St.Gallen

Ersteigerer der Nummer «SG 4» wird betrieben

Tabea Leitner/St.Galler Tagblatt, 5. August 2022, 09:34 Uhr
Im Mai ersteigerte der Nutzer «LIAG20» das Autokennzeichen SG 4 für den stolzen Preis von 179'700 Franken. Damit ist es das zweitteuerste Autokennzeichen der Schweiz. Allerdings ist das Geld bis heute nie beim St.Galler Strassenverkehrsamt eingetroffen – der Ersteiger wird nun betrieben.
Die Autonummer «SG 4» hat noch keinen neuen Besitzer.
© KapoSG

Die Euphorie über die Versteigerung des Kennzeichens «SG 4» zum Rekordpreis hielt nicht lange an, berichtet das «St.Galler Tagblatt». Ende April begann unter Liebhabern tiefer Autonummern der Kampf um das begehrte Nummernschild auf der Auktionsplattform des St.Galler Strassenverkehrsamtes. Nach einer Woche übertrumpfte ein Angebot alle anderen – der Nutzer «LIAG20» konnte das Kennzeichen «SG 4» für 179’700 Franken ersteigern. Damit rückte das Kennzeichen auf Platz zwei der teuersten Nummernschilder der Schweiz.

Die Hoffnung stirbt zuletzt

Doch seit der Auktion ist noch kein Rappen beim St.Galler Strassenverkehrsamt eingegangen. Als Mitte Juni die Frist für die Bezahlung abgelaufen ist, zeigte sich der Leiter des Strassenverkehrsamts, Hanspeter Sigg dennoch unbeschwert. Gegenüber «20Minuten» berichtete er, dass der Kunde schon mehrere Kennzeichen ersteigert und immer bezahlt habe. Damals sagte Sigg: «Ich bin mir zu 90 Prozent sicher, dass er auch dieses Mal bezahlen wird.»

Daraufhin kam es zu einer Zahlungserinnerung, worauf der Nutzer «LIAG20» ebenfalls nicht reagierte. Sigg sagte damals gegenüber «20Minuten», dass er immer noch zuversichtlich sei, dass es nicht bis zur Betreibung hinauslaufen werde. Denn Zahlungserinnerungen seien in vergangenen Fällen schon mehrmals verschickt worden, aber eine Betreibung habe es noch nie gegeben. Im Juli kam es dann zu einer Mahnung, deren Frist am Freitag, 5. August, abgelaufen ist.

Betreibung und Sperrung – das erwartet den Nutzer «LIAG20»

Von der Überweisung von 179’800 Franken fehlt immer noch jede Spur. Der Stellvertretende Amtsleiter, Patrick Schnelli, bestätigt: «Bis am Freitag war jegliche Kontaktaufnahme mit dem Nutzer ‹LIAG20› erfolglos.»

Nun werden betrieblich rechtliche Massnahmen gegen den Nutzer «LIAG20» eingeleitet. Zudem wird der Autonummer-Liebhaber von zukünftigen Auktionen des St.Galler Strassenverkehrsamts ausgeschlossen. Schnelli: «Der Nutzer wird auf unbestimmte Zeit gesperrt.»

Dass der Vorfall Auswirkungen auf zukünftige Auktionen haben könnte, bezweifelt Schnelli. Das System habe sich bis jetzt gut bewährt. Er sagt: «Die Beträge für die Autokennzeichen sind bis jetzt immer bezahlt worden.»

Im Normalfall seien sich die Leute bewusst, dass sie einem Kauf verpflichtet sind, wenn sie das höchste Gebot abgeben. «Durch den Vorfall wird den Teilnehmenden hoffentlich nochmals klar, dass eine Auktion kein Spiel ist», so Schnelli.

Wenn im Betreibungsverfahren die Rechnung immer noch nicht bezahlt wird, dann können sich die anderen Bieter freuen, die bereits im Mai mit der Nummer SG4 geliebäugelt haben. Denn das Kennzeichen würde dann wieder vom Strassenverkehrsamt St.Gallen zur Auktion freigegeben werden.

Tabea Leitner/St.Galler Tagblatt
Quelle: St.Galler Tagblatt
veröffentlicht: 5. August 2022 09:34
aktualisiert: 5. August 2022 09:34
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