St.Gallen

Jugendliche planen zweite Krawallnacht in St.Galler Innenstadt

Krisztina Scherrer, 31. März 2021, 18:59 Uhr
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Quelle: FM1Today / TVO

Dieses Wochenende soll es in der Stadt St.Gallen erneut eine Krawallnacht geben: Auf Social Media kursieren verschiedene Aufrufe zur Verwüstung der Innenstadt. Die Polizei ist vorbereitet.

«Es mue eskaliere» oder «Mir müend zeige, was mir sind»: Nachdem zahlreiche Jugendliche vergangenen Freitag auf dem Roten Platz und Umgebung Fensterscheiben, Mobiliar und Pflanzen zerstörten, wollen sie sich dieses Wochenende wieder treffen. Auf Social Media kursieren diverse Aufrufe dazu. Eine anonyme Quelle, die letzten Freitag ebenfalls auf dem Roten Platz war, gibt an: «Ich habe gehört, dieses Wochenende kommen viele Leute aus Luzern und Bern.» Dabei wollen es die Jugendlichen vor allem der Polizei zeigen: «Mir chönd zeige, dass mir üs nöd alles gfalle lönd vo de Polizei.»

Aufruf zur Gewalt in St.Gallen
© Screenshot

«Wir hoffen, dass unserem Laden nichts passiert»

Die Ladenbesitzerinnen rund um den Roten Platz haben Kenntnis über die erneuten Aufrufe zur Gewalt und zeigen Verständnis für den Frust der Jugendlichen: «Es ist nachvollziehbar, dass sich die Jungen treffen wollen», sagt Sara Calan, Mitinhaberin des WatchShops Calan. Ihr Uhrenladen wurde letzte Woche verschont. Manuela Kölbener von der Chocolaterie Kölbener sagt zum erneuten Gewaltaufruf: «Auf eine Art verstehe ich es. Den Jugendlichen wird alles verboten. Jetzt sind ihre schönsten Jahre, wo sie Party machen oder in den Ausgang gehen können.»

Doch das Randalieren ist für die Geschäftsfrauen eine ganz andere Sache: «Dass die Jugendlichen Sachen von anderen Leuten und Ladenbesitzerinnen- und besitzern kaputt machen, dafür habe ich kein Verständnis. Ich hoffe, sie merken, dass das keinen Sinn ergibt», findet Carmela Lüchinger, Inhaberin der Lüchinger Galerie. Angst vor einer erneuten Krawallnacht haben die drei Frauen nicht. «Wir hoffen einfach nur, dass mit unserem Laden nichts passiert. Mehr können wir nicht machen», so Lüchinger. «Da muss die Polizei schauen, dass sie das in den Griff bekommen», sagt Kölbener. Bei den Ausschreitungen letzte Woche wurde ihr eine Scheibe eingeschlagen, auch die Gartenmöbel wurden zerkratzt. «Ich hoffe, es kommt nicht mehr so weit.»

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Quelle: tvo

«Verurteilen Gewaltaufrufe aufs Schärfste» 

Auch Stadträtin Sonja Lüthi hat Verständnis für den Frust der jungen Leute. «Seit mehr als einem Jahr können soziale Kontakte nicht in gleicher Form gepflegt werden und Freizeitaktivitäten sind eingeschränkt. Das drückt natürlich auf das Wohlbefinden und die Stimmung bei den Jugendlichen, rechtfertigt Gewalt aber in keiner Art und Weise.» Was am vergangenen Freitag passiert ist, sei inakzeptabel. «Wir verurteilen die Gewalt und ebenso den erneuten Gewaltaufruf aufs Schärfste», sagt die Direktorin für Soziales und Sicherheit. Gewalt und Sachbeschädigung seien nicht die Lösung in der aktuellen Situation.

Sonja Lüthi ist Stadträtin und Direktorin für Soziales und Sicherheit. 

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Die Jugendlichen müssen wissen, wo die Grenzen liegen, so Lüthi. So können sich die Jugendlichen an verschiedenen öffentlichen Plätzen in St.Gallen in 15er Gruppen treffen. "So war es auch am Samstagabend der Fall, als rund 150 Personen auf dem roten Platz, verteilt in einzelne Gruppen, den Abend verbracht haben. Die Stimmung war friedlich." Die Stadträtin appelliert an die Jugendlichen: «Ihr dürft euch in der Stadt St.Gallen treffen, aber ohne Gewalt. St.Gallen soll friedlich bleiben.»

«Haben Kenntnis von erneuten Aufrufen zur Gewalt»

Auf die angedrohte Krawallnacht am Osterwochenende ist die Stadtpolizei vorbereitet: «Wir haben Kenntnis von erneuten Aufrufen zur Gewalt», sagt Dionys Widmer, Mediensprecher der Stadtpolizei St.Gallen. «Wir verfolgen die Hinweise, machen eine Lagebeurteilung und planen den Einsatz.» Mehr kann Widmer aus polizeitaktischen Gründen nicht sagen.

Polizisten beschimpft, mit Flaschen und Steinen beworfen

Über 100 Personen hatten sich vergangenen Freitagabend in den Drei Weieren versammelt, um dort zusammen zu feiern und zu trinken. Weil über Tiktok, Instagram und Snapchat dazu aufgerufen wurde, bekam auch die Stadtpolizei St.Gallen schnell Wind von der illegalen Veranstaltung. Darauf zogen die Partygänger weiter zum Roten Platz. Dort kam es zur Auseinandersetzung mit der Polizei und den unterdessen rund 200 Personen. Die Polizisten wurden beschimpft, mit Flaschen und Steinen beworfen. Die Polizei antwortete mit Reizstoff und Gummischrot. Die Stadtpolizei St.Gallen konnte mit Hilfe der Kantonspolizei St.Gallen und Appenzell Ausserrhoden die Situation unter Kontrolle bringen. Der Sachschaden beläuft sich auf mindestens 40'000 Franken.

Quelle: FM1Today
veröffentlicht: 31. März 2021 16:13
aktualisiert: 31. März 2021 18:59