«Im Zug mit»

«Das war der emotionalste Moment der Karriere» – Nöldi Forrer im Gespräch

24. August 2022, 09:28 Uhr
Erst noch auf der Schwägalp gebührend verabschiedet, nimmt Kranzschwinger Nöldi Forrer bereits «Im Zug mit» bei TVO Platz. Er spricht über seinen Rücktritt, Gänsehautmomente und das Schwingen im Wandel der Zeit.

Quelle: TVO

Anzeige

Statt auf dem Weg ans Eidgenössische nach Pratteln, sitzt Nöldi Forrer diese Woche in der Appenzeller Bahn und beantwortet die Fragen von TVO-Moderatorin Claudia Marty. Sein Rücktritt sei einerseits geplant, andererseits auch sehr plötzlich geschehen, sagt der 43-jährige Schwinger aus Stein: «Der Entscheid wurde während eines Telefongesprächs gefällt. Am Samstagmorgen auf der Schwägalp – zack.»

«Dankbar sein und gut ist»

Sein Knie, das ihm schon länger Probleme macht, sei dabei auch ein Denkanstoss gewesen. Forrer habe sich gedacht: «Jetzt habe ich alles erreicht, was ich wollte und bin gesund. Warum noch etwas herausfordern? Einfach dankbar sein und gut ist.» Einen schöneren Abschied als auf der Schwägalp hätte er sich nicht vorstellen können. Es sei der emotionalste Moment seiner Karriere gewesen, so Forrer.

Und das hat seine Gründe: Sein fulminantes «Auf Wiedersehen» steckt Forrer immer noch in den Knochen: «Es war sehr emotional. Diese Standing Ovations – und so lang!» Es habe ihn wirklich gepackt. Damit ist er weit nicht der Einzige. «Ich habe anschliessend mit einigen Leuten geredet und viele davon sagten, sie hätten eine Sonnenbrille gebraucht», sagt er mit einem Augenzwinkern.

Schwingen, bis es «verleidet»

Das Schwingen, in Anbetracht des bevorstehenden Eidgenössischen in Pratteln, reizt Forrer aktuell aber nicht. Er habe immer geschwungen, teils trotz Verletzungen und auch als Freunde von ihm rieten, bald einmal aufzuhören. «Ich hatte nicht das Bedürfnis, aufzuhören. Es hat nie Klick gemacht. Aber dieses Jahr war es soweit.» Er habe immer Schwingen wollen, bis es ihm «verleide». Dieser Punkt sei jetzt gekommen.

Das Schwingen hat sich «extrem verändert»

21 Jahre ist es mittlerweile her, dass Forrer den Titel Schwingerkönig bekam. «Extrem verändert» habe sich der Schwingsport gegenüber früher. «Die Preisgelder sind beispielsweise gestiegen.» Er hat damals 7000 Franken für den Muni bekommen, den er aber nicht mit nach Hause genommen hat. Zu Fuss wäre es ohnehin zu weit gewesen, Forrer wurde nämlich im Welschland zum Schwingerkönig gekürt. Heute sind es über 10'000 Franken.

Der Hype ums Schwingen habe sich ebenfalls massiv verändert: «In den Medien wird heutzutage viel mehr berichtet.» Und: «Als ich Schwingerkönig wurde, hatte praktisch niemand einen Sponsor». Jetzt sitzt Forrer mit vier Logos unterschiedlicher Marken und Firmen im Abteil der Appenzeller Bahnen.

«Schwinger waren zugänglicher»

Früher seien die Schwinger auch noch ein bisschen «einfacher» gewesen. Damit meint Forrer, dass die Athleten zugänglicher gewesen seien als heutzutage. «Ein Grossteil zieht sich heute am Schwingfest zurück und ist unter sich.» In seinen jungen Jahren sei es das pure Gegenteil gewesen: «Wir waren immer unter den Leuten und haben geplaudert.» Ob er diese Entwicklung gut oder schlecht findet, lässt Forrer unbeantwortet.

(saz)

Quelle: TVO
veröffentlicht: 24. August 2022 08:03
aktualisiert: 24. August 2022 09:28