Früher als sonst

Autoposer lärmen erneut an den Seepromenaden – jetzt handelt Romanshorn

Vanessa Kobelt, 25. Februar 2021, 07:21 Uhr
Die Bahnhofstrasse in Romanshorn ist beliebt bei Rasern. (Archiv)
© Thurgauer Zeitung/Reto Martin
Kaum ist der Frühling da, stellen Autoposer ihre Fahrzeuge rund um den See zur Schau. In Romanshorn und Rorschach war die Situation in den letzten Tagen «unzumutbar». Romanshorn ergreift jetzt neue Massnahmen.

Wir dürfen uns dieses Jahr ungewohnt früh über milde Temperaturen und Sonne freuen. Ein Zustand, der fast nur schöne Gefühle auslöst. Fast. Für all jene Menschen, die in der Nähe des Bodensees wohnen, bedeutet er häufig auch Lärm. Aufheulende Motoren und laute Musik aus Autoboxen stören die Idylle. «Heuer geht es früher los, seit diesem Wochenende rauben uns Autoposer wieder den letzten Nerv», sagt der Romanshorner Stadtrat Dominik Reis. «Bei dem schönen Wetter sind viele Familien mit Kindern unterwegs und die Situation ist wieder absolut unzumutbar.»

Raser veranstalten Rennen in der Nacht

Am schlimmsten seien die Poser, die zusätzlich durch Rasen die Sicherheit der Passanten gefährden. Die Stadt Romanshorn hat bereits Ende 2020 die Verkehrsführung an der Bahnhofstrasse geändert. Sie wollte mit Eingangstoren und baulichen und gestalterischen Massnahmen den Verkehr verlangsamen und die Verkehrssicherheit erhöhen. «Leider fanden die Raser einen Weg, die Massnahmen zu umgehen und haben nachts sogar Rennen veranstaltet. Vermutlich sahen sie es als spannende Herausforderung, die angebrachten Pfosten nicht zu berühren», sagt Reis, der in Romanshorn für das Ressort Verkehr verantwortlich ist. Dies sei jetzt nicht mehr möglich. Am Mittwoch habe er mit der Bauverwaltung neue Anpassungen gemacht.

«Habe schon Hörproben bekommen»

Mit den Pfosten an den richtigen Stellen wolle man erreichen, dass auf der breiten Strasse jeweils nur ein Auto in eine Richtung fahren kann. «Die wollen ja schliesslich keine Beulen an ihren Fahrzeugen, deswegen sollte das jetzt funktionieren», sagt Reis. «Ich werde die Situation am Wochenende selber beobachten.»

Weiter prüfe man ein nächtliches Einfahrverbot. «Ich habe in der Nacht schon Hörproben von Anwohner zugeschickt bekommen. Was diese Leute lärmmässig ertragen müssen, ist einfach nur Wahnsinn und muss sich dringend ändern.» Dominik Reis würde sich auch mehr Polizeikontrollen wünschen, so wie es an anderen Orten bereits gängig ist. «In den Nachbarkantonen werden die Autoposer bereits geplagt, deshalb kommen sie vermutlich alle in den Thurgau.»

«Haben ein Augenmerk auf den Verkehr»

Dies sieht die Kantonspolizei Thurgau anders, auch ihr ist nicht entgangen, dass die Autoposer aus dem «Winterschlaf» erwacht sind. «Wir haben bereits reagiert und Kontrollen durchgeführt und Lenker aufgrund ihrer Fahrweise zur Anzeige gebracht, zum Beispiel in Kreuzlingen», heisst es auf Anfrage. «Wir werden weiterhin im Rahmen der vorhandenen Ressourcen im ganzen Kantonsgebiet ein Augenmerk auf den Strassenverkehr richten und fehlbare Lenkerinnen und Lenker konsequent zur Anzeige bringen.»

Rorschach wurde am Wochenende überrollt

Ob die erhöhte Polizeipräsenz die Lösung ist, bleibt offen. In Rorschach macht die Polizei laut Stadtpräsident Robert Raths einen sehr guten Job, trotzdem besteht das Problem weiter. «Wir sind letzten Sonntag wieder komplett von den Autoposern überrollt worden», sagt Raths. «Es sind bereits erste Beschwerden per Mail eingegangen.»

Die Politik muss handeln

Robert Raths hofft wie Dominik Reis, dass das Problem auf Bundesebene mehr Gehör bekommt. Es brauche endlich eine gesetzliche Grundlage. «Die Leute fragen mich, was die Stadt dagegen unternimmt, doch wir haben keine Handhabe. Die Politik ist gefragt, Polizeikontrollen alleine genügen nicht.» Raths ist sich sicher, dass die Autoposer nicht plötzlich von alleine verschwinden. Im schlimmsten Fall würden sie sich weiter vermehren und so die Frühlings-Euphorie bei vielen Menschen dämpfen.

Quelle: FM1Today
veröffentlicht: 25. Februar 2021 07:21
aktualisiert: 25. Februar 2021 07:21