Petition soll Projekt-Werkstatt retten

Fabienne Engbers, 15. August 2017, 06:37 Uhr
Der Kanton hat die Projekt-Werkstatt in St.Gallen abgeschrieben. Nicht so aber die St.Galler Bevölkerung. Mit einer Petition wollen die St.Galler ihre Velo-Werkstatt vor der Schliessung bewahren. Eine neue Trägerschaft wäre die sicherste Lösung.

«Wir wollen, dass die Projekt-Werkstatt der Stadt St.Gallen irgendwie erhalten bleibt», sagt Andri Bösch. Der Präsident der Juso St.Gallen hat die Initiative zusammen mit Partei-Kollegin Lena Werz und Darius Eigenmann von der Unia Jugend ins Leben gerufen. Ziel der Petition sei es, zu zeigen, dass die Projekt-Werkstatt der Bevölkerung ein grosses Anliegen sei.

«Sparpolitik wird von der Bevölkerung nicht toleriert»

Nebst der Juso unterstützen auch diverse andere Parteien von der SP bis zu den Grünliberalen die Petition. «Dem Kantonsrat und dem Volkswirtschaftsdepartement soll gezeigt werden, dass eine solche Sparpolitik von der Bevölkerung nicht toleriert wird», sagt Bösch.

Der Entscheid wurde gefällt, ein Rekurs der Projekt-Werkstatt wurde abgelehnt. «Auf Kantonsebene wird es schwierig, noch etwas zu ändern», bedauert Andri Bösch. Der Kanton St.Gallen hat sich gegen den Erhalt der Projekt-Werkstatt entschieden. Das Geld, das der Kanton für die Förderung eines sozialen Projektes zur Verfügung hat, wird ein anderes, bislang noch wenig bekanntes Projekt erhalten.

«Langfristig werden Kosten gespart»

Die Petition soll dem Kanton auch eine Richtung für die Zukunft aufzeigen. «Falls der Entscheid nicht rückgängig gemacht werden kann, wollen wir einfach aufzeigen, dass die Bevölkerung so etwas nicht sehen will», sagt Bösch. Er könne nicht verstehen, warum man das erfolgreichste Reintegrationsprojekt des Kantons nicht weiter unterstützt. «Langfristig gesehen werden durch eine erfolgreiche Integration extrem viele Kosten eingespart.»

Andere Institution könnte einspringen

Andri Bösch hofft, dass möglicherweise jemand anderes die Projekt-Werkstatt nun unterstützt. «Vielleicht springt die Stadt St.Gallen ein, um die Velowerkstatt zu erhalten.» Der Bevölkerung sei es ein Anliegen, dass die Werkstatt erhalten bleibe. «Das sieht man auch an den vielen Reaktionen, die der Entscheid des Kantons ausgelöst hat.»

Die Initianten der Petition sind mit der Projekt-Werkstatt in Kontakt. «Wir haben uns ihr Einverständnis eingeholt und werden auch künftig in Kontakt bleiben», sagt Andri Bösch.

Alle vier Jahre schreibt der Kanton St.Gallen finanzielle Unterstützung für ein Integrationsprojekt aus. Die letzten Male hat die Projekt-Werkstatt den Zuschlag bekommen, im Juli wurde bekannt, dass dieses Jahr ein anderes Unternehmen gewonnen hat. Die Projekt-Werkstatt wurde im Jahr 1994 vom Automechaniker und Sozialarbeiter Andreas Frank gegründet. Die Institution bietet diverse Einsatzprogramme für das Regionale Arbeitsvermittlungszentrum (RAV), der Schweizer Unfallversicherung (SUVA) und der Invalidenversicherung (IV) an. Bis zu 35 Leute finden in der Werkstatt Arbeit und werden beim Wiedereinstieg ins Berufsleben oder bei Umschulungen begleitet.

Eine Einsprache der Projekt-Werkstatt wurde vom Kanton St.Gallen abgelehnt, es gibt keine Begründung für eine aufschiebende Wirkung des Entscheids. Die Projekt-Werkstatt bangt um ihre Existenz, sagte Leiter Hansueli Salzmann vor einigen Tagen im Interview mit FM1Today.

Fabienne Engbers
Quelle: enf
veröffentlicht: 15. August 2017 06:37
aktualisiert: 15. August 2017 06:37