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Darum geht es im Oscar-Gewinner «Moonlight»

Lara Abderhalden, 8. März 2017, 08:04 Uhr
Es war die Panne des Abends: Bei der Oscar-Verleihung wurde fälschlicherweise zuerst «La La Land» als bester Film verkündet, aber der Gewinner ist ein ganz anderer. Der Film «Moonlight» bekommt den Oscar als «Best Picture» und diesen hat er auch mehr als verdient. Ein Film über Männlichkeit und Homosexualität mit ausschliesslich afroamerikanischer Besetzung.

Der Film dreht sich um einen schwarzen Jungen, der in Liberty City, Miami, aufwächst. Er ist in drei Abschnitte aufgeteilt und erzählt die Geschichte des Jungen als Zehnjähriger, in seiner Jugend und schliesslich aus einer Zeit als junger Mann. In allen drei Abschnitten bestimmen Drogen den Alltag. Seine Mutter ist crackabhängig.

Regisseur des Filmes ist Berry Jenkins, der selbst in Liberty City geboren wurde. «Der Junge in ‹Moonlight›, das bin ich», sagt er in einem Interview mit der deutschen Zeitung «Die Zeit». Auch sein Leben war erfüllt von Drogen, Kriminalität und Alkohol. Auch in seinem Umfeld brachten die Drogen Familien auseinander. In Armut wuchs auch Jenkins auf: «Manchmal hatten wir kein heisses Wasser, manchmal ging das Telefon nicht.»

Film in drei Abschnitten

Obwohl der Film biografische Züge hat, ist er keine Dokumentation. Ganz bewusst hat sich Jenkins gegen den dokumentarischen Stil entschieden. Trotzdem beginnt man mit der Zeit, mit dem Protagonisten zu fühlen. In vielen Szenen blickt der schwarze Junge direkt in die Kamera. Man ist nicht mehr länger ein neutraler Beobachter, sondern ein Beteiligter. Diese Struktur des Films schafft eine gewisse Authentizität.

In den drei Lebensabschnitten trägt der Junge einen unterschiedlichen Namen. Als Junge wird er «Little» genannt. Er wird wegen seiner Zartheit gehänselt, hat nur einen Freund, Kevin. Dieser Junge wird gleichzeitig «Littles» erste Liebe. Der Junge ist schwul. Später wird er von Kevin bitter verraten. Ein Drogendealer spielt im Leben des Jungen eine grosse Rolle. Er übernimmt eine Art Vaterrolle. Lehrt ihn das Leben. Er ist gleichzeitig der Drogendealer von «Littles» Mutter. Mit dieser Rolle wollte Jenkins ein anderes Bild eines Drogendealers vermitteln: «Man hat einen schwarzen Drogendealer so noch nie gesehen.»

«Homosexualität bedeutete für einen Schwarzen den Tod»

In seiner Jugendzeit trägt der Junge seinen richtigen Namen «Chiron» und als Erwachsener nennt er sich selbst «Black». «Black» ist ein Ebenbild des Drogendealers, der ihn als Jungen alles gelehrt hat. Auch er trägt goldene Zähne und Gewalt und Drogen gehören zum Alltag. Es kommt zu einem Wiedersehen mit seiner ersten Liebe, Kevin.

Es ist nicht unbedingt die Geschichte, die Story, die den Oscar verdient hat. Viel mehr ist es die Auseinandersetzung mit den Themen Drogen und Homosexualität. Erstaunlich ist zugleich die ausschliesslich afroamerikanische Besetzung. Es ist eine Art schwarzer «Brokeback Mountain». Der Film thematisierte vor zwölf Jahren weisse Männlichkeit und Homosexualität. «Moonlight» erinnert ein bisschen an diese Verwundbarkeit in der Figur des Mannes. «Es gab eine Zeit, in der Verwundbarkeit zu zeigen für Schwarze buchstäblich den Tod bedeutete», sagt Jenkins.

Ein Film, der schwarze, männliche Drogendealer einmal anders zeigt. Der Verwundbarkeit zulässt und viel Liebe in einer «abgefuckten» Welt zeigt. Ein Film, der den Oscar mehr als verdient hat und ein schönes Kapitel amerikanischer Filmgeschichte geschrieben hat.

Lara Abderhalden
Quelle: abl
veröffentlicht: 27. Februar 2017 12:35
aktualisiert: 8. März 2017 08:04