympathien besitzt. Ich hätte dir einen Wechsel ins Ausland gewünscht, in eine grössere Liga.

Trotzdem verstehe ich dich auch. Vielleicht gab es ja kein attraktives Angebot aus einer anderen Liga. Mit 27 Jahren ist ein solcher Transfer für die meisten Clubs nicht mehr wirklich attraktiv. Und für dich wohl auch nicht, zu gross ist die Gefahr, dass dir dort ein jüngerer Spieler den Platz streitig macht.

Lieber Jordi, beim FC Basel darfst du dir grosse Chancen ausrechnen, weiterhin regelmässig zu spielen. Und ganz ehrlich: Du hast dort wohl auch bessere Chancen als in St.Gallen, dich in einem europäischen Wettbewerb zu zeigen.

Und dann ist da natürlich noch der Lohn. Drei Mal höher soll er beim FC Basel sein. Das ist viel Geld. Der FC St.Gallen kann und will bei solchen Summen nicht mithalten. Als Fussballer hat man nur wenige Jahre, in denen man wirklich etwas verdienen kann. Wenn dein kolportierter Vertrag beim FC Basel nach drei Jahren ausläuft, werden wohl kaum mehr solche Angebote kommen.

Ganz ehrlich: Würde mir jemand bei der Konkurrenz für den gleichen Job drei Mal mehr Lohn versprechen, würde ich mir einen Wechsel auch ernsthaft überlegen.

Lieber Jordi, du hast uns in St.Gallen viele schöne Emotionen beschert. Mit und dank dir haben wir den Titel nur knapp verpasst. Deine Freistösse haben die ganze Liga verzaubert – das wird wohl auch die Konkurrenz anerkennen müssen. Du hast deine Mitspieler immer wieder wunderbar in Szene gesetzt, du hast immer so sympathische Interviews gegeben, warst stets bescheiden und hast dich doch immer kämpferisch gezeigt. Solche Eigenschaften lieben wir in der Ostschweiz.

Jetzt ist es soweit. Die Zeit des Abschieds.

Lieber Jordi, ich wünsche dir viel Glück in Basel. Geniesse die schöne Stadt, hab Freude beim Fussball spielen. Und wir werden uns wieder sehen. Wenn der FC St.Gallen jeweils gegen den FC Basel spielt. Dann werden ich dich nicht mehr anfeuern. Und hoffen, dass deine Freistösse nicht das Ziel finden. Aber böse bin ich dir nicht. Nur enttäuscht.

Quelle: FM1Today
veröffentlicht: 18. März 2021 18:02
aktualisiert: 19. März 2021 21:14