Sido bringt das Tal zum Kochen

Lara Abderhalden, 22. Juli 2017, 09:15 Uhr
Billy Talent widmete sein Konzert am Openair Lumnezia dem verstorbenen Linkin-Park-Sänger Chester Bennington, Nemo forderte das Publikum auf, stets an sich selbst zu glauben und Sido, ja Sido kam mit seiner Maske, acht Bodyguards und brachte das Publikum zum Toben wie sonst keiner.

«Ich möchte, dass sich niemand seinen Weg verbaut, nur weil andere sagen, dass aus einem nichts wird», sagte Nemo im Interview mit FM1Today. Er war einer der Ersten, der am Freitag auf der Bühne war. Einmal mehr überzeugte er mit seiner Natürlichkeit, mit seinem Lächeln und seiner unglaublichen Bühnenpräsenz trotz seiner zarten 17 Jahre.

Nebst Hits wie «Ke Bock» und «Himalaya» rappte er zu Ed Sheerans «Shape of you» (Ja, das hat gestern schon Dabu Fantastic gemacht), und gab Mani Matters «Zündhölzli» zum Besten. Das Publikum strahlte mit Nemo und klatsche so fest, dass Nemo am Ende fragte: «Darf ich noch einen spielen?»

Nach Nemo heizte Klischée mächtig ein. Dies mit einer Mischung aus Elektro, Pop und allen möglichen Musikrichtungen. «Ihr seid die Geilsten», schrie der begeisterte Leadsänger William Bejedi am Ende in sein Mikrofon.

Verträumte Milky Chance

Ein bisschen weniger enthusiastisch, dafür umso verträumter, waren Milky Chance. Neu zu viert auf der Bühne, spielten sie eine Mischung aus alten und neuen Hits. Obwohl die Herren sonst hauptsächlich auf internationalen Bühnen in New York, Paris oder Madrid auftreten, gefällt es ihnen im beschaulichen Degen. Clemens Rehbein lässt sich gar zu einem breiten Lächeln verleiten. Kein Wunder, bei ihrem Hit «Stolen Dance» gibt es keinen einzigen Regenmantel der ruhig steht.

«Redet miteinander!»

Eines der Highlight des Openairs war aber der Auftritt von Billy Talent. Nicht nur, weil der Leadsänger Benjamin Kowalewicz von der ersten Sekunde an präsent war und auf der Bühne umher hopste wie ein Duracell-Häschen, sondern auch, weil er Herz zeigte, indem er gleich zu Beginn seinem verstorbenen Freund Chester Bennington gedachte: «Es ist schockierend und dramatisch, dass sich Chester das Leben genommen hat. Doch so tragisch und traurig das auch ist, Suizid ist keine Option. Redet miteinander. Holt euch Hilfe. Es gibt immer Menschen, die für euch da sind. Wir lieben euch.»

Kaum hatte er zu Ende gesprochen, jubelte und klatschte das Publikum. Es hatte verstanden. «Wir widmen den nächsten und alle weiteren Songs Chester Bennington.» Und wie Billy Talent das tat. Benjamin Kowalewicz gab alles. Er schrie sich den Frust von der Seele. Als wolle er gleichzeitig seinen Kummer loswerden und alle Besucher wachrütteln.

Sido brachte das Publikum zum Kochen

Wach, das war auch Sido schon lange. Den ganzen Nachmittag war er mit seinen rund acht Bodyguards im Backstagebereich und lagerte die Füsse hoch. Interviews gab er keine. Einzig für ein Stück Pizza bewegte er sich inklusive seiner Bodyguards von seinem Sofa in Richtung Pizzastand. Dies aber wohl auch nur, um ein paar «Wows» und «Ohs» des Publikums einzufangen. Aber was man Sido lassen muss: Er ist ein unglaublicher Stimmungsmacher. Er stand noch nicht einmal auf der Bühne, als das Publikum schon wie wild tobte.

Kaum war seine silberne Maske im Scheinwerferlicht zu sehen, flippten die Zuschauern vollkommen aus. In den ersten Reihen wurde gedrückt, geschrien und einige Besucher glaubten kaum, dass Sido tatsächlich vor ihnen auf der Bühne stand. Genauso eindrücklich wie sein erster Eindruck war dann auch die ganze Show. Das Publikum liebte Sido und Sido liebte das Publikum. Kaum ein anderer Artist brachte die Leute derart zum Mitsingen wie der deutsche Rapper. Jeder kannte die Zeilen von «Astronaut», «Schlechtes Vorbild» oder «Bilder im Kopf.» Am Ende wollte ihn das Publikum gar nicht mehr gehen lassen. Ja, Sido, du darfst dir acht Bodyguards leisten, du hast es einfach faustdick hinter den Ohren und weisst, wie man Stimmung macht. Und wie du «Zwiblä, Rösti und Grüezi» sagst ist einfach süss.

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Wer es bis zum letzten Konzert am Freitag schaffte, der wurde mit einem Konzert vom DJ Alle Farben belohnt. Auch wenn nicht mehr jeder geradeaus gehen konnte, zum Tanzen reichte es allemal.

Lara Abderhalden
Quelle: abl
veröffentlicht: 22. Juli 2017 07:25
aktualisiert: 22. Juli 2017 09:15