St.Gallen

«Müssen damit rechnen, dass Leute in anderen Kantonen Ski fahren»

Dario Brazerol, 19. Dezember 2020, 17:15 Uhr
Die St.Galler Regierungsräte Stefan Kölliker und Bruno Damann bei der Medienkonferenz vom 19. Dezember.
© Tagblatt
St.Galler Skilifte sind ab dem 22. Dezember geschlossen, Schülerinnen und Schüler der Sekundarstufe II müssen für zwei Wochen nach Weihnachten in den Fernunterricht. Die Regierungsräte Bruno Damann und Stefan Kölliker erklären den St.Galler Weg aus der Corona-Krise.

Über die Weihnachtsferien stehen die Skilifte im Kanton St.Gallen still. Der Reproduktions-Wert hatte sich nicht so entwickelt, dass die Regierung den Skigebieten eine Bewilligung hätte ausstellen können. «Der R-Wert müsste während circa sieben Tagen unter 1 sein, damit die Skigebiete wieder öffnen können», erklärt der St.Galler Regierungspräsident Bruno Damann an der Medienkonferenz vom Samstagnachmittag. «Es braucht diesbezüglich eine gewisse Stabilität. Viel wichtiger ist aber, dass wir die Intensivstationen entlasten können. Aktuell werden 28 Personen in den St.Galler Spitälern beatmet. Dort müssten wir auf 22 Personen runter.»

«Appellieren an die Vernunft der Bevölkerung»

Damit die Spitäler auch in anderen Kantonen nicht zusätzlich durch Skiunfälle belastet werden, bittet Damann die St.Gallerinenen und St.Galler, komplett auf das Skifahren zu verzichten. Offene Skipisten gäbe es aktuell noch im St.Galler Nachbarkanton Graubünden. Dort sieht man momentan keine Schliessung vor. Ob die Bitte an die Bevölkerung reichen wird, wagt aber auch Damann zu bezweifeln: «Wir appellieren an die Vernunft der Bevölkerung. Wir müssen aber damit rechnen, dass die Leute in andere Kantone reisen werden. Das lässt sich nicht verhindern, sonst hätten wir eine Ausgangssperre ausrufen müssen.»

Dass die Wintersportler nun auf umliegende Kantone ausweichen, befürchten auch die Pizolbahnen (FM1Today berichtete). Ausserdem würden die Menschen unabhängig von geschlossenen oder offenen Bergbahnen nach aussen drängen, sagt Klaus Nussbaumer, CEO der Pizolbahnen AG. «Der Unterschied ist, ob dies in einem kontrollierten oder unkontrollierten Rahmen passiert.» Bruno Damann hofft deswegen auf schönes Wetter während der Festtage: «Wenn die Temperaturen frühlingshaft sind, kann man auch im Flachland spazieren gehen. Somit würden weniger Leute in die Berge reisen.»

Neben freundlichen Temperaturen erhofft sich Damann für die Festtage, dass sich die Corona-Fallzahlen im Kanton St.Gallen stabilisieren. Dass diese sinken, sei erst im neuen Jahr zu erwarten. «Die Gefahr ist, dass die Leute im familiären Umkreis zusammenkommen und sich anstecken.»

«Risiko wäre gross, dass das Virus in die Schulen getragen wird»

Diese Befürchtung teilt auch der Vorsteher des St.Galler Bildungsdepartements Stefan Kölliker. Aufgrunddessen werden Schülerinnen und Schüler der Sekundarstufe II (Mittel- und Berufsfachschulen) nach Weihnachten zwei Wochen von zu Hause aus unterrichtet. «Das Risiko wäre gross, dass die Schülerinnen und Schüler das Virus in die Schulen tragen. Somit könnten die Schulen zum Erliegen kommen», sagt Kölliker.

Nach den zwei Wochen Fernunterricht soll aber zum Präsenzunterricht zurückgekehrt werden. Dies, weil die Erfahrungen aus dem Frühling gezeigt hätten, dass der Fernunterricht gewisse Nachteile mit sich bringe. «Wir haben die Situation analysiert und die Erkenntnis gewonnen, dass der Fernunterricht positive Aspekte hat – aber nicht auf lange Zeit. Der Kontakt zu den Lehrpersonen aber auch von den Schülerinnen und Schülern untereinander fehlt. Wir haben ausserdem festgestellt, dass schlechtere Schülerinnen und Schüler in der Schule eher abgehängt werden.»

«Ziehen den St.Galler Weg weiter»

Vorerst sind an den Schulen keine weiteren Massnahmen vorgesehen, sagt Kölliker. Die Weihnachtsferien zu verlängern oder die Sekundarstufe II auch nach den zwei Wochen weiterhin von zu Hause aus zu unterrichten, sei aktuell kein Thema: «Einige denken jetzt schon wir übertreiben mit den Massnahmen, andere denken, wir gehen zu wenig weit. Es braucht nicht immer Extrem-Varianten. Es braucht punktuell die richtigen Massnahmen. Diesen St.Galler Weg ziehen wir weiter.»

Die Medienkonferenz vom Samstag zum Nachlesen im Ticker

Quelle: FM1Today
veröffentlicht: 19. Dezember 2020 17:08
aktualisiert: 19. Dezember 2020 17:15