St.Gallen

«Das Feldli-Schulhaus ist weit fortgeschritten»

Krisztina Scherrer, 24. Januar 2020, 13:40 Uhr
Die Schüler des Primarschulhauses Feldli können während der Lernzeit selber entscheiden an was sie arbeiten.
© Tagblatt/Lisa Jenny
Die St.Galler Primarschule Feldli-Schoren hat die Hausaufgaben versuchsweise abgeschafft. «Es geht hier nicht nur um die Hausaufgaben, sondern um eine gesamthafte Neugestaltung des Unterrichts», sagt Florian Sauer, Abteilungsleiter der Schulen Stadt St.Gallen.

Das Primarschulhaus Feldli-Schoren hat letzten Sommer versuchsweise die Hausaufgaben abgeschafft und durch die Lernzeit ersetzt. Aufgrund der positiven Rückmeldungen wird das Projekt nun um ein halbes Jahr verlängert. Die Lernzeit wird viermal in der Woche 15 bis 30 Minuten lang in der Schule durchgeführt. Die Lehrer stellen den Kindern Aufgaben aktueller Themen zusammen und übernehmen eine Coachingfunktion. Die Schüler entscheiden dann selbst, woran sie arbeiten möchten. Damit will die Schule unter anderem die Chancengleichheit für die Schülerinnen und Schüler erhöhen (FM1Today berichtete).

«Kinder übernehmen mehr Eigenverantwortung»

«Der Grund für dieses Experiment war nicht einfach, die Hausaufgaben abzuschaffen. Das Ganze hat sich aufgrund eines Unterrichtsentwicklungsprojekts ergeben», sagt Florian Sauer, Abteilungsleiter der Schulen Stadt St.Gallen, gegenüber FM1Today. Ein Unterrichtentwicklungsprojekt, das auf die Eigenständigkeit vom Lernen und der Lernprozesse hingehe, «sodass die Kinder mehr Eigenverantwortung übernehmen». Die Lehrerschaft habe sich überlegt, ob es nicht gehe, dass die Schüler sich selber Hausaufgaben geben oder individuellere Hausaufgaben machen, die ihren Fähigkeiten entsprechen. Das ganze Projekt ist innerhalb des letzten Jahres entstanden.

«Es geht nicht nur um die Hausaufgaben»

Das Feldli-Schoren Schulhaus sei das einzige Schulhaus, das schon so weit fortgeschritten ist. «Alle Schulhäuser in der Stadt sind momentan dabei, sich über den Sinn oder Unsinn der Hausaufgaben Gedanken zu machen», so Sauer. Man suche Wege, wie Hausaufgaben lernförderlich eingesetzt werden können. «Es geht aber nicht nur um die Hausaufgaben, sondern um eine gesamthafte Neugestaltung des Unterrichts und um die Eigenverantwortung, Eigenpartizipation und für den Lernprozess selber verantwortlich zu sein.»

Lernzeit ist ein guter Schritt in Richtung Eigenbestimmung

Sauer betont, dass die Diskussion «Hausaufgaben, ja oder nein?» falsch sei. Es gehe um die Frage: Wenn Hausaufgaben, was ist dann sinnvoll? «Hausaufgaben, die die Kinder überfordern und die sie nicht alleine machen können, sind sinnlos und haben negative Auswirkungen auf den Lernprozess.» Die Lernzeit sei ein guter Weg, wenn vielleicht auch nur ein Zwischenschritt, zu eigenbestimmten Hausaufgaben. «Das Kind soll selber merken, an was es Spass hat oder wo es noch Gas geben muss und dann solche Aufgaben mit nach Hause nehmen.» Auf das könne man aufbauen. Das sei eine richtige Haltungsänderung und deshalb auch ein langer Prozess. 

Quelle: FM1Today
veröffentlicht: 24. Januar 2020 15:17
aktualisiert: 24. Januar 2020 13:40