«Der Sitz soll wieder an eine Frau gehen»

Laurien Gschwend, 13. Dezember 2018, 11:45 Uhr
Susanne Vincenz-Stauffacher will für die FDP in den Ständerat.
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Die St.Galler FDP schickt Susanne Vincenz-Stauffacher (51) ins Rennen um den frei werdenden Ständeratssitz von Bundesrätin Karin Keller-Sutter. Die Abtwiler Rechtsanwältin und Kantonsrätin rechnet mit einem harten Wahlkampf.
Susanne Vincenz-Stauffacher, heute früh (Donnerstag) hat Ihre Partei bekanntgegeben, dass Sie für den Ständerat kandidieren. Wann haben Sie den Entschluss gefasst?

Auf Anfrage der Partei habe ich begonnen, mich mit dieser Frage zu beschäftigen. Den Entscheid fällte ich, nachdem Karin Keller-Sutter Bundesrätin wurde. Gestern Abend hat mir die Parteileitung schliesslich ihre volle und einstimmige Unterstützung zugesichert.

Warum haben genau Sie das Zeug dazu, im Ständerat auf Karin Keller-Sutter zu folgen? 

Ich habe zwar ein anderes Profil als Karin Keller-Sutter und doch haben wir Gemeinsamkeiten, mal ausgehend vom Geschlecht. Wir sind beide Frauen – es wäre schön, den Sitz weiterhin mit einer Frau zu platzieren. Ich bringe ein anderes Profil mit, da ich jahrelang in der Privatwirtschaft gearbeitet habe und neben meiner Tätigkeit als Rechtsanwältin noch Ombudsfrau Alter und Behinderung und Präsidentin bei der Stiftung Opferhilfe bin.

Für welche Themen wollen Sie sich im Ständerat stark machen?

Mein Hauptinteresse gilt der Bildungspolitik. Ich bin überzeugt, dass wir in der Bildung den einzigen und sehr wichtigen Rohstoff der Schweiz haben. Ich mache mich aber auch stark für Wirtschaftsthemen – hier sind mir KMUs sehr nah, die ich auch in meinem anwaltlichen Alltag berate. Ein weiterer meiner Schwerpunkte ist die Vereinbarkeit von Beruf und Familie, weil ich ganz klar der Überzeugung bin, dass dies schlussendlich der Wirtschaft hilft. Wenn wir hier weitere Schritte gehen, holen wir das ungenutzte Potenzial von gebildeten Frauen besser ab und können so Frauen im Arbeitsprozess behalten.

Bei den letzten Bundesratswahlen hat die Bevölkerung ein klares Zeichen für weibliche Vertreterinnen in der Politik gesetzt. Kommt dies auch Ihnen zugute?

Das wird sich weisen. Ich bin aber überzeugt: Sowohl in der Wirtschaft als auch in der Politik bringen gemischte Teams Erfolg. Gerade in politischen Gremien geht es darum, die Hälfte der Bevölkerung, welche die Frauen ausmachen – oder sogar noch ein bisschen mehr – angemessen zu vertreten.

Der St.Galler Regierungsrat Beni Würth hat seine Kandidatur bereits angekündigt. Können Sie sich gegen den bekannten CVP-Mann durchsetzen? 
Ich sehe die Chance, sonst würde ich nicht antreten. Ganz klar ist jedoch, dass mir ein harter Wahlkampf bevorsteht. Ich werde mein Profil noch schärfen müssen und auch meine Bekanntheit muss sich in den nächsten Wochen erhöhen. Ich bin bereit dazu.

Interview: Laurien Gschwend 

Laurien Gschwend
veröffentlicht: 13. Dezember 2018 07:57
aktualisiert: 13. Dezember 2018 11:45